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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Herz aus Gold: Einblick in das Fugger-Musical

Am vergangenen Donnerstag lud das Theater Augsburg zu einem Pressegespräch anlässlich der Produktion des Fugger-Musicals „Herz aus Gold“ ein

Roberta Valentini und Chris Murray (c) Jan-Pieter Fuhr

Im Foyer des Martiniparks gaben zu Beginn die beiden Protagonisten Roberta Valentini (Sybilla) und Chris Murray (Jakob Fugger) sowie am Klavier Stephan Kanyar einen gesanglichen Vorgeschmack auf das Musical, das in knapp zwei Wochen auf der Freilichtbühne als Welt-Uraufführung seine Premiere feiert. Sie intonierten ein leidenschaftliches Duett zwischen Sybilla und ihrem Mann Jakob Fugger. Die Begeisterung der Künstler war dabei ansteckend.

Anschließend fanden sich neben den beiden Hauptdarstellern und dem Komponisten Stephan Kanyar auch der Intendant des Stadttheaters, André Bücker, der Autor des Musicals, Andreas Hillger sowie der Regisseur Holger Hauer im Foyer ein, um über ihre Einfühlungsprozesse und Probenerfahrungen zu erzählen. Intendant André Bücker zeigte sich überzeugt vom „Geschenk an die Stadt Augsburg“. In seiner ersten Spielzeit als Intendant des Stadttheaters sei es sein Ziel gewesen, „nicht irgend einen alten, großen Titel“ auf der Freilichtbühne zu präsentieren, sondern ein „neues Stück für Augsburg mit Bezug zu Augsburg“. So sei es schließlich zur Idee des Jakob-Fugger-Musicals gekommen.

Im Gespräch unter den Musical-Machern wurden verschiedene Aspekte des Stücks und seine Genese beleuchtet. „Herz aus Gold“ will die Geschichte einer romantischen Beziehung zwischen Jakob Fugger und seiner mehr als 20 Jahre jüngeren Frau Sybilla erzählen. Dies soll in einer Mischung aus historischen Fakten und fiktiver Dichtung geschehen. Zwar sind alle Figuren auch historisch belegt, betonte Autor Andreas Hillger, doch naturgemäß existieren keine Aufzeichnungen über das Gefühlsleben eines Jakob Fugger. Und genau in diese Lücke möchte das Musical stoßen: Es zeigt die Gefühle und Verwicklungen des Ehepaars Fugger, wie sie hätten sein können, und setzt dabei auf „große Emotionen und Bilder“.

„Ein Musical über die doppelte Buchhaltung des Fugger-Imperiums hingegen wäre eher langweilig geworden“, so Hillger. Und so standen alle Beteiligten vor der Herausforderung, wie man in die Geschichte um einen eher spröden, tief gläubigen und steinreichen Kapitalisten ein Gefühlsleben einfügen kann, ohne dass es zu überzogen oder kitschig wirkt.

André Bücker mit Komponist Stephan Kanyar (c) DAZ

Für Regieseur Holger Hauer überwiegt dabei klar der Vorteil, dass diese Produktion einen Stoff behandelt, der noch nie als Musical bearbeitet wurde. Daraus würden sich viele Freiheiten ergeben. So erläuterte er beispielsweise zu den Arbeitsabläufen bei der Produktion, dass die Entwicklung des Musicals eigentlich bis zum Zeitpunkt der Uraufführung nie abgeschlossen sei. Vielmehr sei es so, dass in Zusammenarbeit mit Schauspielern, Choreographen, dem Autor und dem Komponisten im Laufe der Entwicklung auch immer wieder ganze Passagen umgeschrieben oder sogar gestrichen wurden. Immer mit dem Ziel, „einen großen Abend mit großen Bildern und Emotionen zu gestalten“.

Insgesamt werden bei der Inszenierung 65 Schauspieler und das Orchester der Augsburger Philharmoniker auf der Bühne mitwirken. Neben dem guten Zusammenspiel der jeweiligen Akteure von Tanz, Wort und Musik wurden besonders auch die Kostüme hervorgehoben: Was die Schneiderei des Theaters gerade leiste sei herausragend, sagte Hauer. Vom Stand der Produktion zeigte sich anschließend auch Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck begeistert: Hinsichtlich der Entwicklung des Tourismus in Augsburg habe er „lange davon geträumt“, dass ein rein Augsburger Musical zustande komme. Götz Becks Begeisterung kann man besonders vor dem Hintergrund verstehen, dass die Musicalbranche in Deutschland in den vergangenen Jahren jeweils zirka 1,5 Millionen Besucher vermelden konnte.

Die Produktion des Fugger-Musicals trage außerdem dazu bei, das Profil Augsburgs als Fuggerstadt zu stärken, so Beck weiter. – Dass das Theater Augsburg in seiner letzten Stadttheater-Produktion ausgerechnet mit den Fuggern ein hohes finanzielles Risiko eingeht, muss an dieser Stelle nicht hervorgehoben werden. „Irgend ein alter, großer Titel“ war  in der Vergangenheit nämlich die bitter notwendige „Cash-Cow“ für das unterfinanzierte Augsburger Stadttheater. 45.500 Zuschauer bei der West-Side-Story (1997), 45.000 Zuschauer bei den Blues Brothers (2016) und 45.000 Zuschauer bei der Rocky-Horror-Show (2017) sorgten für volle Kassen. Wenn ein Stück beim Publikum nicht so gut ankommt beziehungsweise das Wetter nicht mitspielt, schlägt das ins Kontor, wie 2015, als beim Musical „Caberet“ lediglich 27.400 Zuschauer kamen und nur 700.000 Euro Einnahmen zu verbuchen waren. Die Rocky-Horror-Show erzielte dagegen im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro Eintrittserlöse.

Herz aus Gold wird vom 30. Juni (Premiere) bis zum 28. Juli an 21 Tagen aufgeführt – wenn das Wetter mitspielt. (Johannes Meyer)

 



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