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Freitag, 22.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Mobilo: Ein Fehlanreiz?

Die geplante Einführung des “Mobilo”, einer 50-Cent-Rabattmünze des Einzelhandels in der Augsburger Innenstadt, die in Parkhäusern eingelöst werden kann, ist nach Ansicht der Grünen Stadtratsfraktion ein Schritt in die falsche Richtung. Das Wirtschaftsreferat weist diese Kritik zurück.





“Die ganze Philosophie des Umbaus der Innenstadt zielt darauf ab, Autoverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten und den Öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Deshalb ist ein System, das Autofahrer belohnt, völlig kontraproduktiv. Wir brauchen weniger Autoverkehr in der Innenstadt und nicht mehr”, erklärte der Fraktionsvorsitzende Reiner Erben am Donnerstag gegenüber der Presse. Zur Stärkung der Innenstadt durch bessere Ereichbarkeit gehöre vor allem ein Ausbau der Radwege und eine weitere Verbesserung von Bus und Tram. Der Handel müsse Angebote schaffen, um den Einkauf ohne Auto durch Bringservice möglich zu machen. Das Wirtschaftsreferat und Heinz Stinglwagner (CIA) bewerten diese Kritik als zu einseitig: “Der Mobilo stellt ein Bonus für die Nutzung des vorhandenen Angebots dar. Die geäußerte Kritik der Stadtratsfraktion der Grünen erscheint uns zu einseitig, denn die Funktionsfähigkeit von Innenstädten beruht vielmehr auf einer Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln.”

In Karlsruhe seit sechs Jahren erfolgreich

Die Zielsetzung des Mobilos liege nicht darin, die Parkplätze auszuweiten, sondern darin, zu einem positiven Standort-Image beizutragen, dem die letztlich zu hohen Parkgebühren entgegenwirken. “Insbesondere ist dabei jedoch wichtig zu betonen, dass ein übergreifendes Mobilitätsbonussystem umgesetzt wird, an dem sich sowohl Parkhäuser als auch andere Träger (ÖPNV, Verleihstationen von Fahrrädern, e-bikes, Car-Sharing, etc.) beteiligen sollen. Dies soll Schritt für Schritt umgesetzt werden”, so das Wirtschaftsreferat auf Anfrage. Das Konzept des Mobilitätsbonussystems in Augsburg sei nach dem Karlsruher Model („KARLSRUHER“) entwickelt worden. Das Mobilitätskonzept bewährt sich dort seit zirka 6 Jahren. In Karlsruhe erfolgte die Umsetzung ebenfalls schrittweise und “mittlerweile sind dort neben der Vergünstigung beim Parken auch Bus und Bahn beteiligt sowie Tankstellen, Fahrradstationen am Bahnhof und Taxis.” Heidelberg, Flensburg, Berlin haben ähnliche Konzepte nach dem Karlsruher Vorbild entwickelt.

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