DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Samstag, 22.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Grüne präsentieren Schulen der Zukunft

Veranstaltet von den Grünen Politikerinnen Martina Wild und Christine Kamm fand vergangenen Donnerstag eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Schulen für die Zukunft“ statt. Zwei Architekten präsentierten ihre Schulbauten im Passivhausstandard.

Ein Passivhaus spart bis zu 90% der Heizkosten und ist unabhängig von externen Energieversorgern. Möglich wird dies durch viel Dämmung, die Nutzung innerer Wärmequellen, zu denen auch die Benutzer des Gebäudes zählen und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Durch die konsequente Dämmung haben alle Innenflächen eine angenehm hohe Temperatur. Behaglichkeit stellt sich deshalb schon bei 20 Grad Celsius ein. Dass man auch Schulen als Passivhäuser bauen kann, demonstrierten die Architekten Martin Endhardt und Gottfried Mair und der Gebäudetechniker Oswald Silberhorn den Besuchern des gut gefüllten großen Saals im Bürgerhaus Pfersee. Mair und Silberhorn stellten eine Realschulerweiterung in Neusäß um neun Klassenzimmer vor, Endhardt präsentierte die Grundschule Günzburg-Süd-Ost.

Passivhausschule Günzburg

Passivhausschule Günzburg


Die beiden Gebäude haben vieles gemeinsam: sie sind etwa ein Jahr alt, waren ursprünglich nicht als Passivhaus geplant, haben jetzt rundum 30 cm Wärmedämmung, eine Lüftungsanlage, die 80 Prozent der Wärme der Abluft zurückgewinnt und sie wurden in Rekordzeit errichtet. Nur das Lüftungskonzept ist unterschiedlich. Während Mair in Neusäß auf eine zentrale Anlage setzte, verwirklichte Endhardt die Lüftung dezentral mit Einzelgeräten in den Klassenzimmern.

Für die Grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm ist ein hoher Neubaustandard, bei dem man die nächsten 20 Jahre „nicht mehr ran muss“, Gebot der Stunde. Mit der energetischen Sanierung des Gebäudebestands habe man schon genügend zu tun. Unterstützung bekam sie vom Architekten Martin Endhardt, der seit 2005 nur noch im Passivhausstandard baut. Wer nur den gesetzlichen Mindeststandard umsetze, baue Häuser für die Vergangenheit, so Endhardt.

Mehrkosten amortisieren sich nach fünf Jahren

Diskutiert wurden auch die Mehrkosten, die die Passivhausbauweise gegenüber konventionellen Gebäuden verursacht. Von gut fünf Prozent geht Endhardt bei seinen Objekten aus, die sich aufgrund der Energieeinsparung in ca. fünf Jahren amortisieren würden. Für die in Augsburg geplante und heiß diskutierte Westparkschule hatte WBG-Chef Edgar Mathe zuletzt im Stadtrat 4,3 Mio. Euro genannt, was 20 Prozent entspricht. Als Stadträtin Martina Wild von einem kürzlich mit Mathe geführten Gespräch berichtete, in dem ihr nur noch 1,4 Mio. Euro Mehrkosten genannt wurden, war die Verwirrung perfekt. „Wie sollen wir als Stadträte Entscheidungen treffen, wenn wir uns auf die uns vorgetragenen Informationen nicht verlassen können“, kommentierte der im Publikum anwesende Stadtrat Alexander Süßmair (Die Linke) die unterschiedlichen Zahlen.