DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Samstag, 31.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Leipzig: Betonmischer gegen Himmelsstürmer

Ein Sieg der Augsburger gegen RB Leipzig ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Von Siegfried Zagler

Im Dezember 2016 wurde der Cheftrainer des FCA vom Management mit der wenig glaubwürdigen Begründung freigestellt, dass Dirk Schusters Fußball-Philosophie nicht (mehr) zum FCA passe. Am vergangenen Spieltag ließ der neue FCA-Coach, der mit dem Vorhaben antrat, dem FCA ein modernes Offensiv-Konzept zu verpassen, in Darmstadt den gleichen Stiefel wie Dirk Schuster spielen: superdefensiv, alles durch die Mitte oder mit langen Bällen spekulativ nach vorne. Unattraktiver war das FCA-Spiel unter Schuster keinesfalls und von einem modernen Spielsystem war der FCA soweit entfernt wie Silvano Tuiach von der Fähigkeit zur Ironie.

Bereits gegen Bremen zeichnete sich ab, dass mit dem Augsburger Kader keine Bäume in den Himmel wachsen: Zu weit standen die FCA-Spieler von ihren Gegenspielern entfernt, um richtig in die Zweikämpfe zu kommen, zu oft konnten die Bremer hohes Tempo aufnehmen, um gefährlich die Augsburger Defensive überspielen zu können. Dennoch gewann der FCA mit ungeheuer viel Glück diese Partie, verlor aber die Partie gegen Mainz sang- und klanglos und war gegen Leverkusen ohne echte Gewinnchance, aber mit zahlreichen Abwehrfehlern von Beginn an auf der Verliererstraße. Um es kurz zu machen:

Nach einer Periode der Dauerrotation und zahlreichen Systemumstellungen spielte der FCA in Darmstadt wie ein Absteiger, nämlich ohne Zug nach vorne und mit einer Betonabwehr, die sich um einen geordneten Spielaufbau noch nicht einmal bemühte. Auch diese Partie sollte der FCA gewinnen. Mit Glück, aber nicht unverdient ergatterte der FCA drei Punkte am Böllenfalltor, weil die Lilien tatsächlich noch einen Tick schlechter waren.

Und nun kommt am heutigen Freitagabend (20.30 Uhr) mit RB Leipzig eine junge und dynamische Mannschaft nach Augsburg, die im Grunde mit dem Satz beschrieben ist, dass sie nämlich genau das hat, was dem FCA komplett fehlt, nämlich schnelle und zugleich technisch versierte Spieler mit Zug zum Tor. Die Leipziger spielen großartigen, direkten und einfachen Fußball, der an das Ajax Amsterdam der siebziger Jahre erinnert. Dagegen kann sich eine Augsburger Mannschaft wohl nur erfolgreich wehren, wenn sie sich zu Hause so aufstellt, wie das beim FCA unter Dirk Schuster der Fall war: Hinten mit einer doppelten Viererkette Beton anrühren und vorne hilft der liebe Gott – und Raul Bobadilla, wenn er einen guten Tag hat.

Seit zwölf Freitagsspielen wartet der FCA auf einen Sieg (drei Remis, neun Niederlagen). Die Heimbilanz der Brechtstädter gehört zu den schlechtesten der Liga und nur Bremen und Ingolstadt haben zusammen mit den Augsburgern auswärts mehr Punkte geholt als zu Hause.

Was spricht eigentlich für den FCA? Beim FCA scheint Jan Moravek langsam in Form zu kommen. Der technisch versierte Tscheche, der sehr konsequent in der Defensive arbeitet, aber nach vorne manchmal zu zögerlich ist, war in Darmstadt einer von fünf neuen Spielern in der Augsburger Mannschaft, in der Daniel Baier (Achillessehnenreizung), Jeffrey Gouweleeuw (Rückenprobleme) und Jonathan Schmid (Adduktorenbeschwerden) fehlten. Es ist nicht damit zu rechnen, dass diese Spieler gegen Leipzig in der Startelf stehen.

Nur das Fehlen von Gouweleeuw schmerzt wirklich, aber mit Kacar könnte die Innenverteidigung stabiler werden als zuvor mit Janker. Mit Moritz Leitner könnte sich endlich ein Spieler das FCA-Trikot überstreifen, der auch mal in der Lage wäre, für Bobadilla einen Pass in den Raum zu spielen.

Mit einem Sieg gegen die Himmelsstürmer aus Leipzig könnte der FCA beinahe schon für seine 7. Saison im Oberhaus planen. Auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, unmöglich ist es nicht, denn schließlich geht auch der Fluch der Freitagsspiele einmal zu Ende.