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Freitag, 06.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA steht vor der größten Herausforderung seiner Geschichte

Nach dem schweren Spiel gegen Ingolstadt am heutigen Samstag folgen drei Wochen der Wahrheit.

Von Siegfried Zagler

Für FCA-Trainer Markus Weinzierl ist am heutigen Samstag (15.30 Uhr) im Derby gegen den FC Ingolstadt ein Sieg Pflicht. “Wir wollen und müssen das Spiel gewinnen, um Ingolstadt in der Tabelle zu überholen. Das ist eine wichtige Partie und kann vor den englischen Wochen für uns richtungweisend sein”, so Weinzierl am gestrigen Freitag. Der FCA steht bereits nach den beiden Bundesliga-Startpartien gegen Berlin und Frankfurt, bei denen die Brechtstädter drei bis vier Punkte liegen ließen und vor dem Beginn des Europa-League-Abenteuers in Bilbao unter Druck: Würden die Augsburger ihr Heimspiel gegen den bayerischen Aufsteiger verlieren, müsste man von einem glatten Fehlstart sprechen, zumal nach der Länderspielpause am 11. September das nächste Derby gegen einen bayerischen Verein zu bestreiten ist. Aber kein Heimspiel gegen einen Aufsteiger, sondern ein Auswärtsspiel (Sa. 15.30) gegen den FC Bayern München, wo die Trauben bekanntlich hoch hängen.

Danach stehen drei (!) englische Wochen auf dem Programm. Nach der Partie in München folgt der erste Europapokalauftritt der Augsburger am Donnerstagabend, den 17. September in Bilbao. Am Sonntag, den 20. September (17.30 Uhr) steht das zweite Bundesligaheimspiel gegen Hannover auf dem Programm. Am darauf folgenden Mittwoch, den 23. September kreuzt der FCA auswärts mit Borussia Mönchengladbach die Klingen (20.00 Uhr). Und am Samstag, den 26. September (15.30 Uhr) empfängt der FCA die TSG Hoffenheim. Und um schließlich die Strecke der Spiele im drei-Tage-Rhythmus zu komplettieren, bestreitet der FCA am 1. Oktober sein erstes Europa-League-Heimspiel gegen Partizan Belgrad, um am darauf folgenden Samstag, den 3. Oktober in Leverkusen gegen die Werkself von Bayer anzutreten. Sieben Spiele in drei Wochen! Das bedeutet Rekord für die Fußballaufsteiger des Jahrzehnts aus Augsburg.

Die Frage, ob der FCA für ein Dauerprogramm dieser Premiumkategorie einen angemessenen Kader hat, ist leicht und eindeutig zu beantworten: Nein! Vermutlich müssten sogar Vereine wie Dortmund oder Schalke bis an die Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit gehen, um sich für Programme dieser Art personell zu rüsten. Der FCA hat einen Kader, der jedes Spiel (damit sind auch Spiele gegen Viertligisten gemeint) nur dann erfolgreich bestehen kann, wenn er im Spiel einhundert Prozent abruft. Man mag nicht daran denken, was es für den FCA bedeuten würde, hätte er in dieser Saison eine Verletzungsmisere zu beklagen oder eine lange Durststrecke in Sachen Kopf-Fitness zu überwinden. Das Transferfenster ist bis 31. August geöffnet. Man sollte also in Augsburg nach Eingang der Baba-Millionen noch mit Neuzugängen rechnen.

Zurück zum Spiel gegen Ingolstadt. Die Bilanz spricht eindeutig für den FCA. Aus vier Zweitliga-Spielen holte Augsburg gegen die Schanzer zehn von zwölf möglichen Punkten, außerdem schaltete man die Oberbayern in der ersten Pokalrunde 2009/10 aus. Bislang gab es erst einen Verein, der als absoluter Neuling und Aufsteiger die ersten beiden Bundesliga-Auswärtsspiele der Vereinsgeschichte gewonnen hat: Düsseldorf 1966. Die Leistungsfähigkeit der Ingolstädter ist noch nicht einzuschätzen: Beim 1:0 in Mainz zum Auftakt hat der FCI mit einer kompakten Defensivleistung und mit tödlicher Effizienz im Angriff überzeugt, gegen Dortmund wirkte der Aufsteiger dagegen hoffnungslos überfordert (3:18 Torschüsse). Unabhängig davon sind die Augsburger dafür bekannt, dass sie sich gegen vermeintlich schwächere Gegner schwer tun. In der Vorsaison verlor der FCA in der Rückrunde fast alle „richtungsweisende Spiele“ gegen Abstiegskandidaten, weil er es nicht verstand, seine spielerische Überlegenheit in Tore umzumünzen. Eine Mannschaft mit Format betrachtet Spiele wie gegen Ingolstadt als „Pflichtaufgaben“, die man mit Respekt aber ohne großen physischen Verschleiß zu absolvieren hat. Mit dieser Einstellung hätte der FCA gegen keine Mannschaft der Bundesliga eine Chance. Damit ist alles über den Abgrund gesagt, in dessen Nähe der FCA mit seinem „Abenteuer Europa“ wandelt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Augsburg: Hitz – Verhaegh, Hong, Klavan, Max – Baier – Esswein, Kohr, Halil Altintop, To. Werner – Bobadilla.

Ingolstadt: Özcan – Levels, Matip, B. Hübner, Suttner – P. Groß, Roger, Morales – Hartmann, Hinterseer, Leckie.