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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Gute Typen, aber wenig Leben

Theater Augsburg bringt die deutsche Erstaufführung des israelischen Stückes „Ein Kind träumt.“

Von Halrun Reinholz

Das Kind träumt (c) Jan-Pieter Fuhr

Das Kind träumt (c) Jan-Pieter Fuhr


Eine Konstellation, die einem Schauer über den Rücken treibt: In ein idyllisches Familienleben mit einem friedlich schlafenden Kind schlägt unvermittelt und ohne Vorwarnung der Terror ein. Machtspiele, Grausamkeit, der Vater wird vor den Augen des Kindes erschossen. Eine Situation, die so oder ähnlich in der Geschichte tausendfach vorkommt. Bewusst verzichtet der israelische Autor Hanoch Levi auf eine Festlegung in Zeit und Raum und konzentriert sich darauf, Mechanismen aufzuzeigen. So zumindest die Intention des Stückes laut Vorankündigung. Ein großartiger Ansatz, der sein Versprechen jedoch nicht einlösen kann.

Ob es das Stück nicht hergibt oder die Inszenierung von Antje Thoms, ist schwer zu sagen. An den Schauspielern liegt es jedenfalls nicht. Natalie Hünig und Andrej Kaminsky als Gegenspieler („Kapitän“) gaben als einzige „Handelnde“ die beiden Handlungspole überzeugend. Auch das “Kind“ (Amelie Rettenbacher) kam gut mit der doch sehr statisch angelegten Rolle zurecht. Den anderen Figuren (Patrick Rupar, Daniel Schmidt, Sebastian Baumgart, Katharina Rehn, Marlene Hoffmann) fallen unterschiedliche Typen-Rollen zu, die für die Handlung nicht immer nachvollziehbar sind. Dadurch erhält die eigentlich sehr spannungsgeladene Konstellation eine undramatische Beliebigkeit, wird das Rollenspiel zur Klamotte mit weiß bemalten Gesichtern, ein Clowns-Spiel.

Schade um die verschenkte Chance mit höchster aktueller Brisanz. Die Situation des Schiffes, das der Kapitän nach willkürlichen Kriterien belegen kann, ist von höchster Aktualität – aber sie war es auch vor über 70 Jahren, als die vor den Nazis Flüchtenden sich auf die Schiffe nach Übersee retten mussten. Die Parallelitäten blitzen immer wieder auf, verlieren sich aber im Ungefähren. Bewegend ist das leider nicht, wie der Inhalt versprechen machen will. Eher ein Wirrwarr von Figuren und Gestalten, die ohne Programmheft nicht wirklich zugeordnet werden können: „Mann der Logik“, „Auf die Lebenden Neidischer“, „Begeisterter Reisender“, „Zahnloser“ – das sind die Typen, die für das Geschehen naheliegend sind, jedoch keine Emotionen ansprechen. Auch wenn das Kunstblut reichlich floss an diesem Abend, die Schauer wollten sich nicht einstellen.



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