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Donnerstag, 06.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Gaswerk: Von der Industriebrache zum Kreativwerk

Vor einem halben Jahr wurde sie im Bauausschuss beschlossen, am gestrigen Donnerstag wurde sie den Medien und Stadträten vorgestellt: eine Machbarkeitsstudie für den Umzug des Kulturparks West ins Gaswerk in Oberhausen und dessen kreativwirtschaftliche Nutzung.

Haus-in-Haus-Lösung für das Ofenhaus des Gaswerks: Ausschnitt aus der Präsentationsmappe zur Machbarkeitsstudie

Als die Stadt mit der Anregung der kreativwirtschaftlichen und kulturellen Nutzung auf die Stadtwerke Augsburg (swa), denen das Gaswerk gehört, zukam, habe man diese „sehr gerne aufgenommen“, so swa-Geschäftsführer Dr. Claus Gebhardt. Die swa versuchen seit 2010, die acht Hektar große Industriebrache, die im Jahr 2001 als Gaswerk stillgelegt wurde, einer dauerhaften Nutzung zuzuführen, bisher vergebens.

Wie beim Innovationspark internationale Spezialisten im Boot

Ende August 2013 beauftragten die swa ein internationales Architektenteam mit der Erstellung der Machbarkeitsstudie, bestehend aus dem Büro Dynamo Architekten/Utrecht, die für Bauten in dem weltweit bekannten Kreativquartier NDSM-Werft in Amsterdam verantwortlich zeichnen (DAZ berichtete), dem Architekturbüro Gundula Cordes/Amsterdam, das im Bereich des Denkmalschutzes/Städtebau renommiert ist und dem Architektur- und Ingenieurbüro Felmede+Mandel, das hier sein Know-How für die technische und bauliche Machbarkeit und die Kosten eingebracht hat.

Die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Regierung von Schwaben, der Stadtverwaltung und den Geschäftsführern der Kulturpark West gGmbH als Vertreter der Nutzer sei sehr erfreulich gewesen, so Architektin Gundula Cordes. Baureferent Gerd Merkle gab das Kompliment an die Architekten zurück: „Selten hat es so viel positive Resonanz und so großes Lob von den Denkmalpflegern gegeben“.

„Weit mehr als die Umsiedlung des Kulturparks West von A nach B“

Sowohl der Baureferent als auch OB Kurt Gribl betonten, dass das Projekt eine weit über das eigentliche Gelände hinaus gehende Dimension habe und mehr sei als die Sanierung von Gebäuden und die Umsiedlung des Kulturparks West von A nach B. Oberhausen und Kriegshaber würden mit sozialer Infrastruktur aufgewertet, die Bevölkerung werde unter anderem vom gastronomischen Angebot profitieren. Mit seiner Auswirkung auf die Bereiche Kreativwirtschaft und Kultur in der gesamten Region sei das Projekt „Kreativwerk“, wie der Arbeitstitel jetzt lautet, durchaus vergleichbar mit dem Kreativpark „Alter Schlachthof“ Karlsruhe.

Auch Kultureferent Peter Grab fand begeisterte Worte: Erstmals würde mit dem Kreativwerk ein dauerhaftes Domizil für Kunst- und Kulturschaffende errichtet, auch ohne emissionsrechtliche Probleme, da das Gaswerk ein abgeschlossenes Areal darstelle. Große Bedeutung könne dem Gaswerk außerdem für das Theater Augsburg zukommen, das wegen der Sanierung des Großen Hauses ab 2017 Ausweichspielstätten benötige.

Raumprogramm des derzeitigen Kulturparks „plus 40 Prozent“

Statt mit Gas mit Musik gefüllt: Schnitt durch den großen Scheibengasbehälter

Statt mit Gas künftig mit Musik gefüllt: Schnitt durch den großen Scheibengasbehälter


So soll nach Vorstellung der Archi­tekten das Gaswerk ab 2017 aussehen: Insgesamt 10.000 m² Nutzfläche (KuPa West zurzeit 7.000 m²) werden entstehen. Ins Ofenhaus werden in Haus-in-Haus-Bauweise Ateliers, Studios und Tanzräume eingebaut. Das Reiniger­­haus wird zur Konzerthalle. Im großen Scheiben­­gas­­behälter werden sämtliche derzeit über 100 Übungs­­räume für Bands unter­gebracht. Der metallene „Gaskessel“ dient dabei als Hülle, in die entkoppelt im unteren Drittel fünf Geschosse in Stahlbeton­­bauweise hinein­gestellt werden, mit „Luft nach oben“, wie Gerd Merkle einen später möglichen weiteren Ausbau umschrieb. Die anderen Gebäude sollen Büros, Gastronomie und Räume für temporäre Nutzungen wie Events, Konzerte und Aus­stel­lungen aufnehmen.

Die Studie geht von Gesamtkosten in Höhe von 25 bis 30 Mio. Euro aus, wobei die Altlastenbeseitigung nur einen geringen Teil ausmacht. Gegenfinanziert werden die Kosten teilweise über Städtebaufördermittel, Denkmalförderungen und europäische Zuschüsse. Außerdem ist auf dem Areal eine städtebauliche Nachverdichtung, also eine weitere Bebauung möglich, wie die Architekten herausarbeiteten, mit entsprechend möglichen Erlösen aus dem Grundstücksverkauf.

„Wenn die Künster wollen, wird es keinen politischen Gegenwind geben“

Architekturmodell des kompletten Gaswerksareals (Modellbau: Martin Beckers, Walter Riedler)

Architekturmodell des kompletten Gaswerksareals (Modellbau: Martin Beckers, Walter Riedler)


Hindernisse aus der Politik erwartete OB Kurt Gribl gestern nicht. Er sah auch nach der einstündigen kritischen Fragerunde im Stadtrat einen „sich abzeichnenden Lösungskorridor“. Das Projekt stelle sich durchaus als finanzierbar dar. Die Politik wolle die Aufgabe der Entwicklung und Umsiedlung lösen und nicht auf die lange Bank schieben. Man werde auch dafür sorgen, „dass niemand auf der Straße steht“, sollte es beim Umzug des Kulturparks, dessen Mietvertrag auf dem Reese-Gelände Ende Juli 2017 ausläuft, wider Erwarten zu terminlichen Engpässen kommen. „Eigentlich beginnt der Umzug schon heute“, so Baureferent Gerd Merkle. Die wichtigsten Akteure seien die Künstler selbst: „Wenn die wollen, kann ich mir nicht vorstellen, dass noch politischer Gegenwind kommen wird“.

In einem nächsten Schritt wird jetzt eine „Zukunftswerkstatt“ unter Beteiligung von Bürgern, Kreativen, Experten, Planern, Politik und Verwaltung das Projekt vorantreiben, parallel zur gesetzlich erforderlichen Erstellung eines städtebaulichen Struktur- und Rahmenplans und eines Bebauungsplans und – hoffentlich – begleitet von den notwendigen Beschlüssen der politischen Gremien.



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