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Dienstag, 05.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Flüchtlings-Notauf­nahme in der RWS: Alles im Griff

260 Flüchtlinge sind zurzeit in der Turnhalle der Reischleschen Wirtschaftsschule (RWS) am Alten Postweg untergebracht – zum dritten Mal. Die städtischen Referate gehen inzwischen routiniert mit der Situation um.

Ein gelassener "Hausherr": Hermann Köhler im Interview

Ein gelassener "Hausherr": Schulreferent Hermann Köhler im Interview


Um eine Vielzahl von Presseanfragen zu bündeln, hatten Ordnungs­referent Dirk Wurm, Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer und Schulreferent Hermann Köhler am gestrigen Freitagmittag die Medienvertreter zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. Bereits zum dritten Mal seit Anfang August diene die Dreifach-Turnhalle der RWS als Not-Erstauf­nahme­einrichtung, so Dirk Wurm. In den 5 bis 6 Tagen, in denen die 260 Flüchtlinge, überwiegend aus Afrika, Syrien, Afghanistan und dem Irak, in Augsburg zu Gast sind, findet deren Registrierung und ein erstes medizinisches Screening statt. Danach sollen die Flüchtlinge auf andere Einrichtungen außerhalb von Augsburg verteilt werden.

“Nicht nötig, dass jeder Nachbar noch einen Kuchen bäckt”

“Wir begleiten die Erstaufnahme, weil der Freistaat nicht die nötigen Kapazitäten hat”, so Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer, dessen Referat vier Mitarbeiter in Vollzeit abgestellt hat. Zusammen mit mehreren Hilfsorgani­sationen habe man die Ausnahme­situation gut im Griff. Es sei deshalb “nicht nötig, dass jeder Nachbar noch einen Kuchen bäckt”. So erfolge beispielsweise die Verpflegung dreimal täglich über Catering. Rund um die Uhr ist ein Security-Unternehmen vor Ort. Kein Etat sei allerdings für Dolmetscher da, weshalb man hier gerne auf ehrenamtliche Hilfe zurückgreife. “Denn auch der beste Arzt nützt nichts, wenn ihm der Patient nicht sagen kann, wo es weh tut”, so Kiefer.

Hermann Köhler, als Schulreferent Hausherr, äußert sich souverän zur Situation: Die Dreifach-Turnhalle der RWS sei bestens geeignet für die Aufnahme der Flüchtlinge. Sie sei von Bussen direkt anfahrbar und lasse sich durch schwere Vorhänge so dreiteilen, dass jeder der Räume weiterhin zwei Fluchtwege habe. Auch die Sanitär­einrichtungen funktionieren, vor allem “sie funktionieren auch noch hinterher”, wie die Erfahrung der beiden früheren Unter­bringungen gezeigt habe. Auch die Abnutzung insgesamt halte sich in Grenzen: Nach Abnahme der Schutzböden und der Endreinigung sei die Halle “besser herausgekommen als erwartet”.

Perfekt durchorganisiert

Auch an Kleinigkeiten werde inzwischen gedacht, so der Schulreferent. So seien die Schlafplätze jetzt durchnummeriert, was die Zuteilung wesentlich erleichtere, außerdem sei für die Flüchtlinge ein Faltblatt mit Piktogrammen aufgelegt worden, das auf die wichtigsten Hausregeln hinweist. Aber auch an die Schüler werde gedacht. Auf Sportunterricht müssten sie nicht verzichten. Es gebe einen Bustransfer für die Schüler zur einen Kilometer entfernt liegenden Turnhalle der Berufsschule VI, um keine Unterrichtszeit zu verlieren. Zudem werde die Situation pädagogisch verarbeitet, was auch dem Abbau von Vorurteilen zugutekomme.

Dennoch hofft Köhler, dem man nach seiner begeisterten Schilderung fast abnehmen würde, sich eine monatliche Inanspruchnahme seiner Turnhalle vorstellen zu können, dass die Notsituation zum letzten Mal aufgetreten ist. Bis Ende Oktober wolle Schwaben seine Erstaufnahme­kapazitäten ausreichend erweitert haben, so Köhler. Die letzten Flüchtlinge werden die Turnhalle voraussichtlich am kommenden Donnerstag verlassen. Ab Montag, den 28. September wird dann dort wieder Sportunterricht stattfinden.

Eindrücke vom Ortstermin



Pressetermin im Speisesaal, der mit einem Schutzboden belegt ist; hier werden die 260 Flüchtlinge dreimal täglich für jeweils eineinhalb Stunden verpflegt.



“General Information” und “House Rules”: Die überall aushängende Information ist in mehreren Sprachen verfügbar.



Zum Schutz der Privatsphäre war nur ein kurzer Blick durch die Tür erlaubt: einer der Schlafsäle mit rund 80 durchnummerierten Liegeplätzen.