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Freitag, 10.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

HipHop, Grusel, Religion

Bei CampusKunst darf jeder Künstler sein

Von Kristin Ruckschnat

Ein paar Minuten muss das Publikum warten, dann springt Verena Reger endlich auf die Bühne. Mit der Entschuldigung für ihre Verspätung erntet die 27-jährige Studentin gleich den ersten Lacher: „Ich habe gehört, dass man für seine Stimme ein bisschen Wodka trinken soll – und es stimmt!“ Ihr Auftreten wirkt auf den ersten Blick etwas verplant. Doch sobald der Blondschopf mit den verwuschelten Haaren auf den Stuhl geklettert ist und die Saiten der Gitarre zum Schwingen gebracht hat, läuft alles wie am Schnürchen.

Zum ersten Mal vor großem Publikum: die Studenten Julian Meyer und Felix Schurer.

Zum ersten Mal vor großem Publikum: die Studenten Julian Meyer und Felix Schurer.


Jedes Semester bietet das Studentenwerk den Augsburger Studierenden die Möglichkeit, der Öffentlichkeit ihre Werke vorzustellen. So auch am vergangenen Mittwochabend in der Mensa der Hochschule Augsburg. „Der Gedanke dahinter ist, dass Studierende Erfahrungen auf der Bühne sammeln können“, sagt Michael Noghero vom Studentenwerk Augsburg. „Außerdem können sie nach außen zeigen, in welcher Vielfalt sie Kunst zu bieten haben.“ Ein Casting für die Veranstaltung gibt es nicht. Zwischen den Bewerbern für die zehn Auftritte wird am Ende gelost. Wie professionell die Künstler auf der 12. CampusKunst-Veranstaltung sind, ist daher Zufall. „Genau wie für die Zuschauer ist es auch für uns auch jedes Mal eine Überraschung, was genau am Ende auf der Bühne präsentiert wird“, sagt Noghero.

In der Mensa wird’s eng

Volles Haus für die Nachwuchskunst – die Uni-Mensa war proppenvoll (Fotos: Kristin Ruckschnat).

Volles Haus für die Nachwuchskunst – die Uni-Mensa war proppenvoll (Fotos: Kristin Ruckschnat).


Das Publikum nimmt die kostenlose Einladung gerne an. Mit über 300 Leuten sind nicht nur die Sitzplätze in der Mensa restlos besetzt, auch bei den Stehplätzen wird’s eng. Doch die Stimmung ist grandios: Egal ob fetziger HipHop-Tanz, religiöse Rocklieder oder gruselige Prosa, die Gäste honorieren jeden Beitrag mit Applaus. So auch den von Georg Stasch. Der 23-jährige tritt zum zweiten Mal bei CampusKunst auf und wird von seinen Fans überrascht, die seinen Namen in gebastelten Buchstaben hochhalten. Und seine Fans können sich auf ihn verlassen: Zu eingespielten Beats rappt der Berliner überraschend hart und wortgewandt seine politischen Einstellungen zu Krieg und Frieden. „Ich bin hier, weil ich finde, dass man den Mund aufmachen sollte“, sagt er. Auf der Bühne zu stehen ist für ihn nichts Neues: Zwischen Abi und Studium tobte er sich zwei Jahre in Berlin kreativ aus, spielte Theater, trat bei Veranstaltungen gegen Fremdenfeindlichkeit auf.

Für andere Künstler ist es der erste Auftritt vor so vielen Leuten. Julian Meyer und Felix Schurer probierten sich lediglich vor Kommilitonen ihres Masterstudiengangs aus, bevor sie sich in die Öffentlichkeit wagten. Doch auch ihr Auftritt ist ein voller Erfolg: Gecoverte wie auch selbst komponierte Lieder begeistern das Publikum und sorgen für viel Applaus.

Als CampusKunst nach über drei Stunden ein Ende findet, freuen sich Einige schon auf das nächste Mal: „Wir sind überrascht, dass es so schnell zu Ende ist. Eine After-Show-Party wäre klasse“, sagt Ivonne Friedrich. Und ihre Freundin Tini Seppl-Mair fügt hinzu: „Schade, dass es das nicht öfter gibt.“