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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Fest-Spiel“: Fulminanter Start der Konzertsaison im Jubiläumsjahr

1865 wurde in Augsburg ein Philharmonisches Orchester gegründet, deshalb ist 2015 ein Jubiläumsjahr der Augsburger Philharmoniker. Bereits in der vergangenen Spielzeit wurde das gefeiert, doch schon damals hat man das erste Konzert der neuen Spielzeit als „Fest-Spiel“ angekündigt. Mit dem neuen GMD Domonkos Héja und der Uraufführung einer Auftragsarbeit für eben diesen festlichen Anlass wurde das Augsburger Publikum in die musikalische Realität der neuen Saison geholt.

Von Halrun Reinholz

Domonkos Héja hatte sich beim Konzertpublikum bereits im Sommer eingeführt, als er auf dem Holl-Platz hinter dem Rathaus bei traumhaftem Sommerwetter ein charmant-heiteres Freiluftkonzert dirigierte. Diesmal wurde es „ernst“ in der Kongresshalle, die mit erwartungsvoll gespanntem Publikum gut gefüllt war. Kulturreferent Thomas Weitzel erinnerte in einer kurzen Grußansprache daran, dass ein „Orchester“ in der antiken griechischen Tradition ein Chor war, der mit Tänzen und Gesängen das Geschehen auf der Bühne begleitete. Die Augsburger Philharmoniker tun dies in gewisser Weise auch, im Musiktheater zumindest, aber in den Konzerten sind sie weitgehend autark und präsentieren sich dem Publikum nicht verschämt in einem Graben, sondern als Hauptakteure auf offener Bühne. Was im folgenden in bewährter Manier bewiesen wurde.

Präzise und ohne große Gesten dirigierte GMD Héja zunächst Beethovens Version Nr. 3 der Leonoren-Ouvertüre.

Nach dieser Einführung kam das mit Spannung erwartete Hauptwerk, die Auftragsarbeit des Komponisten Hans-Jürgen von Bose für das Philharmonikerjubiläum. Schon den Titel zu verstehen, erfordert einen gewissen Bildungshintergrund: Palimpsest. Er sagt aus, dass Altes mit Neuem „überschrieben“ wird. Der in München lehrende Komponist ist schon mit einigen bemerkenswerten Werken in Erscheinung getreten. Er selbst sieht sich in der Tradition von Bernd Alois Zimmermann, der dem Augsburger Publikum in der letzten Spielzeit auch präsentiert wurde.  Mit einer ungewöhnlichen Orchesterbesetzung (statt Geigen 6 Kontrabässe und ansehnlich viele Celli) und einigen Ergänzungen (Percussion, E-Gitarre, Keyboard), hatte das Orchester außergewöhnliche Klangmöglichkeiten. In dem dreisätzigen Werk nahm das „Pandämonium“ den Mittelteil ein. Unter anderem wird hier auch die Stadtgeschichte von Augsburg klanglich thematisiert.

Das Ende ist ein „sehr ruhiger und leiser Satz“, den der Komponist als „eigentlich ein in Musik gesetztes Gebet“ bezeichnet. Der Komponist war bei der Uraufführung selbstverständlich anwesend und von der Interpretation seines Werks sichtlich angetan. – Wenig Schwung, dafür viel Tiefgang versprach nach der Pause das dritte Werk des Abends, Anton Bruckners Sinfonie Nr. 3 d-moll. Héja dirigierte konzentriert und ohne Schnörkel, arbeitete das Heitere, Tänzerische des fesselnden, aber etwas spröden Oberösterreichers geschickt heraus. Großer Schlussapplaus vom Augsburger Publikum, das den charmanten Ungarn offenbar bereits anerkennend ins Herz geschlossen hat. Anerkennung auch vom Orchester, das seinerseits von Héja demonstrativ gewürdigt wurde. Man wird sehen, wie sich die Zusammenarbeit bei diesem Potenzial nach dem Jubeljahr weiter entwickelt.