Wendejahre
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 21.05.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Lokalpolitik

„Ich selbst will Neues in meinem Leben zulassen“

Fast genau ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl im März 2020 gab Augsburgs amtierender Oberbürgermeister heute bekannt, dass er nach zwei Amtsperioden nicht mehr für das OB-Amt kandidieren werde. Ort der Bekanntgabe: Nicht das Rathaus, sondern die Räumlichkeiten der CSU-Fraktion. Dementsprechend dünnlippig fiel die Begründung aus.

Gribl begründete diesen Schritt damit, dass es auch möglich sein müsse, politische Verantwortung selbstbestimmt wieder aus der Hand geben zu können. Politik müsse durchlässiger und offener werden. „Für junge Leute. Für Frauen. Für neue Ideen und andere Kompetenzen.“
Durchlässigkeit bedeute, so Gribl dass man genauso aus der Politik wieder ausscheiden könne, wie man sich dort einbringen könne. Gribl sprach davon, einer neuen Entwicklung neuen Raum zu geben: „Ich will ein Politiker sein, der gehen kann. Der loslassen kann, auch und gerade wenn gute Erfolge erzielt wurden. Der selbstbestimmt ist und selbstbestimmt agiert“, so Kurt Gribl, der gerade mal 55 Jahre alt ist.
Augsburgs Oberbürgermeister Gribl verwies auf „strukturelle und dynamische Entwicklungen in allen damals festgefahrenen Bereichen“ und vertrat die Auffassung, dass sich in den zurückliegenden 11 Jahren fast alles grundlegend zum Besseren verändert habe, da es nun „eine funktionierende und moderne Infrastruktur für Mobilität, Gesundheitsversorgung auf medizinischem Spitzenniveau, Bildung und Kultur, Erneuerung der Innenstadt und Impulse für die Stadtteile“ geben würde. Darüber hinaus habe man nun in Augsburg „eine moderne, den Bürgern zugewandte, effiziente Verwaltung. Schlagkräftige und krisenbeständige städtische Unternehmen. Die Ausrichtung auf neue Technologien und damit verbundene hochwertige Arbeitsplätze. Arbeitsplätze, die die Bürgerinnen und Bürger schützen vor Krisen, Arbeitsplätze die sicher sind, weil sie Zukunft haben.“

Darüber hinaus, so Gribl, habe Augsburg eine lebenswerte Innenstadt, die pulsiere und lebe. „Ein breites Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebot. Neue und spannende Arbeitsplätze. Angebote für die Unternehmen von Morgen. Lebensgefühl in ausgewogener Balance zwischen “neuer Arbeit”, Freizeit, Einklang mit Umwelt und Natur, kulturellem Aufbruch.“

Doch nun, nachdem der Rahmen in den vergangenen 10 Jahren gesteckt worden sei und „Augsburg dynamisch wurde“, so Gribl wörtlich, müsse man weiterdenken – und für diese Aufgabe wolle er sich nicht mehr selbst empfehlen. Für diese Aufgabe sei nun die aktuelle Wirtschafts- und Finanzreferentin Eva Weber als neue OB-Kandidatin der CSU bestimmt.

Am plausibelsten wirkte Gribls Ausstiegserklärung in dem Moment, in dem er über seine Zukunft sprach: „Ich selbst will Neues in meinem Leben zulassen, Neues lernen und kennenlernen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.Wenn ich mein Amt als Oberbürgermeister beende, dann werde ich knapp 56 Jahre alt sein. Sechs Jahre später – dann mit 62 Jahren – wäre das Risiko groß, nicht mehr loslassen zu wollen, um neue Wege zu gehen. (…) Ich werde also Neues wagen. Um es gleich vorneweg zu sagen: Was es sein wird, weiß ich noch nicht. Ich befinde mich nicht auf der Suche, ich werde mich auch nicht festlegen. Mein Amt habe ich bis zum Beginn der neuen Stadtratsperiode im Mai 2020 inne und ich werde es mit meiner ganzen Kraft und Konzentration erfüllen.“



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