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Montag, 19.10.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Gekonnter Saitenwechsel: Das erste Sinfoniekonzert im Kongress am Park

Wandelbar und flexibel – das muss der Kulturbetrieb derzeit vor allem sein, um den Corona-Auflagen zu genügen.  Die Abstandsregeln bei Orchestermusikern beeinflussen die Wahl des Repertoires. Statt Rachmaninoff wurde deshalb im ersten Sinfoniekonzert ein Alternativprogramm angesetzt, das mit weniger Musikern auskommt. Was blieb, war der Artist in Residence dieser neuen Spielzeit, der Pianist Evgeny Konnov, der sich dem Augsburger Publikum erstmals in dieser Eigenschaft vorstellte.

Von Halrun Reinholz

Evgeny Konnov © Alexander Yarmak

Flexibilität erfordert auch die Terminplanung: Die beiden üblichen Konzerttermine am Montag und Dienstag waren schnell ausgebucht, deshalb gab es zwei weitere Termine für die jeweils zugelassenen 200 Personen, die den Kongress-Saal nicht nur optisch, sondern auch akustisch etwas leer wirken lassen.

Dessen ungeachtet hatte der GMD und Leiter dieses ersten Konzerts Domonkos Héja ein attraktives, durchaus nicht alltägliches Programm zusammengestellt, das sich um das für Konnov vorgesehene 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky rankte und ohne Pause auskommen musste. Als Einleitung die Sinfonie aus „La Serva Padrona“ von Giovanni Paisiello. Das Libretto hatte zunächst Pergolesi vertont, bei Paisiello tritt der leichtfüßige Buffo-Charakter mehr in den Vordergrund.

Dann betrat der Pianist die Bühne – keine 30 Jahre alt, 2019 Augsburger Kunstförderpreisträger. Nach Augsburg kam er, um bei Evgenia Rubinova am LMZ zu studieren. Davor war er bereits in Moskau und Düsseldorf ausgebildet worden. Tschaikowski liegt ihm sozusagen in der DNA, was er dem Augsburger Konzertpublikum schnörkellos und ohne Scheu vor einem sehr bekannten Klavierwerk bewies.

Den begeisterten Applaus des Publikums belohnte er mit zwei sehr unterschiedlichen Zugaben: einer Adaption nach Michael Jackson und der Carmen-Fantasie von Vladimir Horowitz. Mit der Orchestersuite „Der Bürger als Edelmann“ von Richard Strauss fand das Konzert seinen heiter-ironischen Ausklang.

Mit sichtlicher Freude am Detail dirigierte Domonkos Héja dieses Werk, in dem der Komponist lautmalerisch den Parvenu karikiert, einen ungelenken Tanzkurs und sogar eine komplette Speisekarte vertont. – Auch für die kommenden Sinfoniekonzerte sind jeweils vier Termine angesetzt. Doch bei der gegenwärtigen Höchstbesetzung im Saal sind sie weit davon entfernt, die Nachfrage des kulturhungrigen Konzertpublikums zu befriedigen. Wann es wieder Normalität geben wird, steht in den Sternen. Mit dem Opfer der Mehrbelastung bringen die Sinfoniker einen Lichtblick, den die Besucher sichtlich zu schätzen wissen.