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Freitag, 28.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. RWO 2:0

Der FC Augsburg gewann am vergangenen Samstag in der Zweiten Fußballbundesliga in der impuls arena gegen Rot Weiß Oberhausen mit 2:0 und bleibt somit konsequent auf Aufstiegskurs.

Von Siegfried Zagler

Würde der Fußball nicht auf etwas verweisen, das größer ist als er selbst, wäre er, wie Umberto Eco sagen würde, ein „Kurzschlusszeichen“, und somit außerhalb der Sportberichterstattung, also außerhalb der Wirklichkeit von Ergebnissen und Tabellen nicht weiter der Rede wert. Dass dem so nicht ist, muss nicht besonders hervorgehoben werden. Die bundesdeutschen Fußballstadien sind längst zu großen Theaterbühnen geworden, deren Stücke nicht nur nach der Dramaturgie der 90 Spielminuten geschrieben werden. – Lebensweisen, Glanz und Niedergang von Stadtteilen, Städten, Regionen, Ländern und Kontinenten werden nicht selten von einer Fußballmannschaft oder mehreren Fußballmannschaften reflektiert, und zwar nicht nur über das Auf und Ab in der Tabelle oder den Gewinn eines bedeutsamen Titels.

Die Leichtigkeit des Seins kam mit Franz Beckenbauer

Die Bundesrepublik Deutschland sei zwar 1948 gegründet worden, aber erst 1954 – nach dem „Wunder von Bern“ – sei diese Gründung vollzogen worden,  wie die älteren Jahrgänge der Fußballfeuilletonisten gerne behaupten. Und die wahre Leichtigkeit des Seins kam nicht mit der 68er Studentenbewegung in die muffigen Wohnstuben der BRD, sondern mit Franz Beckenbauer als fleischgewordene Erfindung engelsgleicher Eleganz. Das ist vermutlich leicht überzogen. Richtiger ist dagegen wohl die Behauptung, dass sich das deutsche Nationalgefühl sehr lange Zeit nur über die die deutsche Fußballnationalmannschaft äußern durfte. Jeder andere Kontext galt für die Emotion des national Gemeinsamen in der Bundesrepublik als politisch nicht korrekt. Zweifelsfrei zutreffend ist aber das Wort, dass die deutsche Bundesliga und der Deutsche Fußballbund mit ihren Anti-Rassismus-Kampagnen mehr zur Integration und zur harmonischen Akzeptanz kultureller Vielheit beigetragen haben, als jede andere Institution oder politische Bewegung dies je zu leisten in der Lage gewesen wäre. Auf den Tribünen der deutschen Fußballbühnen wurde und wird seit vielen Jahren jedes Wochenende ein erfolgreiches Stück namens „Helden der Integration“ gespielt. Ein Stück, das von der Lebenswirklichkeit der deutschen Gesellschaften in die  Ränge der Fußballbühnen hineingetragen wurde und dort von den Medien verstärkt immer wirkungsvoller gestaltend in die deutschen Gesellschaften hineinwirkte und hineinwirkt.

Mitgefühl und Solidarität

Wer sich am Samstag vor dem Spiel in der impuls arena zur Schweigeminute für die Opfer der Natur- und Reaktorkatastrophe in Japan erhob, um seinem Mitgefühl und seiner Ohnmacht Ausdruck zu verleihen, und dabei dem vor Weinkrämpfen geschüttelten Hajime Hogosai ins Gesicht sehen konnte, wird diesen Moment niemals vergessen. In diesem Moment öffnete sich eine Schleuse des mitfühlenden Verstehens, dessen überwältigende Kraft tausendfach stärker ist als eben jenes Gefühl des Grauens, das von medialen Bildern evoziert wird und sich erschreckend schnell verflüchtigt. – Hajime Hogosai ist 24 Jahre alt und wurde Ende Januar als Spieler der japanischen Nationalmannschaft Asienmeister. Am Samstag stand Hogosai gegen Oberhausen zum ersten Mal in der Startelf des FC Augsburg. Hogosai, der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag steht und vom FCA nur ausgeliehen wurde, setzte mit seinem Schmerz in Augsburg etwas frei, das im Getriebe der Geschäftigkeit und Katastrophen weltweit immer seltener zutage tritt: Mitgefühl und Solidarität.

Zwei Tore sind unterm Strich zu wenig

Michael Thurk fehlte verletzungsbedingt und wurde von Nando Rafael ersetzt. Lukas Sinkiewicz gab neben Hogosai ebenfalls sein Start-Debüt. Für Sinkiewicz musste Daniel Brinkmann weichen. Überraschend war aber nur Jos Luhukays Maßnahme, Kapitän Uwe Möhrle auf die Bank zu setzen. Für ihn spielte Jan-Ingwer Callsen-Bracker in der Innenverteidigung. Eine gute Idee, und zwar nicht nur deshalb, weil sich Möhrle seit vielen Wochen auf der Suche nach der verlorenen Form befindet und neben dem überragenden Innenverteidiger Gibril Sankoh phasenweise richtig schwach aussah, sondern auch deshalb, weil es Callsen-Bracker im Gegensatz zu Möhrle versteht, sich im richtigen Augenblick mit Tempo in den Angriff einzuschalten. – Das Spiel selbst war in erster Linie von dem Umstand gezeichnet, dass  die im Tabellenkeller angedockten Oberhausener nicht in der Lage waren, das Match offen zu gestalten. Der FCA dominierte das Spiel von Beginn bis zum Abpfiff, und es war einzig und allein der Abschlussschwäche der beiden Spitzen (Torsten Oehrl und Nando Rafael) geschuldet, dass die Augsburger zur Pause nicht mit drei beziehungsweise vier Toren Differenz führten. Wäre Oberhausens Ronny König nicht in der 37. Minute freistehend vor Simon Jentzsch aufgetaucht, hätte man glauben können, dass der FCA ein Trainingmatch gegen die eigene Reserve spielte, da die Gäste keinen Angriff zu Ende führten. Doch selbst bei einem Trainingsspiel mit einem besseren Sparringspartner zeigte der FCA einmal mehr seine Probleme in der Offensive. Die beiden Tore gegen einen in jeder Hinsicht trostlos schwachen Gegner waren unterm Strich viel zu wenig. Die Entstehung der Tore (das 1:0 resultierte aus einem Weitschuss von Paul Verhaegh, das 2:0 nach einem katastrophalen Fehler der Gästeabwehr) sind mehr dem Zufall zuzuschreiben als einem passablen Kombinationsspiel. Womit gesagt sein soll, wo Luhukay während der Länderspielpause den Hebel ansetzen muss.

FCA eine Klasse für sich

In den letzten Spielen zeigten sich nicht nur die Torjäger indisponiert, sondern die gesamte Offensivabteilung der Augsburger. Die Bälle in die Spitze (aber nicht nur in die Spitze) wurden aus dem Mittelfeld heraus zu schlampig gespielt und beim letzten Pass fehlte bei den Augsburgern beinahe kategorisch die Genauigkeit.

„Wir hätten mehr Tore machen können“, ist einer der häufigsten Sätze aus dem Mund des FCA-Trainers in seinen rückblickenden Spielanalysen. Dabei haben die Brechtstädter bisher die anderen Clubs in der Liga mit ihrem Torverhältnis (+29) distanziert. Nur die Berliner Hertha hat mit +30 eine minimal bessere Differenz als der FCA. Auch ein Indiz dafür, dass der FC Augsburg in dieser Saison (ebenfalls zusammen mit den Berlinern) eine eigene Klasse darstellt.

Noch ein Wort zu den Zuschauerzahlen: Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie viele Zuschauer die Drehkreuze der impuls arena passieren. Dass das Stadion am Samstag  – nach der Lesart des FCA-Managements – „ausverkauft“ war, hatte man bereits im Vorfeld der Partie zur Kenntnis genommen.

Für den FCA geht es am Freitag, 1. April auf der Bielefelder Alm weiter. Gegner ist Schlusslicht Arminia Bielefeld

Startaufstellung: S. Jentzsch, – P. Verhaegh, J. Callsen–Bracker, G. Sankoh, M. De Jong, – M. Ndjeng, L. Sinkiewicz, H. Hosogai, A. Bellinghausen, – N. Rafael, T. Oehrl.

Eingewechselt: D. Brinkmann (78.); A. Sinkala (84.).

Ausgewechselt: L. Sinkiewicz (78.); H. Hosogai (84.).

Auswechselbank: U. Möhrle; D. Baier; T. Werner; M. Amsif; S. Hain.