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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 05.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Große Schwäbische zum 70. Mal

Spannende Zwiesprache: Künstler aus Schwaben stellen sich vor und reihen ihre Werke in den Museumsbestand ein

Von Halrun Reinholz

„Stille“ (2018) von Dorothea Dudek – Trägerin des Kunstpreises der 70. Großen Schwäbischen Kunstausstellung © BBK

Die von den beiden Berufsverbänden Bildender Künstler in Schwaben (Ausgburg/Schwaben Nord und Allgäu/Schwaben Süd) als „Große Schwäbische Kunstausstellung“ veranstaltete Werkschau feiert ihr 70. Jubiläum. Über viele Jahre war die Toskanische Säulenhalle der Ort, wo die von einer Jury ausgewählten Exponate Bildender Künstler der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Seit das Römische Museum mit seinen „Kisten“ in die Säulenhalle eingezogen ist, musste für die Ausstellung der BBK eine Alternative gefunden werden. Eher aus Verlegenheit verfiel man darauf, die modernen Kunstwerke in die bestehenden Dauerausstellungen zu integrieren. Eine Notlösung, die sich als durchaus reizvoll erwies und auch im Jubiläumsjahr eine Attraktion für Kunstfreunde zu werden verspricht. Aus der barocken Sammlung im Schaezlerpalais wurden Bilder abgehängt und durch die Werke lebender Künstler ersetzt.

Nicht willkürlich, wie Norbert Kiening, Vorstand des BBK Schwaben Nord und Augsburg versichert. Vielmehr bemühte man sich, die Werke in Dialog treten zu lassen, Parallelen zu suggerieren. Dass dies oft auf erstaunliche Weise gelungen ist, beweist ein Rundgang durch das Schaezlerpalais, wo ein aus Holzklötzchen geformter Mann lässig auf der Besucherbank sitzt oder zwischen den Freskenentwürfen für ein barockes Deckengemälde ein Aquarell mit einer ähnlichen Raumstruktur hängt. Die Zwiesprache ist eine Herausforderung für die Sehgewohnheiten der Betrachter, gibt Denkanstöße und lässt ganz neue Kombinationen und Schlüsse zu. Der zweite Teil der Ausstellung, vier Kunstinstallationen, befindet sich im H2 im Glaspalast.

Auch diesmal wurden die 95 Exponate und die vier Kunstinstallationen für die Große Schwäbische von einer Fachjury aus den Einsendungen der Künstler ausgewählt. Jeder Künstler kann zwei Werke und ein Konzept für eine Kunstinstallation einreichen. Es handelt sich also durchaus um eine repräsentative Schau des Kunstschaffens in der Region. Vertreten sind alle Generationen, die jüngste Künstlerin (Mariella Kerscher) hat das Geburtsjahr 1991, der älteste Teilnehmer (Wilhelm Eger) wurde 1932 geboren. Die Stadt Augsburg stiftet zudem seit fünf Jahren einen Kunstpreis der Großen Schwäbischen Kunstausstellung. In diesem Jahr wurde Dorothea Dudek für ihre Arbeit „Stille“ ausgezeichnet.

Schirmherr der Großen Schwäbischen Kunstausstellung ist der Bezirkstagspräsident, in diesem Jahr zum ersten Mal Martin Sailer. Außer dem Bezirk Schwaben unterstützen auch die Stadt Augsburg (Kulturamt und Kunstsammlungen) und die Stadtsparkasse Augsburg die Ausstellung. Zur Jubiläumsschau erschien ein umfangreicher Katalog, in dem alle ausgestellten Werke vorgestellt werden. Als besonderen Gag haben sich die Veranstalter den „Kunstparcours“ einfallen lassen, einen etwa einstündigen „Spaziergang vom Schaezlerpalais zu den Ausstellungsräumen im Glaspalast mit einzigartigen Entdeckungen am Weg“.  Er führt durch Innenhöfe oder auch vorbei an besonderen Häusern und Graffitis und schult den Blick der Betrachter für ihre Umgebung. Die Große Schwäbische ist noch bis zum 13. Januar 2019 im Schaezlerpalais und im H2 zu sehen. Jeweils samstags um 15 Uhr gibt es unter dem Stichwort „KunstKontakt“ von Künstlern begleitete Führungen. Aktuelle Infos unter www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de oder www.kunst-aus-schwaben.de



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