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Donnerstag, 26.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Freistoß der Meinung vom Elfmeterpunkt

Nun ist die Hysterie der Wokeness also mitten in die seriöse Presse­land­schaft geschwappt. Der Leitartikel der Augsburger Allge­meinen vom 25. März – Man(n) muss sich für Männer schämen – liest sich wie Graffiti an der Brandmauer zum Boulevard.

Gastbeitrag von Dietmar Sigl

KI-Bild „Digitale Vergewaltigung“

Der vom Chef des AZ-Kulturressorts verfasste Leit­artikel dreht mit dem Deep-Fake-Drama des ehemaligen Ehepaares Collien Fernandes und Christian Ulmen – Kindern der leichten Muse der deutschen Unter­haltungs­branche – am Riesenrad des Rummels um gesell­schafts­politi­sche Ethik und Moral: Die Gruppe der Männer und das Verstummen an der Schwelle zur Frauen­verachtung.

Der authentischen Emotionalität und heißen Nadel des Textes ist dabei durchaus das Bemühen anzumerken, das intrin­sische Spannungs­feld privater und öffent­licher, realer und virtu­eller inter­sexueller Beziehungen auf die dia­lektische Ebene herunter­zu­brechen, um das Primat der Unschulds­vermutung im vor­liegenden Einzelfall nicht komplett medial dem post­modernen Kraken der politi­schen Korrekt­heit zu opfern. Aus den Echokammern akti­vistischer Halb­öffent­lich­keiten dringen jedoch grelle Parolen in das Wabern bourgeoiser Vernunft: Vergeltung der Frauen an den Männern! Männer aufhängen und kastrieren! Oder die softe Variante: Man(n) muss sich für Männer schämen! Eine Frage der Zeit, bis der Humbug im Bundes­tag auf­schlägt… (der Aufschlag im Landtag ist schon erfolgt!)

Die von Habermas evozierte digitale Fragmen­tierung der Öffent­lich­keit wird von dem substanz­losen Polit­postulat der Spaltung der Gesell­schaft pulveri­siert. In den Augen­winkeln der Paradigmen einer regel­basierten Ordnungs­macht lauern die systemi­schen Reservate der Eliten. KI-generierte Porno­malien rauben den Trieben die Unschuld und den Gerechten den Schlaf. Die monumen­talen Frage­zeichen der mensch­lichen Existenz, die ubiquitäre Falli­bilität unserer Erkennt­nis­fähigkeit karameli­sieren in der deindivi­duali­sierenden Globalität der realen Alltags­praxis zur Ideologie des kapita­listischen Proporzes, der die Rolle der prekären Majorität als Meme programmiert.

Den Lesenden des bürgerlichen Leitmediums Augsburger Allgemeine ist bei der Lektüre des besagten Leit­artikels das Früh­stücksei in die Luftröhre gerutscht. „Frauen empören sich über die Miss­stände. Männer schweigen. Das muss sich ändern.“ Ich kann nicht mehr, keucht der Lovepriest. Jo mei, japst die Gruberin. Ich schäme mich für mein Geschlecht, heult Jo Schück. Lisa Neubauer und Leonie Löwenherz haben sich ausgekotzt. Die semantische Manövrier­masse zwischen­mensch­licher Ver­ständi­gung denatu­riert im Speichel publi­zistischer Markt­schreierei zu einem einzigen blinden Fleck auf der hyper­trophen Big Gender Agenda.