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Dienstag, 25.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Frauenfußball- Weltmeisterschaft: Grüne grätschen gegen Grab

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Stadtratsfraktion Martina Wild hat im Newsletter der Augsburger Grünen vom 30.Juni Kultur– und Sportreferent Peter Grab vorgeworfen, dass für die Frauenfußball-WM 2011 kein qualitatives hochwertiges Konzept existiere. Grab habe es versäumt, mittels „professioneller Steuerung von politischen Prozessen“ die Stadt Augsburg „wirkungsvoll zu präsentieren“.

Martina Wild

Martina Wild


Um als Stadt von diesen beiden sportlichen Großereignissen nachhaltig zu profitieren, sei ein „gut durchdachtes und qualitativ hochwertiges Konzept notwendig“, so Wild, dies sei aber nach Auffassung der Grünen Stadträtin nicht entwickelt worden. Für die U20 WM in diesem Jahr ist der zentrale Punkt des Rahmenprogramms mit dem Überbau „Frauen am Ball“. umschrieben. „Dieses Thema sollte aber nicht nur während der U20 WM durch das Rahmenprogramm leiten“, so Wild, „sondern auch den Bogen zur Frauen WM 2011 spannen und diese mit entsprechenden Veranstaltungen begleiten“. Nun habe sich aber herausgestellt, dass „dieses Thema nur bei der U20-WM leitend sein soll“.

“Am Anfang war das Logo“

Der rote Faden im Rahmenprogramm zur Frauen WM im nächsten Jahr bilde nun seit kurzem das Motto „City of Peace“. Leider existiere aber hierzu kein ausgereiftes Konzept, es liege lediglich eine beliebige Sammlung an Veranstaltungen vor. „Ausschuss und Stadtrat werden mit ständig wechselnden hastig zusammengestrickten Beschlussvorlagen verwirrt“, so Wild, die in ihrer Grab-Kritik herausstellt, dass mit der jetzt verkündeten Leitidee „City of Peace“ eine völlig andere inhaltliche Zuspitzung verfolgt werde, als dies noch vor einigen Wochen der Fall war. Dass dieses Motto so spät aufkommen konnte, liegt nach Auffassung von Wild daran, dass „konzeptionelle Überlegungen und die Festlegung von inhaltlichen Grundsätzen zum Rahmenprogramm beim Sportreferenten völlig fehlten“. Erst als die Agentur m&m, die das Logo und das Plakat der Host City Augsburg entwickelte, darauf aufmerksam machte, dass im Logo des Austragungsortes Augsburg ein sogenannter Claim vorhanden sei – nämlich „City of Peace“, wurde dieser „Claim“ zum roten Faden des Rahmenprogramm für 2011 gestrickt. „City of Peace“ werde damit nicht wegen seines eigentlichen Inhaltes verwendet, sondern aus Gründen des Marketings. „Am Anfang war das Logo“. Jetzt solle das Logo noch in letzter Minute mit Inhalt gefüllt werden. Das sei eindeutig das falsche Vorgehen, so Wild.

Host City Logo

Für die Stadtratsfraktion der Grünen sollte das Anliegen der Frauen-WM 2011 unter anderem darin bestehen, eine Brücke zur Gleichstellungspolitik zu schlagen. Das Rahmenprogramm mit dem Motto „Frauen am Ball“ böte dabei die Möglichkeit, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Fußball, im Sport und darüber hinaus in der Gesellschaft in den Fokus zu nehmen. Die Grünen hätten dieses Ansinnen über Anträge auf den Weg bringen wollen. Die Gleichstellungsstelle habe dieses Motto ebenfalls vorgeschlagen. Ein weiterer inhaltlicher Leitfaden für das Rahmenprogramm der WM 2011, sollte nach Auffassung der Grünen das Thema „Integration durch Sport“ sein, da dieses Thema auch gut zur Friedensstadt passe, könnte sich Augsburg damit – unterstützt von der Universität – als weltoffene, tolerante und multikulturelle Stadt präsentieren.

„Konzeptionelle Leitidee und Vision gehört an den Anfang“

Grab habe, so Wild, die diesbezüglichen Anträge der Grünen, formal nicht richtig behandelt und trotz mehrmaligen Nachfragen nicht in Form von Beschlussvorlagen in die Ausschüsse gebracht. Grab verstoße damit nicht nur gegen die Geschäftsordnung, sondern verweigere auch damit die inhaltliche Diskussion um das Rahmenprogramm der Frauen-WM. Laut Wild hätte zu Beginn eine konzeptionelle Leitidee und Vision zum WM-Rahmenprogramm entwickelt werden müssen. Dieser inhaltliche Grundsatz hätte dann in den Ausschüssen diskutiert werden sollen. „Und auf dieser Basis sollte dann das Rahmenprogramm entwickelt werden“. So sei in der Vergangenheit bei diversen kulturellen Veranstaltungen in Augsburg, aber beispielsweise auch in München für die Männer WM 2006 verfahren worden. Für Wild ist dieses „wichtige und teure Projekt nicht mit der notwendigen Kompetenz auf den Weg gebracht worden“. Eine professionelle Steuerung von politischen Prozessen sehe anders aus.

Ähnlich sieht das wohl auch der finanzpolitische Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion, wenn auch auf einer höheren Etage. Christian Moravcik sprach sich am 17. September 2009 zusammen mit seiner Fraktionskollegin Verena von Mutius und den beiden Linken Stadträten gegen die Bewerbung der Stadt für die Frauen-WM in Augsburg aus und verweigerte dem kostspieligen Abenteuer seine Zustimmung.