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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Fünffingerlesturm: Treppe fertig, Turm geöffnet

Der Fünffingerlesturm ist am kommenden Sonntag für die Öffentlichkeit wieder zugänglich

Sebastian Berz vor dem neuen Turmeingang Foto: © DAZ

Am Tag des offenen Denkmals (Sonntag, den 9. September) kann der Fünffingerlesturm wieder von innen besichtigt werden. Die Treppe, die direkt in die zweite Ebene des Turms führt, ist fertiggestellt, der Eingang ist ins Mauerwerk gebrochen und muss nur noch mit einer Stahl-Schiebetür versehen werden. Aktuell wird der Turm vom Taubendreck gesäubert, damit die Besucher, die über die umstrittene Treppe ins Turminnere gelangen, nicht zu sehr vom Geruch der Vergänglichkeit belästigt werden.

Als im November 2016 der Architekt Sebastian Berz zum neuen Vorsitzenden der Altaugsburg-Gesellschaft gewählt wurde, stand die Vollendung der Treppe am Fünffingerlesturm politisch und inhaltlich weniger belastet auf der Agenda. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Anne Voit sieht Berz nämlich kein großes Problem darin, dass der Treppenlauf entlang des gewaltigen Sockels, der die frühere Stadtmauer symbolisieren soll, nun von der Ostseite in den Turm führt. „Die Außentreppe ist nicht als historische Wirklichkeit angelegt“, so Berz zur DAZ auf Anfrage. Somit liegt die Treppe außerhalb der stilisierten Stadtmauer, die ursprünglich die Stadt vor feindlichen Truppen schützen sollte.

Vor knapp zehn Jahren wurde der Sockel der Treppe errichtet. Das Gesamtwerk stand im Fokus der Kritik, da eine Bürgerinitiative den Turm in seiner rätselhaften Historizität bewahren wollte und deshalb ein Bürgerbegehren anzettelte. Und schließlich zirka 12.000 Unterschriften gegen die Treppe sammelte, obwohl bereits eine Baugenehmigung für die Treppe vorlag. Das Bürgerbegehren wurde vom Stadtrat als unzulässig abgewiesen, die Treppe war aber längst zum Politikum geworden, da die CSU, Pro Augsburg und einige Einzelstadträte sowie der damalige Oberbürgermeisterkandidat Kurt Gribl der Argumentation der Treppengegner folgten.

Nach der Kommunalwahl 2008 gab es für die Treppe keine Mehrheit mehr im Stadtrat – und die neue Stadtregierung wehrte sich tapfer gegen die Fertigstellung der Treppe, gab dann aber im Bauausschuss vor zirka einem Jahr nach und genehmigte den Änderungsantrag. Die hochfliegenden Nutzungsabsichten der Altaugsburg-Gesellschaft sind ohnehin passé: Im Innern des Treppensockels soll keine Toilette mehr installiert werden, es sollen zwar immer wieder mal kleine Einzelausstellungen stattfinden, aber im Grunde, so Berz, soll der Turm selbst das Museum sein – und Aufenthaltsort für seltene Spezies: In den Erkern sind Schlafquartiere für Fledermäuse vorgesehen.



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