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Dienstag, 07.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Bochum 0:1

Im Spitzenspiel der Zweiten Liga hat der FCA nach einer Serie von 11 Spielen ohne Niederlage gegen den VfL Bochum in der heimischen impuls arena am gestrigen Montagabend vor 15.500 Zuschauern mit 0:1 verloren.

Von Siegfried Zagler

Wer nach einem Fußballspiel in der Analyse ernsthaft die Kategorie der Gerechtigkeit anführt, braucht eine Bewertungsmatrix, die nicht nur Ballbesitz, Eckenanzahl, Torschüsse, Chancenverwertung, individuelle Fehler, Fehlpässe, Zweikampfwerte und nicht zuletzt die geschossenen Tore beinhaltet. Fußballergebnisse sind daran gemessen nicht „gerecht“, sondern erarbeitet, erkämpft, erspielt und aus diesen Gründen nicht selten „verdient“. Am Montag nun hat der FCA ein klassisches 0:0 Spiel verloren – aus Dummheit und fehlender Leidenschaft, was im Fußball ungefähr das Gleiche ist. Aus diesem Grund darf man den unverdienten Sieg der Bochumer als gerecht bezeichnen. Diese Einschätzung dürfte FCA-Trainer Jos Luhukay nicht weniger schmerzen als die verschenkte Möglichkeit, sich am 20. Spieltag zusammen mit Hertha BSC vom Feld der Aufstiegsanwärter abzusetzen. „Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen“, sagt der Volksmund, weshalb man auch einverstanden ist, wenn der Dumme am Ende des Tages als Verlierer dasteht.

Sankoh hätte die Rote Karte sehen müssen

Der VfL war von Beginn an auf  Torsicherung und Stabilität in der Defensive bedacht, während der FCA das Spiel bestimmte, ohne sich dabei auskontern zu lassen. Der Spielaufbau der Augsburger war sicher und – trotz des zerfurchten Rasens – kontrolliert, allerdings ohne Durchschlagskraft und Spielwitz in Strafraumnähe. Der entscheidende letzte Pass war stets zu ungenau und trotz des hohen Tempos blieb das gesamte Spiel relativ ereignisarm. In der 78. Minute presste sich Michael Thurk, der einzige Angreifer des FCA, von dem ansatzweise Torgefahr ausging, geschickt an seinem Gegenspieler vorbei und stürmte mit zwei mitgelaufenen Augsburgern auf das Bochumer Tor zu. Thurk wurde rustikal von hinten umgeholzt, der Angriff war trotzdem immer noch brandgefährlich, da der FCA im Ballbesitz blieb, doch ein grauenhaft fahriger Pass beendete die große und einzige Konterchance des FCA. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus unterbrach das Spiel, nachdem der FCA den Vorteil nicht nutzen konnte. Innerverteidiger Sankho sprintete aus 20 Meter Entfernung zum Tatort und forderte wohl die Rote Karte für den Foulspieler, was dazu führte, dass Sankoh Gelb sah und für sein anschließendes höhnisches Klatschen die Rote Karte hätte sehen müssen. Der schwächste Akteur der Partie – Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus – schickte in dieser Schlüsselszene nicht nur nicht Bochums Foulspieler vom Platz, sondern ließ auch Sankoh auf dem Feld, wofür sich dieser wenige Minuten später „bedankte“, indem er einem Bochumer von hinten in die Parade fuhr.

Ordnungsprinzipien und Fußball nach Schema prägten die Partie

Fußballmannschaften und insbesondere ihre Trainer fühlen sich oft von den Unparteiischen „verschaukelt“, also ungerecht behandelt, weil sich die Fehler der Schiedsrichter ihrer Auffassung nach nicht „gerecht“ auf beide Seiten verteilt haben, doch in den meisten Fällen liegen die Verlierer mit dieser Gerechtigkeitsauffassung falsch, da die Schiedsrichter in den ersten beiden deutschen Profiligen in der Regel nicht nur hervorragende Leistungen abliefern, sondern auch im Lauf eines Spiels ihre wenigen Fehler nach Zufallsprinzip verteilen – und der Zufall interessiert sich nicht für Gerechtigkeit. Frau Steinhaus lieferte gestern Abend zwar eine schlechte Leistung ab und sorgte mit ihrer großzügigen Regelauslegung und vielen Übersehern dafür, dass ein faires Spiel am Ende in ein gefährliches Geholze zu kippen drohte, doch von den Fehlentscheidungen der Unparteiischen wurden allerdings beide Mannschaften gleichermaßen geschlagen, womit man wieder bei der Kategorie der Gerechtigkeit ist. Dummheit ist dagegen eine grobe wie subjektive Kategorie menschlichen Handelns, die man aber ins Feld führen muss, wenn ein Spieler um einen Platzverweis bettelt (Sankoh) und die bessere Mannschaft an diesem Abend kurz vor Schluss (84.) durch ein Eigentor verliert, weil in einem Weichensteller-Spiel um den Aufstieg zu Hause keine wirkliche Torgefährlichkeit entwickelt wurde, sondern  Ordnungsprinzipien und Fußball nach Schema das Geschehen prägte. Der FCA entwickelt in der Liga zu Hause zu wenig Leidenschaft und Wille, wie das zum Beispiel im Pokal gegen Schalke zu erkennen war. Die Bochumer spielten gedankenschneller und agiler als der FCA ihre wenigen Angriffe zu Ende, während der FCA, ohne Rhythmus- und Tempowechsel, den Ball nach vorne trug. Der FCA hat bereits am Freitag um 18 Uhr beim VfL Osnabrück die Gelegenheit zu zeigen, dass er auch mit Leidenschaft dorthin streben kann, wohin er mit diesem Kader auch zu streben hat, in die Erste Bundesliga.

FCA: S. Jentzsch, – P. Verhaegh, G. Sankoh, U. Möhrle, M. De Jong, – M. Leitner, J. Callsen-Bracker, K. Kwakman, T. Werner, – M. Thurk, S. Hain.

Eingewechselt: T. Oehrl (71.); N. Rafael (82.).

Ausgewechselt: S. Hain (71.); M. Thurk (82.).

Auswechselbank: J. De Roeck; S. Bertram; D. Brinkmann; M. Nebel; M. Amsif.

Tore :

0:1 Giovanni Federico (84.)