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Mittwoch, 28.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Greuther Fürth 1:1

Der FC Augsburg schwächelt im Zieleinlauf um die Aufstiegsplätze in die Erste Liga. In einer kampfbetonten aber von Spielarmut gekennzeichneten Partie kamen die Brechtstädter am Sonntagnachmittag vor 17.561 Zuschauern in der impuls arena gegen Fürth über ein 1:1 Unentschieden nicht hinaus und weckten dadurch Frühlingsgefühle bei der Konkurrenz, die sich im Kampf um Platz drei wieder Hoffnungen machen darf.

von Siegfried Zagler

In der ersten Halbzeit zeigte der FCA zunächst geordnete Initiative im Spiel nach vorne , doch das 1:0 gelang den Fürthern. Nicolai Müller spielte Christopher Nöthe aus der Feldmitte in den Lauf und Nöthe tunnelte den herauseilenden Simon Jentzsch (12.). Genau vor dieser Fürther Qualität in der Sturmmitte hatte Jos Luhukay seine Defensive in der Vorbereitung gewarnt. Der Fürther Treffer entstand aus dem direkten Spielzug nach Daniel Brinkmanns vergebener Großchance zur Augsburger Führung. Der FCA zeigte sich aber keinesfalls geschockt, sondern spielte weiter aus einem gut organisierten Mittelfeld kontrollierten Offensivfußball mit aufwändigem Pressing. Nach der lehrbuchartigen Gästeführung schien sich die Mannschaft an die Trainerdirektive zu erinnern. Ein Grund dafür, dass sich die Fürther im Spielaufbau schwer taten und kaum noch gefährlich vor Jentzsch auftauchten, während Youseff el Akchaoui und Nando Rafael richtig gute Torchancen nicht zu verwerten verstanden. Die Fürther wussten sich in dieser Phase des Spiels oft nur durch überhartes Einsteigen zu helfen. Fürths Kapitän und Abwehrrecke Marino Biliskov sah kurz vor der Pause nach wiederholtem Foulspiel die Ampelkarte.

„Dem FCA fehlte das kreativ zielgerichtete Moment“

"Knallte das Leder aus kurzer Entfernung hoch in die Maschen": Torschütze Michael Thurk

"Knallte das Leder aus kurzer Entfernung hoch in die Maschen": Torschütze Michael Thurk


In Halbzeit zwei tat sich die Augsburger Offensive in Überzahl schwerer als in Halbzeit eins, als noch alle Kleeblätter auf dem Feld waren. Der FCA konnte zwar nach einer zu kurzen Torwartabwehr nach einem Traore-Freistoß in der 48.Minute und einem daraus folgenden Gestochere schnell den Ausgleich erzielen (Thurk sprang der Ball vor die Füße und der Augsburger Goalgetter knallte das Leder aus kurzer Entfernung hoch in die Maschen), doch der nun erwartete Sturmlauf der Augsburger blieb aus. Mit Geduld und schwer nachvollziehbarer Gelassenheit sorgte man zwar vorrübergehend für Druck, aber mehr als zwei durchwachsene Tormöglichkeiten von Brinkmann (53.) und Hegeler (58.) sprangen dabei nicht heraus. Nahezu über das komplette Spiel hinweg fehlte dem FCA an diesem Nachmittag das kreativ zielgerichtete Moment. Die überraschende Idee, der tödliche Pass blieb aus. Als der Greuther Trainer Mike Büskens in der 62. Minute mit Caligiuri (für Nöthe) das defensive Mittelfeld verstärkte, wirkten die Augsburger beinahe wie aus dem Match gehebelt. Gefährliche Aktionen im Strafraum der Gäste ergaben sich nur noch aus ruhenden Situationen heraus, der Rest war Kampf, spielerisches Stückwerk oder weite Bälle, die keinen Abnehmer fanden. Luhukay reagierte richtig und verstärkte mit Daniel Baier (für Brinkmann) die Kreativabteilung, doch Baier blieb blass. Auch Sandor Torghelle, der in der 78. Minute den von einem Magen-Darm-Virus geschwächten Thurk ersetzte, fand nicht ins Spiel. Wenige Minuten danach schien die Partie für die Fürther entschieden. Allagui tauchte rechts aus spitzem Winkel allein vor Jentzsch auf, der den Fürther beim Herauslaufen weggrätschte. Der gefoulte Allagui vergab jedoch den fälligen Elfmeter kläglich. Simon Jentzsch konnte den Strafstoß sicher halten. Danach sollte der kopfballstarke Buck (für de Roeck) in der FCA-Schlussoffensive für die Wende sorgen. Eine Maßnahme – wie alle anderen Einwechslungen – ohne Wirkung.

„Ernstzunehmende Anzeichen einer besorgniserregenden Schwäche“

Man muss nicht im Besitz eines Trainerscheins sein, um die Offensiv-Misere der Augsburger gegen Greuther Fürth angemessen bewerten zu können. Thurk und Traore spielten unter ihren Möglichkeiten. El Akchaoui brachte als linker Außenverteidiger zu wenig Entlastung für Traore im Spiel nach vorne und Sinkalas offensive Abräumerqualität fehlte an allen Ecken und Enden.

An Daniel Baier lief das Spiel bisher stets vorbei, und man muss nicht zu den notorischen Meckerern auf der Haupttribüne gehören, um der Frage nachzugehen, auf welche Weise Baier das Spielssystem des FCA eigentlich verstärken könnte. Sinkalas Ausfall versucht Jos Luhukay offensichtlich mit intensiverem Pressing zu kompensieren. Dies erfordert von den Offensivkräften vermehrte Laufarbeit und wirkt kraftraubend. Nach 70 Minuten schien dem FCA gegen Fürth nicht nur die Kreativität, sondern auch die Spritzigkeit zu fehlen. Kontrollierter Ballbesitz war noch nie das Markenzeichen des FCA, aber die hohe Zahl der leichten Ballverluste und die fahrigen Pässe in die Spitze sind ernstzunehmende Anzeichen einer besorgniserregenden Schwäche im Spiel nach vorne. In einer Woche folgt auswärts das Spitzenduell gegen St.Pauli, dann folgt das Heimspiel gegen Verfolger Duisburg. Sollte es Luhukay nicht gelingen, seine Offensivabteilung wieder zur alten Stärke zurückzuführen, droht das in der Vergangenheit allzu oft praktizierte Understanding der FCA-Führungsspitze bittere Realität zu werden.