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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 22.10.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Gersthofen: Shame on you!

Die Strasser-Villa im Stadtzentrum Gersthofens kann abgerissen werden und weicht damit einem Gewerbezentrum. Das ist das Ergebnis eines beschämenden Bürgerentscheids.

Kommentar von Marcus Ertle

Gersthofen mag für manches stehen, für architektonische Meisterwerke jedweder Sorte aber gewiss nicht. Noch bedauerlicher ist, dass die Stadt scheinbar alles daran setzt, dass es so bleibt. Kürzlich fand ein Bürgerentscheid statt, bei dem es um die Frage ging, ob das schönste und älteste Gebäude der Stadt, die Strasser-Villa, abgerissen werden dürfe, auf dass an dessen Stelle ein Gewerbekomplex entstehe. Die Mehrheit der abstimmenden Gersthofer entschied sich für den Abriss. Vielleicht weil der Bauherr, der die Villa vernichten will, verkündet hat, dass er sich dem demokratischen Votum der Bürger keinesfalls beugen will. Stattdessen drohte er damit, das gesamte Areal, von dem nur ein ganz kleines Stück das Villa-Grundstück ist, einfach als riesige Baugrube stehen zu lassen und auf die nächste Abstimmung zu warten, und zwar so lange, bis die Gersthofer so abstimmten, bis das Ergebnis passend ist.

Unsere nördlichen Nachbarn haben sich vom lokalen Terror der Ökonomie über den Tisch ziehen lassen und aus Kleinmut und Gedankenlosigkeit den winzigen Rest an historischer Schönheit der Abrissbirne überlassen, während sie es andererseits seit Jahrzehnten nicht hinbekommen, den örtlichen Dritte-Welt-Bahnhof auf den Stand der Zeit zu bringen. Shame on you.



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