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Dienstag, 20.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Heimatpfleger: Was soll er können?

Kommentar von Siegfried Zagler

Professor Eberhard Paul Hilbich ist als Heimatpfleger aus seinem Amt gedrängt worden. Er selbst hätte gerne weiter gemacht, doch die SPD, einige CSU-Stadträte, die Linken sowie die Stadträte Englet, Schönberg und Kranzfelder-Poth haben sich mehr oder weniger öffentlich gegen eine Vertragsverlängerung mit Hilbich ausgesprochen. Hilbich wollte eine beschädigende Diskussion um seine Person vermeiden und hat klugerweise die Reißleine gezogen. Hätte die Stadtregierung frühzeitig begriffen, dass das Amt des Heimatpfleger zuletzt von Hilbich auf eine schwer erträgliche Weise interpretiert und ausgeführt wurde, hätte man ihm das peinliche Rücktrittsszenario ersparen können.

Eberhard Hilbich - Die Debatte um das komplexe Thema Maximilianstraße führen andere

Eberhard Hilbich - Die Debatte um das komplexe Thema Maximilianstraße führen andere


Hilbich war als unabhängiger Kopf bekannt – diese Einschätzung ist zutreffend. Aber er ist an dem Ehrenamt deshalb gescheitert, weil es längst nicht mehr ausreicht, als Heimatpfleger im Bauausschuss und andernorts akademische Erklärungen abzugeben. In Sachen Treppe am Fünffingerlesturm war er von Beginn an von der Alt-Augsburg-Gesellschaft vorbildlich in das Projekt mit einbezogen, allerdings hat sich Hilbich erst zu Wort gemeldet, als das Projekt baurechtlich genehmigt war. Einen ergebnisoffenen Diskurs um die Nutzungspläne des Fünffingerlesturms hat Hilbich vermieden. Als die Angelegenheit zum Politikum wurde, haben seine fragwürdigen Statements sowohl bei der Alt-Augsburg-Gesellschaft als auch bei den Treppengegnern Kopfschütteln ausgelöst. Hilbichs Part bei der städtebaulich wesentlich wichtigeren Angelegenheit „Sanierung Maxstraße“ ist ebenfalls über den Verlautbarungsstatus nicht hinausgekommen. Die Debatte um das komplexe Thema Maximilianstraße führen andere. Einen richtig schweren Fehler hat sich Heimatpfleger in der Angelegenheit “Historisches Freudenhaus” geleistet. Das denkmalpflegerisch umstrittene Vorgehen von Jörg Hilbich – Sohn des Heimatpflegers – bei der Sanierung der romatischen Immobilie am Gallusberg ist schwer in die Kritik geraten. Heimatpfleger Eberhard Hilbich unterstützte die Sanierung des geschichtsträchtigen Gebäudes zu Wohnzwecken seines Sohnes. Damit hat sich Hilbich als Heimatpfleger nicht nur in die Schusslinie der Öffentlichkeit begeben, sondern auch dem Amt schwer geschadet.

Die wichtigen Fragen muss der Heimatpfleger stellen

Finanzreferent und 2. Bürgermeister Hermann Weber hat sich in der noch zu führenden Diskussion um das neu zu besetzende Amt des Heimatpflegers sehr schnell – wie es Webers Wesensart entspricht – zu Wort gemeldet und sich dahingehend geäußert, dass der neue Heimatpfleger kein aktiver Architekt in Beruf und Brot sein solle, da daraus Interessenskonflikte entstehen könnten. Weber muss es wissen, schließlich hat er als CSU-Grande jahrzehntelang am politischen Geschehen in Augsburg mit großem Einfluss mitgewirkt, und dabei stets als Architekt im Hauptberuf sehr aktiv gearbeitet.

Wenn man das Amt des Heimatpflegers falsch lebt, dann können sogar Interessenskonflikte entstehen, wenn der Sohn den Architektenberuf ausübt, der Enkel, ein Neffe, ein guter Freund oder ein entfernter Verwandter. Darüber hinaus lässt sich das merkwürdige Ausschlusskriterium Webers pulverisieren, indem man das Amt des Heimatpflegers differenzierter definiert und somit einer notwendigen Aufwertung unterzieht. Die wichtigen Fragen des baulichen Umgangs mit einer durch und durch von historischer Substanz geprägten Stadt muss der Heimatpfleger stellen. Er muss sie nicht beantworten können oder wohlfeile Statements dazu stellen, sondern er muss es verstehen, einen qualitativ hochwertigen öffentlichen Diskurs in Gang zu setzen. Und er muss es verstehen, diesen Diskurs jenseits aller parteipolitischer Ränkespielchen moderierend zu begleiten und ihn trotz vielschichtiger Interessenslagen auf hohem Niveau zu halten – und zu Ende zu führen.

Nicht mehr und nicht weniger sollte der neue Heimatpfleger können.

» Heimatpfleger: Hilbich gibt auf