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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Hochprozentiges in atemberaubender Geschwindigkeit

LaBrassBanda im Spektrum

Von Frank Heindl

Stefan Dettl untertrieb zwar gewaltig, als er sich an das “LaBrassBanda”-Konzert vor einem Jahr in der “Kantine” erinnerte. Von wegen “nur zwanzig Leute”! – auch damals schon sah und hörte man ein gut besuchtes Konzert mit einem restlos begeisterten Publikum. Trotzdem hat er natürlich recht mit der Feststellung, dass sich im Dezember 2007 kaum einer vorstellen konnte, dass die kauzigen Chiemgauer ein Jahr später durch Russland touren würden. Und dass sie am Donnerstag im “Spektrum” nicht nur vor ausverkauftem Haus spielen, sondern auch auf ein Publikum treffen würden, dass zu einem guten Teil ihre Texte von A bis Z auswendig konnte und von der ersten Sekunde an begeistert mitsang, -tanzte, -feierte! Schön, dass eine Band mit solch einem unangepassten kreativen Potential eine solche Blitzkarriere hinlegen kann.

Im Spektrum wurde deutlich, dass in Augsburg eine ganze Menge Oberbayern leben müssen. Aber auch, dass der Humor und vor allem die irrsinnige Musikalität dieser Band weit über landsmannschaftliche Grenzen hinaus goutiert wird – auch Schwaben, ja sogar Augsburger können sich begeistern lassen! Begeistern lassen vor allem von dem so gewagten wie einfach scheinenden Konzept der Band: Man nehme Trompete, Posaune und Tuba, lasse diese die melodische und rhythmische Hauptarbeit übernehmen. Man garniere das Ganze mit Schlagzeug und E-Bass und werfe dann alles durcheinander, was man an musikalischen Einflüssen zu bieten hat: Reggae und Volksmusik, bayerische und russische Folklore und solche vom Balkan, Dancehall und Techno, Tango und Marsch. Man singe und jodle und rappe dazu. Und schließlich schmecke man das Ganze mit viel Humor und ein paar kabarettistischen Einlagen ab. Nicht zu vergessen: Das so entstandene hochprozentige Gebräu muss in atemberaubender Geschwindigkeit serviert werden.

Und bei dieser Gelegenheit Stelle zeigt “LaBrassBanda” ganz deutlich, dass zum Erfolg nicht nur eine Menge Talent und ein hochsympathischer Sänger und Entertainer auf der Bühne notwendig sind, sondern auch eine gehörige Prise Handwerk: Das selbe hohe Maß an Können und Geschwindigkeit, das Dettl an der Trompete zeigt, bieten auch Manuel Winbek (Posaune) und Andres Hofmeir (Tuba). Oliver Wrage unterstützt das knallige Gebläse mit einem fetten Bass, Manuel da Coll tobt furios und virtuos am reduzierten Schlagwerk. Da sind keine Amateure am Werk, sondern bestens ausgebildete Profis.

Von der Autobahn wird gesungen, vom Chiemgau, vom Zehnerlfuxa und vom Marienkäfer, und all das ist so fetzig, so bunt, so mitreißend, so lustig, dass man der Band am liebsten gleich nachreisen würde auf der weiteren Tournee. Das Publikum im Spektrum tanzt und tobt, hüpft und singt und klatscht und jubelt und gibt erst nach drei Zugaben Ruhe. “Die da oben” auf der Bühne bedanken sich sympathisch bescheiden, haben noch nicht abgehoben und tun gut daran, genau dies zu ihrem Markenzeichen zu machen: Die Cheamgauer Buam zu bleiben, die mit ihrem Charme, ihrer Bodenständigkeit und ihrer umwerfenden Musik die Welt erobern. Nowosibirsk dürfte nicht die letzte Station gewesen sein.