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Freitag, 03.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Fusion: Gribl positioniert sich für Zusammenschluss, Punktsieg der Befürworter in der Kälberhalle

Mit dem Vorliegen der Ergebnisse aus der vertiefenden Machbarkeitsstudie für eine mögliche Fusion der Stadtwerke-Energiesparte mit Erdgas Schwaben gibt Oberbürgermeister Kurt Gribl seine ergebnisoffene Haltung auf und positioniert sich für den Zusammenschluss der beiden Unternehmen.

Von Siegfried Zagler

Das Podium: Tobias Walter, Bruno Marcon, Kurt Gribl, Silvia Lautenbacher (Moderation) Klaus-Peter Dietmayer, Ulrich Maly, Marianne Weiß

Das Podium: Tobias Walter, Bruno Marcon, Kurt Gribl, Silvia Laubenbacher (Moderation), Klaus-Peter Dietmayer, Ulrich Maly, Marianne Weiß (v.l.n.r.)


Als Aufsichtsratsvorsitzender beider Unternehmen gehe es ihm vor allem auch um die Mitarbeiter der beiden Unternehmen. „Denn Kernziel ist es, dass wir Zukunftssicherheit für rund 2200 Beschäftigte im Gesamtunternehmen Stadtwerke Augsburg und die Leistungsfähigkeit in allen Bereichen der Daseinsvorsorge schaffen“, so Gribl heute in einer städtischen Pressemitteilung. „Es liegt auf der Hand, dass im Fall einer Fusion niemand schlechter gestellt wird als vorher. Im Gegenteil. Alle Mitarbeiter haben acht Jahre lang betrieblichen Kündigungsschutz und es gilt die Besitzstandswahrung.“ Vergütet würden alle Mitarbeiter künftig nach dem Stadtwerke-Tarif. Zudem gäbe es variable Prämien in Abhängigkeit vom Unternehmenserfolg. Die bestehenden Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung blieben ebenfalls weiter bestehen.

Derzeit sind bei Erdgas Schwaben 270 und bei der Stadtwerke-Energiesparte 900 Mitarbeiter beschäftigt. Mit Blick auf die Unternehmensentwicklung der Stadtwerke Augsburg macht OB Gribl klar, dass sich das städtische Tochterunternehmen in jedem Fall einer Eigenoptimierung unterziehen müsste, also auch ohne Fusion.

Wie aus der Machbarkeitsstudie erkennbar wird, müssten demnach in den kommenden fünf bis sechs Jahren 50 bis 60 Stellen in der Stadtwerke-Energiesparte abgebaut werden. Im Fall einer Fusion würde ein Abbau von etwa 110 Stellen im selben Zeitraum erfolgen – alles ohne betriebsbedingte Kündigungen. Vielmehr würden aufgrund von Altersteilzeit und Ruhestand frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden.

„In alle diese Überlegungen sind die Mitarbeiter beider Unternehmen schon lange eingebunden. Sie sind das Herzstück einer möglichen Fusion und ich habe großes Vertrauen in sie. Gerade weil die Mitarbeiter ihr Geschäft kennen, sind die von ihnen erarbeiteten und entwickelten Konzeptionen für künftige Handlungsfelder in einem fusionierten Unternehme auch seriös und belastbar“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Auf der am Donnerstagabend doch noch stattgefundenen Podiumsdiskussion in der Kälberhalle betonte Kurt Gribl, dass die Querfinanzierung der Verkehrssparte der Stadtwerke durch die angestrebte Fusion gesichert werde. In der mit Spannung erwarteten Diskussion gab es außer einer sich abzeichnenden reduzierten Argumentationsstrategie seitens der Stadtwerke und OB Gribl bezüglich eines wohl kommenden Bürgerentscheids nichts Neues zu erfahren. Eindeutiger Punktsieger waren die Fusionsbefürworter Kurt Gribl, Ulrich Maly und Klaus-Peter Dietmayer, deren Vorträge und Diskussionsbeiträge abgestimmter und zielführender formuliert waren als die Beiträge der Fusionsgegner Bruno Marcon, Marianne Weiß und Tobias Walter. „Die angestrebte Fusion wird Arbeitsplätze sichern und dafür sorgen, dass es auch in der Zukunft in Augsburg einen ÖPNV geben wird“, so die politische Kernbotschaft von OB Kurt Gribl.

Auszüge aus der Präsentation der Machbarkeitsstudie II zur Fusion





Die heutige Struktur





Die Ziel-Struktur nach der Fusion





Zwei unabhängige Unternehmensbewertungen ergaben einen Stadtwerke-Anteil von 70,7% im fusionierten Unternehmen. Mitarbeiter sollen 1% Anteile erwerben können.





Rund 8 Mio. zusätzliche Gewinnanteile sollen die Stadtwerke stabiler und zukunftssicherer machen. Zum Vergleich: Der gesamte Konzerngewinn der Stadtwerke betrug 2013 rund 10 Mio. Euro.





Schutz vor Privatisierung: Die Stadtwerke sind gegen einen Weiterverkauf der Thüga-Anteile und eine Änderung der Unternehmensstruktur der Thüga durch Vorkaufs- und Erwerbsrechte abgesichert.





Um sie geht es vor allem: Die rund 1200 Mitarbeiter des neuen Unternehmens erhalten 8 Jahre Schutz vor betriebsbedingter Kündigung, zahlreiche weitere Sicherheiten, eine zusätzliche Erfolgsbeteiligung und den günstigeren Stadtwerke-Tarifvertrag.