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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

FCA: Werder Bremen ist ein besonderer Club

Am morgigen Samstag (15.30 Uhr) kommt mit dem SV Werder ein Club nach Augsburg, der zu den besonderen Clubs der Bundesliga gehört. 28 Jahre kam der SV Werder Bremen mit zwei Trainern aus: Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Von Rehhagels Bremer Zeit ist neben den sportlichen Erfolgen auch eine reichhaltige „Bremer Aphorismensammlung“ in die Geschichte des deutschen Fußballs eingegangen.

Mal verliert man – und mal gewinnen die anderen.“ (Otto Rehhagel)

Von Meinhard Motzko

Bis auf eine Saison immer dabei, 4 mal Meister, dazu 7 mal Vizemeister, 6 mal Pokalsieger, 4 mal Zweiter, Europa-Pokal der Pokalsieger, Europa-League Zweiter. In der ewigen Bundesligatabelle nach Bayern München auf Platz 2. Legendäre Spiele in der Champions-League („Wunder von der Weser“) und in der Sympathie-Wertetabelle in der Spitzengruppe. Wie kommt das in einer hoffnungslos verschuldeten Stadt (22 Milliarden Schulden), ohne Großsponsor oder Mäzen? 

Ein solarverglastes Stadion mitten in der Stadt, in das man sogar mit dem Schiff fahren kann, ein Publikum, das bedingungslos zum eigenen Verein steht und das auch auswärts eines der meisten Fans auf gegnerischen Plätzen stellt, kaum rechtsradikale Probleme und eine sprichwörtlich hanseatische Zurückhaltung und Bescheidenheit in der Führung. Kluges Abwarten und Erkennen von Talenten und eine familiäre Atmosphäre, die viele ehemalige Spieler noch heute gern und oft in das „Wohnzimmer“ zurückbringen auch wenn sie tausende Kilometer weiter leben wie z.B. Wynton Rufer aus Neuseeland oder Ailton aus Brasilien.

Und diese familiäre Grundausrichtung ermöglichte es dann, dass auch aus schwierigen Charakteren bei Werder echte Spitzenfußballer wurden (Mario Basler, Tim Wiese, Ailton, Özil, usw.). Dazu ruhige und kreative Spieler wie Micoud, Rune Bratseth, Pezzey, Diego oder auch Andy Herzog und Rudi Völler.

Und eine Führung, die bei Krisen nicht immer gleich den Trainer wechselt. Wie wäre es sonst zu erklären, dass sowohl „König Otto“ Rehhagel als auch Thomas Schaaf jeweils 14 Jahre auf der Trainerbank saßen. Letzter ein bisschen zu lange, wie viele Werderaner heute sagen. Und trotzdem sind sie ihm nicht böse. Inzwischen ist er sogar technischer Direktor bei Werder. Gleiches gilt für die „Legende“ Pizzaro, der kürzlich zum vierten Mal in Bremen unterschrieb.

So konnte sich aus einem Club, der in den 70ern jahrelang gegen den Abstieg kämpfte und den es dann 79/80 auch erwischte, eine echte Erfolgsstory entwickeln. Noch heute sagen sie an der Weser, dass dieser Abstieg heilsam war und tatsächlich begann nach dem Wiederaufstieg nach nur einem Jahr die wohl erfolgreichste Zeit, die bis 2010 anhielt und Werder regelmäßig in die Champions League führte.

PlatzMannschaftSpieleS-U-NTorePkt.
1.FC Bayern München 03-00-00 9:2 (+7) 9
2.Borussia Dortmund 02-01-00 7:2 (+5) 7
3.VfL Wolfsburg 02-01-00 7:4 (+3) 7
4.Borussia Mönchengladbach 02-01-00 5:2 (+3) 7
4.Hertha BSC 02-01-00 5:2 (+3) 7
6.1. FSV Mainz 05 02-01-00 4:2 (+2) 7
7.SV Werder Bremen 01-02-00 4:3 (+1) 5
8.Fortuna Düsseldorf 01-01-01 4:4 (0) 4
8.FC Augsburg 01-01-01 4:4 (0) 4
10.RB Leipzig 01-01-01 5:7 (-2) 4
11.TSG 1899 Hoffenheim 01-00-02 5:6 (-1) 3
12.Eintracht Frankfurt 01-00-02 4:5 (-1) 3
13.Hannover 96 00-02-01 3:4 (-1) 2
14.1. FC Nürnberg 00-02-01 2:3 (-1) 2
15.Sport-Club Freiburg 00-01-02 4:8 (-4) 1
16.VfB Stuttgart 00-01-02 3:7 (-4) 1
17.FC Schalke 04 00-00-03 2:6 (-4) 0
18.Bayer 04 Leverkusen 00-00-03 2:8 (-6) 0
Und dann? Was war los nach 2010? Eine unglückliche Hand des Sportdirektors Allofs, verpatzte Transfers und viel zu günstiges Abgeben von Spitzenspielern wie Özil ließen das Ansehen des einstmals so erfolgreichen Sportdirektors sinken. Noch heute sagen viele in Bremen, dass hier die Champions-League-Millionen verbrannt wurden. Davon erholt man sich nicht so schnell, wenn man kein Festgeldkonto wie die Bayern hat. Umso bemerkenswerter, dass alle Trainer nach der Schaaf-Ära aus der zweiten Mannschaft kamen (Skripnik, Nouri, Kohfeldt). Man hat begriffen, dass man an der Weser nicht mit dem großen Geld mithalten kann und investiert viel in die Nachwuchsarbeit. Ein Bargfrede, ein Eggestein und vielversprechende Talente in der 2. Mannschaft lassen die Bremer hoffen, zukünftig auch weiter oben mitspielen zu können. In der letzten Transferperiode zusätzlich gut verstärkt (Klaassen, Osako, Harnik, Beijmo, usw.) und die Abgänge (Delaney) gut reinvestiert und in guter alter Werder-Art auch schwierige Typen gut integriert (Max Kruse) und sogar zum Kapitän gemacht: So sollen in dieser Saison die Europa League-Plätze erreicht werden. 5 Punkte nach drei Spielen sind nicht das Schlechteste, da kennen sie ganz andere Starts an der Weser.

Und nun Augsburg: Jahrelang ein echter Angstgegner für die Bremer. In der letzten Saison besiegelten die Augsburger das Schicksal von Trainer Alexander Nouri. Die völlig desolate Vorstellung bei der Heimpleite gegen den FCA war das letzte Spiel des so hoffnungsvoll gestarteten Trainers. Erst unter dem neuen Trainer Kohfeldt konnte Werder das Blatt wenden und hat inzwischen eine weitgehend ausgeglichene Bilanz gegen Augsburg (7 Siege, 3 Unentschieden, 8 Niederlagen). Und wer erinnert sich nicht an den überzeugenden Werder-Auftritt in der letzten Saison mit einem 3:1 in Augsburg. Aber da war der FC Augsburg merkwürdig geistesabwesend im kalten Regen. – Mal sehen, wer sich dieses Mal durchsetzt, denn: „Modern spielt, wer gewinnt.“ (Otto Rehhagel)



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