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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

FCA: Warum man sich das Träumen verkneifen muss

Als der FCA zu Beginn der laufenden Saison die ersten beiden Spiele verlor, gab es unter den professionellen Beobachtern in Augsburg lange Gesichter und schwerblütige Diskussionen darüber, ob der Kader bundesligatauglich sei und die ketzererische Frage, ob man in Augsburg mit Manuel Baum den passenden Trainer für den FCA habe.

Kommentar von Siegfried Zagler

Der größte Moment in der Vereinsgeschichte - FCA-Fans sorgen in der  Anfield Road nach dem Spiel für Gänsehaut-Stimmung

Der größte Moment in der Vereinsgeschichte - FCA-Fans sorgen in der Anfield Road nach dem Spiel für Gänsehaut-Stimmung


Bei einer zu Beginn der Saison gestarteten Online-Umfrage der Augsburger Allgemeinen sahen 48 Prozent der Teilnehmer Baum als den falschen Trainer an. Allein die Fragestellung hat sich nach den ersten acht Bundesligapartien dieser Saison erledigt: Manuel Baum hat sich in die Liga gebissen und alle Experten verneigen sich vor seiner Performance in sportlicher wie kommunikativer Sicht. Mit 12 Punkten steht der FCA hauchdünn vor den Plätzen, die für die beiden europäischen Wettbewerbe qualifizieren. Baum scheint für alles einen Plan zu haben und findet die richtige Tonlage gegenüber der Öffentlichkeit.

Die sportliche Performance ist allein schon deshalb ziemlich sensationell, weil die Hälfte der bisherigen Gegner zu den Spitzenteams der
PlatzMannschaftSpieleS-U-NTorePkt.
1.FC Bayern München 34 27-03-04 92:28 (+64) 84
2.FC Schalke 04 34 18-09-07 53:37 (+16) 63
3.1899 Hoffenheim 34 15-10-09 66:48 (+18) 55
4.Borussia Dortmund 34 15-10-09 64:47 (+17) 55
5.Bayer 04 Leverkusen 34 15-10-09 58:44 (+14) 55
6.RB Leipzig 34 15-08-11 57:53 (+4) 53
7.VfB Stuttgart 34 15-06-13 36:36 (0) 51
8.Eintracht Frankfurt 34 14-07-13 45:45 (0) 49
9.Borussia Mönchengladbach 34 13-08-13 47:52 (-5) 47
10.Hertha BSC 34 10-13-11 43:46 (-3) 43
11.Werder Bremen 34 10-12-12 37:40 (-3) 42
12.FC Augsburg 34 10-11-13 43:46 (-3) 41
13.Hannover 96 34 10-09-15 44:54 (-10) 39
14.1. FSV Mainz 05 34 09-09-16 38:52 (-14) 36
15.SC Freiburg 34 08-12-14 32:56 (-24) 36
16.VfL Wolfsburg 34 06-15-13 36:48 (-12) 33
17.Hamburger SV 34 08-07-19 29:53 (-24) 31
18.1. FC Köln 34 05-07-22 35:70 (-35) 22
Bundesliga gehören: Gladbach, Leipzig, Dortmund, Hoffenheim. Die Bilanz gegen diese Teams kann sich sehen lassen; mit 5:5 Punkten und 6:6 Toren fällt sie ausgeglichen aus. Gegen die vier Teams, die sportlich im Einzugsgebiet des FCA liegen (7:4 Punkte/5:3 Tore), verloren die Augsburger nur das Auftaktspiel gegen den HSV, gegen Frankfurt und Köln gewann der FCA jeweils verdient und gegen Stuttgart leistete man sich ein 0:0 Unentschieden der schlimmeren Art: Nach dem DFB-Pokal-Aus gegen einen Drittligisten die zweite schwache Leistung dieser Saison. Vom hochklassigen Tempofußball gegen Leipzig bis hin zum Katastrophenkick gegen Stuttgart war also alles dabei. Aus diesem Grund kann man, nachdem fast ein Viertel der Saison gespielt ist, vorsichtig prognostizieren, dass der FCA einer guten Saison entgegensieht.

Dass dabei keine Verletzungsmisere eintreten darf und die mannschaftliche Geschlossenheit, zu der neben der absoluten Lauf- und Kampfbereitschaft auch die taktische Disziplin gehört, nicht nachlassen darf, muss nicht weiter vertieft werden. Die gebotene Zurückhaltung hat aber auch damit zu tun, dass die Bundesliga ausgeglichen wie keine andere europäische Liga ist. Ein Absturz ist immer möglich. In der Vorsaison pendelten Klubs wie Schalke, Leverkusen, Gladbach oder Bremen zwischen Zweiter Liga und Europa League-Qualifikation hin und her.

Dass man sich in Augsburg das Träumen bezüglich Europa verkneift, hat mit dem schwachen Sturmzentrum zu tun. Alfred Finnbogason bekommt nur jeden dritten Ball unter Kontrolle und Michael Gregoritsch ist als hängende Spitze noch nicht richtig warmgelaufen. Die Art und Weise, wie er gegen Hoffenheim den ersten Ausgleichstreffer erzielte, gibt allerdings Anlass zur Hoffnung, dass der Österreicher beim FCA noch in Tritt kommt.

Eine Hiobsbotschaft wie etwa die lange Auszeit von Hinteregger kann man in Augsburg inzwischen gelassen zur Kenntnis nehmen. Im Defensivbereich ist jede Position doppelt mit fast gleich starken Akteuren besetzt. Unersetzliche Spieler gibt es beim FCA längst nicht mehr. Der FC Augsburg ist in seinem siebten Jahr Bundesliga so gefestigt wie noch nie – und selbst ein schwer erträglicher Holzfuß wie Finnbogason, der selbst in der Nationalmannschaft Islands keinen Stammplatz hat, ist ein Mann, der an einem guten Tag etwas reißen kann.

Richtig ärgerlich ist dagegen immer noch die „Tribüne der Schande“. In keinem anderen europäischen Stadion bleiben auf einer Haupttribüne, die angeblich immer ausverkauft sein soll, so viele Plätze unbesetzt: ein Stimmungskiller. Hier besteht für einen Klub, der etwas auf sich hält, großer Handlungsbedarf.



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