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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Furtmeyr-Bibel jetzt im Internet

Meisterwerk mittelalterlicher Buchkunst der Unibibliothek Augsburg

Ausschnitt aus der Schöpfungsgeschichte in der Furtmeyr-Bibel – farbenprächtig und in phantastischer Auflösung im Netz zu finden

Ausschnitt aus der Schöpfungs- geschichte in der Furtmeyr-Bibel – farbenprächtig und in phantastischer Auflösung im Netz zu finden


Rechtzeitig zur aktuellen Ausstellung über Leben und Werk des Regensburger Buchmalers Berthold Furtmeyr hat die Universitätsbibliothek Augsburg, die einer der Hauptleihgeber der Regensburger Ausstellung ist, ihre zweibändige Furtmeyr-Bibel im Internet online zugänglich gemacht. Die Furtmeyr-Bibel gilt als herausragendes Werk der spätmittelalterlichen Buchmalerei in Deutschland. Geschrieben und illuminiert wurden die beiden Bände in Regensburg zwischen 1468 und 1472, also in der Zeit des Übergangs vom handgeschriebenen zum gedruckten Buch. Der Regensburger Berthold Furtmeyr, einer der letzten großen Buchmaler des ausgehenden Mittelalters, war zwar noch in gewisser Weise der Gotik verhaftet, stand gleichsam aber schon an der Schwelle der Renaissance.

Luxusausgabe des Alten Testaments

Furtmeyr hat das zweibändige Alte Testament als Luxusausgabe für vornehme Laien gefertigt. Noch vor 1500 gelangten die beiden Bände in den Besitz des bayerischen Herzogs Albrecht IV. Die Furtmeyr-Bibel genoss augenscheinlich die besondere Wertschätzung der Herzogsgattin Kunigunde: Als die Habsburgerin nach dem Tod des Herzogs 1508 in das Münchner Pütrichkloster eintrat, nahm sie zusammen mit den beiden prachtvollen Bibel-Bänden noch eine Weltchronik des frühen 14. Jahrhunderts, deren Devotionsminiatur ebenfalls von Berthold Furtmeyr stammt, mit ins Kloster.

Alle drei Handschriften gelangten um 1800 in die Sammlung der Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Während die Weltchronik bereits 1933 auf einer Auktion in München verkauft und erst vor kurzem im Besitz des J. Paul Getty-Museums in Los Angeles wiederentdeckt wurde, ging die Fürstlich Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek – und mit ihr auch die Furtmeyr-Bibel – 1980 an die Universitätsbibliothek Augsburg über. Die beiden Bände zählen zu den wertvollsten Handschriften der Sammlung Oettingen-Wallerstein.

Großartiges Fest für die Augen

Der Katalog der Regensburger Ausstellung schreibt über die beiden Bände: „Man betritt eine geheimnisvolle, kostbare, phantasievolle Welt der Bilder, die in einem nicht enden wollenden großartigen Fest für die Augen üppigste erzählerische Szenen, Ornamente und Bordüren zeigt. Da schlafen und träumen Knaben in Blütenkelchen, sitzen wilde Tiere in den Ranken, turnen Affen und Akrobaten in den Drolerien, öffnen sich Buchstaben zu Bildräumen, tropft der goldene Morgentau glänzender Metallapplikationen über eine bis dahin nie gesehene Welt, die von köstlichen Pflanzen und Früchten, Vögeln und Insekten übersät ist.“

Die 1478 Digitalisate wurden im Vorfeld der Ausstellung auf Kosten der Regensburger Ausstellungsmacher in Augsburg hergestellt. Aus Österreich reiste dafür ein auf solche Aufnahmen spezialisierter, im internationalen Faksimilierungsgeschäft ausgewiesener Fotograf an, der den eigens für die Handschriftendigitalisierung konstruierten sogenannten „Grazer Buchtisch“ mit in die Universitätsbibliothek Augsburg brachte. Handschriften müssen Dank der neuen Technik zur Verfilmung nicht mehr aufgebunden und zerlegt werden, wie dies in solchen Fällen bis vor wenigen Jahren noch regelmäßig der Fall war.

Furtmeyr-Bibel



Deutsche Bibel, Altes Testament, Band 1: Genesis – Rut, Regensburg um 1468 – 1470.

Deutsche Bibel, Altes Testament, Band 2: Psalter – Malachias, Regensburg 1468 – 1472.



Die Präsentation ist Bestandteil der Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek Augsburg und direkt unter dieser Adresse erreichbar.