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Sonntag, 24.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Halbzeitbilanz im Baureferat: Der Teamplayer

Als letzter aus der Referentenriege präsentierte am gestrigen Montag Gerd Merkle seine Halbzeitbilanz. Im Kreis seiner wichtigsten leitenden Mitarbeiter gab sich der Baureferent im Offizierskasino auf dem Sheridangelände als echter Mannschaftsspieler.

Elias-Holl-Platz: Siegerentwurf bbz Landschaftsarchitekten mit atelier pk

“Es gibt eigentlich keine Halbzeit, wir agieren normalerweise in Zeiträumen von Jahrzehnten”, so der Baureferent, dessen berufliche Laufbahn in Augsburg 1993 im Stadtplanungsamt begann. Rund 200 Millionen Euro Gesamtinvestition im Bereich Hoch- und Tiefbau habe sein “Team Bauverwaltung” in den Jahren 2008 bis 2010 umgesetzt. Die “eine oder andere Baustelle” sei deshalb nicht zu übersehen gewesen. Acht Schwerpunkte mit zahlreichen Beispielen benannte Merkle in seinem fast einstündigen Rück- und Ausblick, darunter die Stadtteilentwicklung, den Umbau der Innenstadt, die Schaffung hochwertigen und kostengünstigen Wohnraums, den Ausbau zukunftsweisender Gewerbegebiete, Neubau- und Sanierungsmaßnahmen städtischer Immobilien und die Verbesserung der Verkehrssituation.

Mit seinen 200 Hektar Konversionsflächen, die die Amerikaner hinterlassen hätten, gehöre Augsburg zu den wenigen deutschen Städten, die mit Bevölkerungswachstum durch den Zuzug aus dem Umland rechnen könnten. Im Bereich Gewerbeansiedlung verwies Merkle auf das Areal “Grabenweg”, auf dem Premium Aerotec kürzlich die Produktionshalle für den Airbus A 350 errichtet hat, den Ausbau des Güterverkehrszentrums, den Innovationspark und die Umweltmeile Lechhausen Ost.

Gerüst in der Maximilianstraße wird nicht unter Denkmalschutz gestellt

Zu Merkles mittel- und kurzfristigen Zielen gehören der Umbau des Elias-Holl-Platzes, die Neugestaltung der Fußgängerzone, die Verkehrsberuhigung bzw. Verkehrsherausnahme in der Hallstraße und die Entfernung des seit Jahren mitten in der Maximilianstraße stehenden Baugerüstes an der Ulrichschule. Bis zur Frauen-Fußball-WM soll das Gerüst verschwunden sein, “bevor es der Denkmalschutz in seine Liste aufnimmt”. Bis zum Ende der Legislaturperiode steht als Tiefbaumaßnahme die Errichtung eines Restwasserkraftwerks auf der Ostseite des Hochablasses auf dem Programm, ein ebenso wichtiger Schritt zu Augsburgs energetischer Ertüchtigung wie das kommunale Energiemanagement des Hochbauamts für die städtischen Liegenschaften.

Aber nicht alles sei “perfekt gelaufen”, so Merkle zum Ende seines Rückblicks selbstkritisch. Die Fehler am Curt-Frenzel-Stadion hätten nicht passieren dürfen. Allerdings könne er heute keine Auskunft darüber geben, “wie es aus Verwaltungssicht hätte anders laufen können”. Dies sei Aufgabe einer Aufarbeitung in den nächsten Monaten.

Kunst am Container

Bei der Interimsspielstätte fürs Theater, dem zweiten nicht wunschgemäß gelaufenen Projekt, habe sich noch kein Fehler manifestiert. Jetzt sei das Hochbauamt, das ursprünglich nur die Baubetreuung ab Auftragsvergabe übernehmen sollte, gesamt federführend. Als Ergebnis der Analyse des gescheiterten Vergabeverfahrens würden nun Hochbau, Bühnentechnik und Haustechnik separat ausgeschrieben, um mehr Angebote und einen günstigeren Preis zu bekommen.

Die Planung für die Interimsspielstätte soll – unter Beibehaltung aller Anforderungen der Theaterintendanz – so abgeändert werden, dass der Eingang an die Kasernstraße rückt. Der Projektbeschluss im Stadtrat ist für Mai geplant. Die Kunst soll nicht nur im Bau, sondern auch am Bau eine Chance erhalten: Gerd Merkle kann sich sowohl eine Schaufassade für den Container als auch Kunst auf einem neu entstehenden Theaterplatz nach Verkehrsberuhigung der Kasernstraße vorstellen.