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Donnerstag, 23.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Im letzten Heimspiel lässt der FCA seine Fans im Regen stehen

Der Himmel weinte beim mutmaßlich letzten Spiel von Markus Weinzierl als Trainer des FC Augsburg. Angesichts des bereits am Spieltag zuvor gesicherten Klassenerhalts war die 1:3 Heimniederlage gegen den Hamburger SV in der ausverkauften WWK-Arena nur ein kleiner Wermutstropfen, von dem sich die FCA Fans ihre Feierlaune nicht vermiesen ließen.

Von Udo Legner

Unmittelbar vor Spielbeginn verkündete der Stadionsprecher die Vertragsverlängerungen von Alfred Finnbogason und Jeffrey Gouweleeuw (beide bis zum Jahr 2020) und Markus Feulner (bis 2017).  “Es ist ein großes Glück, dass der Kader nahezu erhalten bleibt.”- so der Kommentar von Manager Stefan Reuter zu dieser Weichenstellung für die Nach-Weinzierl-Ära.

In Anbetracht des Theaters um den Verbleib von Weinzierl und des Rätselns um seine Nachfolge war die Mannschaftsaufstellung fast zur Nebensache geraten. Im Vergleich zum 1:1 Remis auf Schalke hatte Markus Weinzierl sein Team auf zwei Positionen geändert. Für die verletzten Ja-cheol Koo (Zehbruch) und Jeffrey Gouweleeuw (Sprunggelenk-OP) waren Jan Morávek und Dan Opare in die Startformation gerückt.

Frühe FCA Führung

"Glück auf, Markus"

"Glück auf, Markus" (Foto: Sport-in-Augsburg.de)


Die Anfangsphase der Partie war geprägt und getragen von den Gesängen und Anfeuerungen aus den beiden Fankurven, – über 3000 HSV Fans waren die Reise ins Schwabenland angetreten – eine klasse Kulisse bei diesem Duell der längst Geretteten. Mit spürbarer Unbekümmertheit begannen die beiden Teams diese Regenparty, die in der frühen Führung für den FCA durch Alfred Finnbogason (11. Min.) gipfelte. Von einem Missverständnis zwischen Defensivspieler Djourou und HSV-Keeper Mickel profitierte der isländische Nationalspieler, der die Flanke vom Augsburger Außenverteidiger Max nur noch zur FCA Führung einzunicken brauchte.

Nach diesem Gastgeschenk des HSV – es war Finnbogasons siebtes Saisontor – nahm das Spiel richtig Fahrt auf. Nach einer Viertelstunde Spielzeit kamen die Hanseaten durch Gregoritsch (16. Min.) und Müller (19. Min.) zu ersten Torchancen. Doch auf der Gegenseite fast das 2:0 für den FCA: Nach einem Freistoß von Daniel Baier (24. Min.) legte Finnbogason quer auf Altintop ab, dessen Volleyschuss von Schlussmann Mickel mit den Fingerspitzen gerade noch über die Latte  gelenkt werden konnte.

Nach einer halben Stunde nahmen die Nicklichkeiten auf beiden Seiten zu. Nach rüdem Foul von Gregoritsch an Christoph Janker zeigte der Unparteiische Florian Meyer dem Hamburger Goalgetter die gelbe Karte (34. Min.). Nur wenig später konnte Janker den heranstürmenden Müller nur noch mit einer Grätsche stoppen, wofür er ebenfalls Gelb sah.  Dieser Gleichstand bei den gelben Karten nahm den Spielverlauf vorweg: den fälligen Freistoß aus 20 Metern verwandelte Gregoritsch mit einem wunderschön gezirkelten Schuss über die Mauer in den rechten oberen Winkel zum 1:1 Ausgleich.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff fast die Hamburger Führung durch Müller, dessen  Heber von der Strafraumgrenze FCA-Schlussmann Hitz schon überwunden hatte, doch in in allerletzter Sekunde von Hong noch vor der Linie geklärt wurde.

Fazit zur Halbzeit: mit einem gerechten 1:1 Unentschieden geht es zum Pausentee, den sich die beiden Teams für das gebotene Spektakel in dieser Regenschlacht fürwahr verdient hatten.

Das alte Lied: Gegentore nach Standards

Dass das Augsburger Angriffsspiel in der zweiten Hälfte ins Stocken geriet, hatte viele Gründe. Vor allem Halil Altintop tat sich mit dem nassen Rasen sichtlich schwer, rutschte immer wieder aus und konnte keinerlei Akzente für die Offensive setzten.  Dan Opare, dessen Auftritte  im ersten Durchgang noch einen Hauch von großer Oper hatten und der mit seinen  besten Aktionen gar an seinen Vorgänger Baba erinnerte, unterlief nun ein Stellungs- und Abspielfehler nach dem anderen, was immer wieder zu Ballverlusten und Ecken für den Hamburger SV führte. Nur bei den gelben Karten (50. Min. Kohr nach Foul an Holtby, 52. Min. Finnbogason nach Tackling mit Cleber) hatte die Weinzierl-Truppe im zweiten Durchgang noch die Nase vorn. Torchancen für den FCA: Fehlanzeige! Lediglich in der 57. Minute kam der FCA nach einem Eckball von Thomas Baier gefährlich vor das Hamburger Tor, doch der Flachschuss von Max konnte von Torwart-Debütant Mickel pariert werden, der seinen Anfangspatzer längst wieder wett gemacht hatte.

Kurz darauf fiel das 2:1 für den HSV, an dem erneut Gregoritsch großen Anteil hatte. Seine Verlängerung der Ecke am kurzen Pfosten brauchte Müller aus kürzester Distanz nur noch einköpfen. Markus Weinzierl reagierte prompt auf den Rückstand und verstärkte die Offensive: Raul Bobadilla kam für den insgesamt blassen Jan Morávek. Doch in die Bemühungen um den Augsburger Ausgleichstreffer fiel das 3:1 für die Standard-Könige aus dem Norden. Nach einer weiteren Ecke für den HSV brachte die FCA Abwehr den Ball nicht vor dem Tor weg und einmal mehr war es der Österreicher Gregoritsch, der von diesem Schnitzer zu profitierten wusste und den Ball ins lange Eck schob.

Noch-FCA Trainer Markus Weinzierl spielte seinen letzten Trumpf: Für Maskenmann Kohr kam Dong-Won Ji ins Spiel.

Singing in the Rain

Dass der FCA das Austria-Spektakel in der Schlussphase doch noch für sich entschied, hatte nichts mit den Einwechslungen der neuen FCA Offensivspieler, aber viel mit dem Wechsel der FCA Torhüter zu tun. Markus Weinzierl schenkte Augsburgs Ersatzkeeper Manninger, der den Verein verlassen wird, noch ein paar letzte Einsatzminuten – eine schöne Geste zum Abschied, die von den FCA Fans mit „Manninger-Manninger“ Sprechgesängen gefeiert wurde. In den letzten Minuten setzten die Augsburger alles daran, ihrem Torwart-Oldie möglichst viele Ballkontakte zu verschaffen, was den Schwaben – im Gegensatz zu vielen anderen Aktionen im zweiten Durchgang – auch trefflich gelang!

Abschlusstabelle

Abschlusstabelle


Mit dieser achten Heimniederlage beendet der FCA seine sechste Bundesligasaison und erste Europa-Liga Saison auf dem 12. Tabellenplatz – ein Erfolg, der von den FCA Fans noch lange nach Abpfiff unter dem Augsburger Regenhimmel und bei Freibier gefeiert wurde. Wird der Himmel für Markus Weinzierl bald königsblau? Wie lange wird er auf Schalke gelitten? Auf diese Antworten müssen wir wohl noch etwas warten! Glück auf, Markus!

FCA:

Hitz – Opare , Hong , Janker, Max – Baier – Kohr – Moravek, Halil Altintop, Caiuby – Finnbogason.



Einwechslungen
:

63. Bobadilla für Moravek,

76. Ji für Kohr,

87. Manninger für Hitz.