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Dienstag, 10.12.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Feier für Leopold: Festkonzert zum 300. Geburtstag im Kongress am Park

Das ganze Jahr schon bereitet sich Augsburg auf den Jubiläumsgeburtstag ihres großen Sohnes Leopold Mozart vor. Als Höhepunkt gab es nun am 14. November ein außergewöhnliches Festkonzert mit dem Geiger Christian Tetzlaff.

Von Halrun Reinholz

Christian Tetzlaff – © Giorgia Bertazzi

Das städtische Mozartfest 2019 widmete sich ganz dem 300. Geburtstag von Leopold, dem Mozart-Vater, der in der Geschichte nicht immer gut weg kommt, gar als skrupelloser Vermarkter seiner begabten Kinder gilt. Es ist auch ein Verdienst dieses Jubiläumsjahres, dass sich dieses Bild relativiert und nuanciert hat, nicht zuletzt durch die aktuell erschienene Biographie von Silke Leopold, die unter anderem bei der Theaterpredigt zu „Amadeus“ dem Augsburger Publikum präsentiert wurde.

Gerade Peter Shaffers „Amadeus“ zeichnet Leopold Mozart als strengen Patriarchen-Vater. Silke Leopold hielt in ihrer Predigt dagegen und wies darauf hin, dass Leopold für die Karriere seiner Kinder seine eigene durchaus bewusst hinten angestellt hatte. Doch die Instrumente des Marketing beherrschte er sehr wohl und wusste, dass man sich „nicht klein machen“ und durchaus auch mal übertreiben darf, wie Kulturreferent Weitzel in seiner launigen Festansprache erwähnte. Als Komponist ist Leopold Mozart allerdings aus heutiger Sicht wenig dokumentiert, obwohl er zahlreiche Werke geschrieben hat. Viele auch, die ihm gar nicht zugeordnet werden können, oder zumindest nicht sicher.

Zum Geburtstagsjubiläum eines davon zu hören  – der „sinfonia pastorella“ für Alphorn (!), also „corno pastoriccio“ und Orchester. Carlo Torlontano schleppte das sperrige Instrument auf die Bühne, dessen Klänge für sinfonische Belange eher schräg und linkisch daherkamen. Aber außergewöhnlich, immerhin. Die „musikalische Schlittenfahrt“ hätte sich allerdings besser gemacht als Brücke zum Auftragswerk des Abends, der Uraufführung der „Silly Symphony“ von Moritz Eggert. 

„Silly“ waren vor allem die solistischen Partien auf „Kinderinstrumenten“ – Tröten, Rasseln, Kindergitarren, Quietschtiere und ähnliche Dinge kamen zum Einsatz. Moritz Egger nahm damit Bezug auf die „Kindersinfonie“ von Leopold Mozart (zumindest schreibt man sie ihm zu), in der auch überraschende Klänge mit dem „seriösen“ sinfonischen Ambiente kontrastieren. 

Die „Würde im Albernen“ wollte der Komponist damit zum Ausdruck bringen, Vorbilder waren ihm dabei etwa Charlie Chaplin oder die Disney-Zeichentrickfilme. Tatsächlich wirkte die Ernsthaftigkeit, mit der Moritz Eggert selbst zusammen mit Iris Lichtinger und Johannes Gutfleisch die Kinderspielsachen rhythmisch zum Klingen brachten, leicht albern. Die Ironie oder gar der lustvolle Schalk waren leider nicht zu erkennen. Dabei hatte Eggert seiner Sinfonie Überschriften verpasst, die auf „Obsessionen unserer Zeit“ Bezug nehmen: Abwanderung – Talkshow – Zukunftsangst – Abendland. Und ganz kryptisch der erste Satz: „Cofveve“. Die Anspielung gilt einem Verschreiber von Donald Trump auf Twitter, die in der medialen Gemeinde Furore gemacht hatte. Leopold Mozart, der die Medien seiner Zeit gut beherrschte, hätte an dieser Satire möglicherweise seine Freude gehabt. Das Publikum der Uraufführung war jedoch nur mäßig begeistert.

Hauptprotagonist des Abends war im zweiten Teil der Geiger Christian Tetzlaff. Klar, dass dieses Instrument bei einer Hommage an Leopold Mozart nicht fehlen durfte. Zwar hatte dieser mit großem Erfolg seine „gründliche Violinschule“ in der Welt verbreitet, doch selbst wohl kein Violinkonzert geschrieben. Es ehrt die Programm-Macher, dass sie einem nur Insidern bekannten Werk eine Chance gaben: Joseph Joachim, ein großer Geigenvirtuose des späten 19. Jahrhunderts, hat in sein Violinkonzert Nr. 2 alle virtuosen Herausforderungen an einen Geiger gepackt – und Christian Tetzlaff zeigte sich ihnen gewachsen. Mit scheinbarer Leichtigkeit trat er, wie vorgegeben, „in ungarischer Weise“ in den Dialog mit den Augsburger Philharmonikern unter dem wie immer präzise dirigierenden Domonkos Héja und hatte noch ausreichend Energie für zwei Zugaben an das dankbar applaudierende Publikum. 

Ein würdiges Geburtstagsfest, das die Augsburger dem Leopold da ausgerichtet haben! Aber ein schwacher Trost dafür, dass das Mozarthaus erst im nächsten Jahr wieder genutzt werden kann.