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Samstag, 18.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Hauptbahnhof: Neuer Zeit- und Kostenplan für den Tunnel vorgestellt

Der Bau der Straßenbahn­halte­stelle unter dem Augsburger Hauptbahnhof wird deutlich teurer und später fertig als bisher geplant. Dies gaben Stadt, Stadtwerke (swa) und die Deutsche Bahn (DB) am gestrigen Donnerstag vor den Medien bekannt.

v.l.: Axel Boß (DB Netz AG), OB Dr. Kurt Gribl und die Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza und Klaus-Peter Dietmayer bei der Präsentation des geänderten Zeit- und Kostenplans

Die neuen Zahlen und Daten sind das Ergebnis eines Gutachtens, das die Stadtwerke im Frühjahr 2014 bei einem externen, auf Controlling spezialisierten Büro in Auftrag gegeben haben und das seit Anfang Oktober vorliegt. Demnach steigen die Kosten des Straßen­bahn­tunnels und der Haltestelle unter den Bahnsteigen der DB von bisher geschätzten 116,8 auf jetzt 143,5 Millionen. Die Inbetriebnahme soll nicht 2019, sondern erst im Jahr 2022 erfolgen.

Verzögerungen durch den “Bahnsteig F”

Zu den Kosten von 143,5 Millionen addieren sich noch jährliche Steigerungen durch den Baupreisindex und ein von den Stadtwerken kalkulierter Risikopuffer von fünf Millionen. Von der Kostensteigerung in Höhe von 26,7 Millionen treffen die Stadtwerke rund 15 Millionen, auf die Stadt Augsburg kommt weniger als eine Million an Mehrkosten zu.

Die verlängerte Bauzeit ist in erster Linie auf Verzögerungen aus der Einfluss­sphäre der Deutschen Bahn zurückzuführen. Um die abschnittsweise Untertunnelung der Bahngleise überhaupt beginnen zu können, ist der Neubau eines weiteren Bahnsteigs, des so genannten Bahnsteigs F, erforderlich, der den Verkehr des jeweils vom Umbau betroffenen Bahnsteigs aufnehmen muss. Der Bahnsteig F hat aber bis heute weder Baurecht noch die nötige Planungsreife. Mit seiner Fertigstellung rechnen die Projektpartner DB und swa erst zum Ende des Jahres 2017. Entsprechend verschiebt sich der Tunnelbau zeitlich nach hinten.

Höheres Maß an Planungs- und Kostensicherheit

OB Kurt Gribl sah gestern keinen Anlass, die Mehrkosten und die längere Bauzeit dem Bürger “als Vorteil zu verkaufen”. Dank des “Stresstests”, wie er das Gutachten bezeichnete, habe man jetzt aber “eine sichere Grundlage, die Dinge sind durchdekliniert”. Die Umgestaltung des Hauptbahnhofs sei das wichtigste und ambitionierteste Verkehrsprojekt der Region und stelle sich als “sicher abwickelbar” dar.

Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza, der seit Jahres­beginn die Verkehrssparte der swa leitet, konnte der Erhöhung des Kosten­ansatzes und der verlängerten Bauzeit Positives abgewinnen: “Jetzt ist eine bessere und punktgenauere Planung und damit ein höheres Maß an Kosten­sicherheit möglich”.

Planungsbüro ausgetauscht

Überhaupt zeigt der neue Umgang mit dem Bahnhofsprojekt deutlich Casazzas Handschrift: “Der Hauptbahnhof ist jetzt mein Projekt geworden”, so Casazza gestern. 2019 als Fertigstellungstermin habe er immer schon für “ambitioniert” gehalten. Das Gutachten sei zur Plausibilisierung in Auftrag gegeben worden, nachdem sich technische und planerische Randbedingungen verändert hatten.

“Wir arbeiten unter einem rollenden Rad”, so Casazza weiter. Die Komplexität des Projekts sei sehr hoch, die Anforderung an die Planer entsprechend auch. Der bisherige Planer habe “nicht die Ressourcen aufgebracht, wie es notwendig gewesen wäre”. Darauf habe er reagieren müssen. Auch seien Bau- und Planungskosten zu optimistisch angesetzt gewesen. Seit Jahresmitte ist jetzt ein anderes Büro mit der Weiterplanung beauftragt.

Deutsche Bahn will zusätzlich investieren

Auf die Zusammenarbeit mit der DB habe die Planungs­misere jedoch keinen Einfluss gehabt. Dies bestätigte auch Axel Boß von der DB Netz AG: Man habe aufgrund der unterschied­lichen Zielvorgaben und Finanzierungs­kanäle zwar ein “nicht ganz spannungs­freies Verhältnis”, aber ein “sehr sehr ordentliches Miteinander, und die Prognose ist gut”. Es gebe genügend Punkte, sich zu reiben, was aber auf dem Bau völlig normal sei. Etwa 130 Millionen, von denen sich nur fünf bis acht Millionen mit dem gemeinsamen Projekt Mobilitäts­dreh­scheibe überschneiden, werde die DB in den nächsten 10 Jahren in Augsburg investieren, so Boß weiter, unter anderem in den Lärmschutz. Eine Entwicklung, die Walter Casazza begrüßte: “Mich freut, dass das Projekt MDA so eine Sogwirkung auf die Bahn hat”.

Eine Gefährdung der Projekt­finanzierung durch die spätere Fertigstellung sieht Casazza nicht: “Große Teile des Projekts werden im Rahmen des bis 2019 geltenden Gemeinde­verkehrs­finanzierungs­gesetzes GVFG abgewickelt.” Sollte es zu keiner GVFG-Nachfolgeregelung kommen, würde das im Worst Case 12 Mio. Verlust an Zuschüssen bedeuten. “Das wird der Konzern stemmen können”, so Casazza. Er gehe aber fest davon aus, dass das GVFG fortgeführt wird. Dies hätten die Bundeskanzlerin, der Bundes­verkehrs­minister und der Bayerische Minister­präsident immer wieder ausdrücklich bekräftigt.

» Kommentar: Nur kein Stress

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So könnte die Straßenbahn­halte­stelle unter dem Augsburger Hauptbahnhof einmal aussehen:

Verteilerebene -1

Haltestelle auf Ebene -2 (Visualisierungen: swa)