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Donnerstag, 02.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Hauptbahnhof: Umbau nimmt Fahrt auf

Grünes Licht für den Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs: Der Bauausschuss gab gestern einstimmig die Empfehlung ab, das Planfeststellungsverfahren einzuleiten.



Nachdem die im Ideenwettbewerb Innenstadt entwickelten Modifikationen in die Planung aufgenommen sind, steht jetzt einer Einreichung der Pläne bei der Regierung von Schwaben nichts mehr im Weg. Der Antrag zur Einleitung des komplizierten Genehmigungsverfahrens soll noch im August gestellt werden. Die Gesamtkosten des Bahnhofsprojekts liegen bei 98,2 Mio. Euro. Davon treffen die Stadt 6,6 Mio. als Kostenbeteiligung am Fußgängertunnel und an den Fahrtreppen von der Verteilerebene und zu den Bahnsteigen. 20,7 Mio. trägt die Bahn, knapp 25 Mio. werden von den Stadtwerken aufgebracht. Der Rest wird über Bundes- und Landeszuschüsse finanziert.

Die größten Modifikationen aus dem Ideenwettbewerb betreffen den Fußgängertunnel, der jetzt von Westen 6 Meter breit und 134 Meter lang von der Rosenaustraße in die Verteilerebene des neuen Hauptbahnhofs führt und in der Mitte einen 21 Meter langen Lichthof erhält. Auswirkungen auf die Planung der stadtseitigen, östlichen Tunnelrampe hatte der Vorschlag aus dem Wettbewerb, die Halderstraße künftig in beide Richtungen befahrbar zu machen.

„Wichtiger Tag für Augsburg“

Für Stadtwerkechef Norbert Walter war gestern ein „sehr wichtiger Tag für Augsburg“. Mit der Einreichung des Antrags im August nähere man sich mit großen Schritten dem gemeinsamen Ziel. Gleichzeitig warnte Walter vor Verzögerungen: „Wenn sich etwas Wesentliches verändern sollte, zum Beispiel am Kö, kennen Sie das Ritual“. Zeitplan und Finanzierung wären in Frage gestellt.

SPD-Fraktionschef Stefan Kiefer begrüßte die Planung als ordentlich und realistisch, warnte aber davor, sich in „Scheinsicherheit“ zu wiegen. Mit dem Einreichen der Planfeststellungsunterlagen komme man – nach langer Wartezeit – zwar in Fahrt. Sollten jedoch 10.000 Unterschriften für einen Tunnel am Kö eingereicht werden, stehe das Verfahren wieder.

„Der Tunnel wäre das Ende der Mobilitätsdrehscheibe“

Das Tunnel-Bürgerbegehren nahm auch in der weiteren Diskussion breiten Raum ein. Von Klaus Kirchner (SPD) nach Alternativplanungen am Kö befragt, stellte Baureferent Gerd Merkle klar, dass es keinen Plan B gebe. Ein erfolgreiches Tunnelbegehren wäre vielmehr das „Ende der Mobilitätsdrehscheibe“. Nach seinen auf verschiedenen Informationsveranstaltungen in den Stadtteilen gewonnenen Eindrücken sei es ihm jedoch „überhaupt nicht Angst“, sollte ganz Augsburg über einen Tunnel abstimmen müssen.

Stefan Quarg (SPD) gefiel Merkles fatalistische Haltung, dass die MDS gestorben sei, falls sich das Tunnelbegehren durchsetze, nicht: „Bitte nicht mit der Holzhackermethode“. Auch die SPD sei gegen einen Tunnel, habe aber einen Plan B, nämlich die Bypasslösung. Nach Vorstellung der SPD soll die Durchfahrt am Kö von der Adenauerallee zur Fuggerstraße – bei sonst unveränderter Planung – offen bleiben, bis genügend Entlastungsstraßen gebaut sind. Diese am 10. Juni vom Stadtrat verworfene Lösung wolle man verstärkt kommunzieren, so Quarg, „um die zu überzeugen, die vielleicht jetzt noch den Tunnel wollen“.

Sechs Jahre Bauzeit

Das endgültige Plazet zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Hauptbahnhof muss in einer Woche der Stadtrat geben. Bei einem positiven Beschluss wird das Verfahren am 30. August 2010 eingeleitet. Mit der Planfeststellung durch die Regierung von Schwaben wird zum Jahreswechsel 2011/2012 gerechnet. Baubeginn könnte dann im Jahr 2012 sein, 2018 könnte der Bahnhof in Betrieb gehen.