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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Herrenbach: 96 Bäume sollen weg

In der Mai-Stadtratssitzung gab Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) bekannt, dass er keine Möglichkeiten sehe, die vom Wasserwirtschaftsamt empfohlene und vom städtischen Tiefbauamt als notwendige Vorsichtsmaßnahme bestätigte Fällung von 96 kerngesunden Bäumen zu verhindern. 

Der teilweise 50 bis 60-jährige Baumbestand säumt das Ufer des Herrenbachkanals zwischen der Reichenberger und Friedberger Straße und würde nach Auffassung des Wasserwirtschaftsamtes für erhebliche Überschwemmungsschäden sorgen, wenn Bäume bei einem Sturm umfallen würden. In diesem Fall könnte das Wurzelwerk die Betonrinne des Kanals  zerstören, sodass das Wasser des Kanals in die angrenzenden Kleingärten und in ein nahes Wohngebiet strömen würde. Auch ein umgestürzter Baum, der die Kanalrinne quert, könnte durch den Staueffekt das gleiche Katastrophenszenario auslösen. Nach langem Hin und Her, dazu gehört eine beantwortete Frageliste mit 33 Fragen des Regierungsbündnisses und eine Art Gegengutachten des Grünamtes, fügten sich Umweltreferat und Grünamt den Empfehlungen des Wasserwirtschaftamtes: Umweltreferent Reiner Erben kündigte im vergangenen Stadtrat die Fällungen der 96 Bäume in drei Schritten im Herbst 2018 an.

Dagegen beginnt sich Widerstand zu formieren. Stadtrat Volker Schafitel (FW) hat einen Antrag gestellt, das Betongerinne des Herrenbachs zu sanieren, um eine Beschädigung durch das Wurzelwerk ausschließen zu können. Eine Bürgerinitiative befindet sich in der Gründungsphase und der Grüne Kreisverband will die Verlautbarung des Grünen Umweltreferenten nicht akzeptieren: „Die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden: Das scheint das Mantra der Ämter und Landesbehörden in Augsburg zu sein. So schön Baumschutz- und Naturschutzkonzepte in den Schubladen sind, in der Realität beweisen sie sich fast alle als Blindgänger.“ So beginnt ein Frontalangriff des Grünen-Chefs auf die Augsburger Verwaltung und den eigenen Grünen Referenten, der in diesem Konflikt bisher nur als Moderator tätig war.

„Die Bäume am Herrenbach haben das Wasserwirtschaftsamt Jahrzehnte nicht interessiert, nun müssen sie ganz schnell weg, weil bei einem Starksturmereignis Überschwemmungsgefahr für die Anwohner besteht. Diese plötzliche Erkenntnis ist für mich nicht nachvollziehbar. Mit den Anwohnerinnen und Anwohnern wurden Vorschläge diskutiert, wie die Gefahr von Überschwemmungen durch Dammbruch verhindert werden kann, leider scheint es seitens des Wasserwirtschaftsamtes kein Interesse an einer Lösung mit den Bäumen zu geben. Sie akzeptieren ausschließlich Dämme ohne Bäume“, so Rauscher weiter.

Foto: Einer von 96 zur Fällung vorgesehenen Bäumen am Herrenbach (c) DAZ

 



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