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Freitag, 17.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Geschenkte Perlen

“Der Wahrheitsfindung vor Gericht diente das nicht”

Stadtrat und Bundestags­abgeordneter Alexander Süßmair (Linke) wurde von der DAZ gebeten, drei bis vier Sätze zur Debatte zum NS-Vergleich von Beate Schabert-Zeidler zu sagen. Süßmair schickte eine persönliche Stellungnahme, die sich schwer auf wenige Sätze herunterbrechen lässt, weshalb Süßmairs persönliche Ausführungen nun unter der DAZ-Rubrik “Geschenkte Perlen” eingestellt wurden. “Geschenkte Perlen” ist ein DAZ-Format für unaufgeforderte Texte mit Qualität.



“Der Nazi-Terror-Vergleich bezüglich Herrn Schley und den Vorgängen im Rahmen der Stadtratslisten-Nominierung 2008 bei der CSU ist völlig inakzeptabel. Ich bin wirklich empört, dass eine Richterin und Stadträtin solch einen Vergleich anstellt. Man kann wohl so einiges gegen Herrn Schley sagen, gerade auch ich als Linker, aber das sind entweder politische oder persönliche Wertungen. Derartige parteiinterne Vorgänge mit dem grausamsten Verbrechen, das die Menschheit bisher gesehen hat, zu vergleichen, ist einfach nur daneben und eine Verunglimpfung der Opfer.

Alexander Süßmair

Alexander Süßmair


Heute, am 1. November, habe ich wieder an der Gedenkveranstaltung der VVN für die Opfer des Faschismus auf dem Westfriedhof teilgenommen. Wieder mal wurden erschütternde Schicksale von Menschen aus Augsburg geschildert, die diesem unmenschlichen Terror zum Opfer fielen. Keiner konnte diesem Mörder-System entrinnen: Juden, Sinti, Roma, Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, Sozialisten, Kommunisten, überzeugte Christen, Pazifisten und viele mehr. Vielleicht sollte Frau Schabert-Zeidler dort mal teilnehmen, damit ihr klar wird, dass kein politisch verantwortlicher Mensch solch einen Vergleich anstellen darf. Sie muss sich dafür umgehend entschuldigen. Ich würde mir von einer Verwaltungsrichterin, die in unserem Staatswesen eine verantwortungsvolle Position inne hat, mehr politischen Verstand und Gespür wünschen. Für mich war das ein Akt des Selbstmitleides und der persönlichen Rache. Zur Wahrheitsfindung vor Gericht diente das nicht.”