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Sonntag, 31.07.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Fluhafen München: „Für Augsburg uninteressant“

Zu einer Generalabrechnung mit der Deutschen Bahn geriet gestern der Tagesordnungspunkt „Anbindung Augsburgs an den Flughafen München“ in der Sitzung des Wirtschaftsförderungs- und Beteiligungsausschusses. Die Kritik traf den Falschen.

Regierungsdirektor Carsten Fregin aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium war gestern nicht zu beneiden. Im Gepäck hatte er das im November abgeschlossene „Gutachten zur Flughafenanbindung“, das sich mit vier Szenarien zur Verbesserung der Schienenanbindung des Flughafens München befasst. Dem Stadtratsausschuss angekündigt war allerdings ein Bericht mit der Überschrift „Anbindung Augsburgs an den Flughafen München“. Missverständnisse waren somit vorprogrammiert.

Kam gar nicht gut an: abgeschnittene Karten, Augsburg nur als Pfeil

Kam gar nicht gut an: abgeschnittene Karten, Augsburg nur als Pfeil


Carsten Fregin, der mit Leitgedanken wie „europäischen Magistralen“, der „Stärkung des Flughafens München“ und der „Kompatibilität mit weiteren Ausbauplanungen im Schienennetz“ das große Ganze vor Augen hatte, wurde zum ersten Mal in seinem Vortrag gestoppt, als er den erforderlichen zweiten Flughafenbahnhof erläutern wollte. Was das mit Augsburg zu tun habe, unterbrach ihn Karin Egetemeir (SPD).

Leicht verunsichert fasste sich der Ministerialrat kürzer, kam aber nicht umhin, sich im Wesentlichen auf die Präsentation der vier Trassenvarianten zwischen dem Stadtgebiet München und dem Flughafen zu beschränken. Denn diese und ihre Bewertung waren der eigentliche Inhalt des Gutachtens. Augsburg kam auf den Karten des Gutachtens nur als Richtungspfeil vor.

„Ein kleiner Pfeil links“

„Wo ist Augsburg?“ war die konsequente Frage von Rose-Marie Kranzfelder-Poth in der anschließenden Diskussion. Dass Augsburg nur durch einen „kleinen Pfeil links“ Erwähnung finde, sei symptomatisch für den Umgang der Bahn mit der drittgrößten Stadt Bayerns, so die FDP-Stadträtin. Tobias Schley (CSU) konstatierte dem Vortrag des Ministerialrats eine glatte Themenverfehlung. In einer hitzigen Debatte um das Agieren der Bahn in der Vergangenheit und um politische Verantwortlichkeiten von Schwarz-Gelb gingen Fakten aus dem Gutachten wie die Fahrzeitverkürzung zwischen Augsburg und dem Flughafen von 85 auf 60 Minuten und Zeitangaben zur Umsetzung der 1,44 Milliarden Euro teuren Infrastrukturmaßnahme – ab 2017 könnte Augsburg profitieren – völlig unter. Die angekündigte Vorstellung kurzfristig realisierbarer Zwischenlösungen für eine verbesserte Bahnanbindung Augsburgs an den Flughafen fiel sogar komplett unter den Tisch.

Wie einen begossenen Pudel verabschiedete Bürgermeister Hermann Weber den Mann aus dem Ministerium: Jede der vier vorgestellten Lösungen sei „für Augsburg uninteressant“. Die Augsburger würden sich eben umorientieren Richtung Flughafen Stuttgart. Mit einem „Nehmen Sie das so mit ins Ministerium“ beendete Weber abrupt den Tagesordnungspunkt.

» Die gestern vorgestellte Präsentation des Gutachtens (pdf, 2,9 MB)