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Dienstag, 18.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Gespräche, Filme, Videos

Begleitprogramm ergänzt die Aufführung von „Israel, mon amour“

Von Frank Heindl

Das Theater Augsburg bietet zu seiner Doppel-Inszenierung unter dem Titel „Israel, mon amour“ ein engagiertes Begleitprogramm an: Publikumsgespräche, zwei lange Filmnächte und die Ausstellung „Videokunst aus Israel“.

Ort des Publikumsgesprächs: die Brechtbühne

Ort des Publikumsgesprächs: die Brechtbühne


Christian Thöner, Vorsitzender des Augsburger Kunstvereins, freute sich über „die erste größere Kooperation mit dem Theater.“ Und Kurator Oliver Brunner vom Stadttheater sieht gar den „Beginn einer Kooperation des Theaters mit den Kunstschaffenden der Stadt.“ Mit der ersten Premiere auf der Brechtbühne könnten also neue Zeiten für die Augsburger Kulturlandschaft anbrechen – und es könnte zumindest in ersten Ansätzen eine Forderung erfüllt werden, die nicht in der DAZ, sondern auch von vielen anderen Seiten in der letzten Zeit vermehrt und immer lauter geäußert wurde: Das Theater müsse sich der Stadt und ihrer Gesellschaft öffnen. „Israel, mon amour“ macht’s nicht nur möglich, sondern wohl auch möglich – das Thema der beiden unter diesem Titel am Samstag zum ersten Mal in Europa aufgeführten Stück ist erklärungs- und diskussionsbedürftig.

Videoinstallationen im Holbeinhaus

Im Holbeinhaus kann man daher seit dem vergangenen Sonntag und noch bis zum 21. Oktober aktuelle Videokunst aus Israel sehen – als Leihgaben der in diesem Genre renommierten Münchner Sammlung Goetz. In kurze Sequenzen zeigt beispielsweise Nira Pereg die Vorbereitungen ultraorthodoxer Juden, die am Sabbat ihren Stadtteil vollständig vor der Außenwelt absperren – ein Bild für die gesellschaftliche Zerrissenheit Israels. Von einer herzerfrischenden Leichtigkeit ist dagegen ein Video von Sigalit Landau: Es zeigt drei Männer, die in gemeinsamer Anstrengung einen Hula-Hoop-Reifen am Kreiseln halten. Voilá – geht doch! Mehrere weiter Arbeiten bewegen sich in den Themenbereich Fremdheit und dem Umgang mit anderem und umkreisen so weiträumig das komplexe Israel-Thema.

Publikumsgespräch in der Brechtbühne

Regelmäßig will das Theater Publikumsgespräche im Anschluss an die Aufführung von „Israel, mon amour“ anbieten. Das erste findet am Freitag, 12. Oktober statt, weitere Termine finden sich auf der Spielplan-Seite des Theaters.

(Sehr) lange Filmnächte

Sehr sehenswerte Filme gibt es ebenfalls im Anschluss an die „Israel“-Theaterabende zu sehen. Am 20. Oktober wird Claude Lanzmanns „Warum Israel?“von 1973 gezeigt. Vorher empfiehlt sich ein ausführlicher Mittagsschlaf – der Film startet um 23 Uhr und dauert 185 Minuten. 25 Jahre nach der Gründungs Israels 1948 machte Lanzmann in diesem Film deutlich, warum Israel für seine jüdische Bevölkerung unverzichtbar ist und verteidigt werden muss. Zwei Wochen später, am Samstag, 3. November, werden zwei Filme gezeigt: Der sehr sehenswerte Filme „Jaffa. The Orange’s Clockwork“ von 2009 (52 Minuten) des israelischen Filmemachers Eyal Sivan und „Das Herz von Jenin“, ebenfalls von 2008 (89 Minuten), der deutschen Filmemacher Marcus Vetter und Leon Geller. Aufmerksamen Besuchern des Augsburger Filmfestes ist „Jaffa“ schon bekannt – ausgehend von der Geschichte der Jaffa-Orange zeigt der Film die Geschichte Palästinas und des jüdisch-palästinensischen Konfliktes: Geschichten um Politik, Ökonomie und Manipulation, anhand derer man die Bruchlinien und Gemeinsamkeiten israelischer und arabischer Geschichte auf ungewöhnliche Weise betrachten kann. „Das Herz von Jenin“ erzählt die wahre Geschichte von Ismael Khatib, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael Khatib, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten. Der außergewöhnliche Dokumentarfilm wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Filmpreis 2010 für den besten Dokumentarfilm.