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Sonntag, 25.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Gerechtigkeit – ein tragischer Witz

Premiere: Dürrenmatts „alte Dame“ im Großen Haus

Milliardärin und Racheengel: Dürrenmatts alte Dame (Eva Maria Keller) bietet Reichtum und fordert dafür den Tod ihres Ex-Geliebten (Werner Galas). Im Hintergrund Anton Koelbl als Richter und Butler. Foto: A.T. Schaefer.

Milliardärin und Racheengel: Dürrenmatts alte Dame (Eva Maria Keller) bietet Reichtum und fordert dafür den Tod ihres Ex-Geliebten (Werner Galas). Im Hintergrund Anton Koelbl als Richter und Butler. Foto: A.T. Schaefer.


Ein dicker alter Schinken ist diese Tragikomödie von Friedrich Dürrenmatt, eine moralische These, in Dramenform gegossen, für Besinnungsaufsätze und zum Schülerquälen bestens geeignet – und dann auch noch ziemlich personalintensiv. Unter der Regie von Fabian Alder gelang es am Samstagabend im Großen Haus des Stadttheaters, mit verknapptem Text und mannigfachen Doppelbesetzungen den Plot zu verschlanken und seinen Witz noch einmal heraus zu kitzeln. Auf der kargen, aber einfallsreich genutzten Bühne von Franziska Bornkamm glänzten vor allem Eva-Maria Keller als „alte Dame“ Claire Zachanassian und Werner Galas als Walter Ill, der sein Leben lassen muss, weil er in der Jugend gefrevelt hat. Schwere moralische Geschütze fährt der Autor auf – doch die fröhliche Leichtigkeit der Inszenierung hebt auf Dürrenmatts Sarkasmus ab und macht sich mit Dürrenmatt einen tragischen Witz aus dem Gerechtigkeitsstreben der alten Dame, das über eine Leiche geht und eine ganze Kleinstadt korrumpiert. Viel Applaus, einzelne Bravos. Die ausführlichere Würdigung am Montag in der DAZ.