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Freitag, 22.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Vor Dortmund muss man sich nicht fürchten

Am kommenden Wochenende fängt die Bundesliga an. Augsburg ist wieder dabei. Die Chancen der Augsburger, die Klasse zu halten sind nicht schlechter als in der Vergangenheit.

Von Siegfried Zagler



Der FC Augsburg hat zwei Bundesligaspielzeiten überstanden. Zweimal schien man nach der Vorrunde abgeschlagen, zweimal hielt man die Klasse. In der zurück liegenden Saison stand der FC Augsburg mit nur 9 Punkten nach 17 Runden ziemlich abgeschlagen da. Die Düsseldorfer, die am Ende zusammen mit den Fürthern abstiegen, waren zur Halbzeit 12 Punkte vom FCA entfernt. Zweimal profitierten in den vergangenen zwei Spielzeiten zwei scheinbar abgeschlagene Vereine von Abstürzen anderer Vereine. Zweimal war der FCA bei den Profiteuren. Vor zwei Jahren fielen Berlin und Köln aus dem Mittelfeld ins Nichts. Freiburg und Augsburg kämpften sich nach vorne. In der letzten Saison konnten Hoffenheim und der FCA den Niedergang der Düsseldorfer nutzen, die nach ihrem Abstieg ihren Trainer feuerten, der in der Rückrunde nur 9 Punkte holte.



Wäre der FCA ohne Manninger in der Bundesliga geblieben?


Dies hätte natürlich alles nicht geholfen, hätte der FC Augsburg nicht jeweils eine famose Rückrunde gespielt. In beiden Spielzeiten schlugen die in den Winterpausen verpflichteten Spieler dort ein, wo es am nötigsten war: in der Offensive. Vor zwei Jahren Ja-Cheol Koo als torgefährlicher Ballverteiler und Matthias Ostrzolek, der als Außenverteidiger mächtig Dampf nach vorne entwickelte. In der vergangenen Saison retteten die Tore von Dong-Won Ji den FCA vor dem Abstieg. Ebenfalls aus der Not heraus wurde Torhüter Alexander Manninger verpflichtet. Wäre der FCA ohne Manninger in der Bundesliga geblieben? Eine berechtigte Frage jedenfalls.

Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji sind weg. Das wiegt schwer, dennoch geht der Daumen in der Erwägung der Lage des FCA in der kommenden Saison nach oben. Wichtigstes Argument dafür ist ein Gedanke, der bisher kaum denkbar war: Beim FCA haben sich durch die zweijährige Bundesligazugehörigkeit  des Klubs eine Reihe Spieler das Prädikat „Bundesligatauglichkeit“ erarbeitet, was einfach damit zu tun hat, dass sich zum Beispiel Verhaegh, Callsen-Bracker, de Jong, Baier, Werner, Moravek und Mölders durch das Stahlbad der vergangenen  Jahre zu guten Erstliga-Spielern weiter entwickelten haben.

Bei allen Spielern stimmt die Einstellung auf dem Platz

„Erstligatauglichkeit“ ist vielleicht auch bald eine Prädikat, das für den Trainer gilt. Greenhorn Markus Weinzierl, dessen Haltung zu Beginn der vergangenen Saison kaum zu ertragen war, zeigte sich im Lauf der Saison anpassungsfähig. Wer weiß, vielleicht wird aus Markus Weinzierl noch ein richtig guter Trainer. Bei allen Spielern stimmt jedenfalls die Laufbereitschaft und das Zweikampfverhalten. Die Mannschaft funktioniert als Team und unter Weinzierl hat sich zum Beispiel Tobias Werner zu einem wertvollen Spieler entwickelt. Das gilt selbstverständlich auch für Vogt, Klavan, Hahn und Ronny Philp, die es verstehen, sich in Spiele „hineinzubeißen“. Mit Halil Altintop und Raphael Holzhauser hat der FCA zwei neue Spieler verpflichtet, die sich nicht erst in die Liga hineinarbeiten müssen, sie bringen diese Klasse mit. Für Altintop gilt das zwar mit Abstrichen, aber um den FCA muss man sich nicht so große Sorgen machen wie in den vergangenen beiden Spielzeiten. Am kommenden Samstag kommt mit Borussia Dortmund eine europäische Spitzenmannschaft in die SGL Arena. Der FCA muss sich nicht fürchten, er muss nur tun, was er am besten kann und was für alle Außenseiter gilt: das Spiel des Gegners unterbinden. Und er muss ein Manko vergessen, das Außenseiterer zu Außenseitern macht, nämlich seine Qualitätsdefizite im Abschluss. Die Spieleröffnung der Dortmunder muss bereits im Ansatz empfindlich gestört werden, sodass Balleroberungen im Mittelfeld möglich werden: schnelles Umschalten, Torchancen generieren und diese in Tore ummünzen. Ist doch ganz einfach, oder?