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Freitag, 30.09.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Genug gemenschelt

Ein Kommentar von Frank Heindl

Blinkende Roboter, sprechende Pflanzen, Lichtflecke, die vor dem Besen in eine dunkle Ecke fliehen – „lab.30“ hat seine Besucher in den vergangenen Jahren oft zum Schmunzeln gebracht – das Nachdenken folgte meist auf dem Fuß. Die Medienkunst, auf die sich das Augsburger Festival verlegt hat, weist technisch wie künstlerisch in zukünftige Fernen. Welche der gezeigten Werke genug Gestaltungskraft haben, um diese zeitlichen Fernen zu erleben, ist ungewiss. Sicher ist, dass nur wenige Künste und Künstler so hart an der Nahtstelle von der Gegenwart zur Zukunft arbeiten, wie eben diese „Erfinder“ immer wieder überraschender, neuartiger Verknüpfungen von Wissenschaft und Kunst. Wer „lab.30“ besucht, muss eine erweiterte Begrifflichkeit mitbringen, darf nicht davon ausgehen, das Kunst „schön“, „nützlich“ oder „anwenderfreundlich“ sein muss. Der Betrachter muss sich öffnen für neue, fremde, seltsame – und oft erhellende! – Sichtweisen.

Nun hat es „gemenschelt“ beim Festival der Tüftler. Festivalleiterin Elke Seidel und Hochschulprofessor Robert Rose haben unterschiedliche Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Festivals. Rose mag nicht mehr verhandeln, liebt den Kompromiss nicht übermäßig, schmeißt den Bettel hin. Beim Kulturamt dagegen gibt man sich abgeklärt bis hochnäsig: Wir machen weiter wie bisher, die Hochschule wird uns nicht fehlen. Das mag kurz-, vielleicht sogar mittelfristig durchaus zutreffen. Allein: Ein Festival, das naturgemäß an vorderster Front der medialen Techniken stehen muss, in Eigenkompetenz sinnvoll weiterzuentwickeln, ohne dabei von einer Institution begleitet zu werden, die qua Definition genau an dieser vordersten Front arbeitet, lebt, forscht – das muss langfristig schief gehen.

Genug gemenschelt: Wenn es mit Robert Rose nicht weitergeht – und vieles spricht dafür, dass hier die Tücher zerschnitten sind – dann sollten sich die Verantwortlichen von Hochschule und Kulturamt schleunigst – und am besten mit Fingerspitzengefühl – auf die Suche nach neuen Anknüpfungspunkten machen, um das Festival wieder an die Institution anzudocken, die vor Ort die erforderlichen Fachleute ausbildet.

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