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Donnerstag, 23.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Hoffenheim: Gemischtwarenladen gegen Global Player

Von Siegfried Zagler

Am heutigen Samstag (15.30 Uhr) gastiert in der Augsburger SGL-Arena mit der TSG 1899 Hoffenheim ein Klub, der sich auf den ersten Blick vom FC Augsburg nicht besonders unterscheidet. Die TSG ist ein Emporkömmling wie der FCA. Beide haben ein neues Stadion gebaut und den Aufstieg in die Bundesliga gestemmt, weil sie vom „Fremdgeld“ (Uli Hoeneß) eingestiegener Potentaten profitierten. Womit alle Gemeinsamkeiten bereits „abgearbeitet“ wären.

Wenn man allerdings einen zweiten Blick riskiert, trennen beide Klubs Welten. Gemischtwarenladen vs. Global Player (Takko vs. SAP), so könnte die schlichte Formel heißen, die die finanzielle Differenz und die damit verbundenen sportlichen Perspektiven der beiden jüngsten Mitglieder im Club der Bundesligisten skizziert. Auf die Frage, welche sportlichen Ziele er denn mit seiner TSG Hoffenheim anstrebe, antwortete der SAP-Gründer Dietmar Hopp mit der Nonchalance der Milliardäre, dass sportlicher Erfolg nichts Besonderes sei: „Dafür brauche man nur Geld.“ Dietmar Hopp stieg 1989 bei seinem Heimatverein in der A-Klasse ein und wollte sich mit 1899 Hoffenheim einen Klub malen, dessen sportliche Erfolge in Verbindung mit wirtschaftlicher Vernunft und beispielhafter Jugendarbeit bewertet werden sollten. Doch der inzwischen 71-jährige Hopp wurde von einer menschlichen Tugend heimgesucht, die im Profifußball in etwa mit derselben Verständlichkeit zum Geschäft gehört wie diverse Hautprobleme zur Pubertät: Ungeduld.

Stanislawski soll dem Verein ein Gesicht geben

Hopp gab beispielsweise zur Saison 2007/08 mehr Geld für Neuverpflichtungen aus als alle übrigen Zweitligisten zusammen. „Für sportlichen Erfolg braucht man nur Geld.“ Dieser leichtsinnig dahingesagte Kneipenspruch holte Dietmar Hopp sehr schnell ein und Hopps wirksame „Scheckbuch-Medizin“ gegen die Ungeduld brachte der TSG das tödliche Image eines Retortenclubs ein. Direkt nach dem Aufstieg ins Oberhaus wirbelte der Emporkömmling aus Sinsheim kurzzeitig mit schnellem wie geradlinigem Angriffsfußball die Hierarchie im deutschen Vereinsfußball durcheinander. Nach 17 Spieltagen und teilweise großartigen Auftritten und mit dem überragenden Goalgetter Vedad Ibisevic wurden die Hoffenheimer 2008/2009 auf sensationelle Weise Herbstmeister und belegten am Ende den siebten Platz. In den vergangenen beiden Spielzeiten kamen die Hoffenheimer nicht über den 11. Platz hinaus. Manager und Trainer mussten gehen und nun soll Hoffenheims neuer Trainer Holger Stanislawski dem Verein ein Gesicht geben. Stanislawski ist ein Typ, gegen den niemand etwas haben kann. Mit der üblichen Besessenheit und einer bisher unbekannten emotionalen Authentizität, gepaart mit einer natürlichen Lockerheit ohne die Spur von Arroganz, verkörpert Stanislawksi einen Trainertyp, den man sich bisher außerhalb von St. Pauli nicht vorstellen konnte. Dass der “Hamburger Jung” nun mit Schmackes und mehr als einem Butterbrot im Beutel in Richtung Champions-League arbeiten soll, gehört zu den klassischen Widersprüchen in der Welt des Geldes.

Luhukay schwört auf Teamspirit

In Augsburg erwartet Stanislawski heute Nachmittag ein „gefährliches Spiel“. Beim Aufsteiger herrsche große Euphorie und man werde ähnlich viel investieren müssen wie zuletzt beim Sieg gegen Dortmund, so Stanislawski. Und der FCA? Der FC Augsburg steht heute vor seiner ersten Herkulesaufgabe. Die zuletzt nicht besonders stabil wirkende Innenverteidigung könnte durch Gibril Sankoh verstärkt werden. Sankoh hat seine Rotsperre aus dem letzten Zweitligaspiel abgesessen und ist fit. „Wir dürfen uns gegen diesen Gegner keine Schwächen erlauben, so FCA-Trainer Jos Luhukay, der gegen Hoffenheim auf Angreifer Stephan Hain verzichten muss (Muskelverletzung). „Hoffenheim ist technisch und spielerisch sehr stark“, so Luhukay, der seit Wochen auf Teamspirit schwört: Der FCA solle die geringere Qualität als Mannschaft wettmachen und mutig bei jeder Möglichkeit den Weg nach vorne suchen.