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Dienstag, 12.11.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

FCA mit zwei Gesichtern in Bremen

Im Duell gegen Bremen zeigte der FCA im Weserstadion am 3. Bundesligaspieltag zwei Gesichter. In der ersten Hälfte schloss er vor 40.041 Zuschauern nahtlos an die desolaten Vorstellungen gegen Dortmund und den Aufsteiger Union Berlin an. Doch in der zweiten Hälfte bäumte sich der FCA gegen die drohenden Niederlage auf, schaffte den 2:2 Ausgleich und musste sich erst in der Schlussphase in Unterzahl zwar nicht unverdient, aber doch unglücklich mit 3:2 geschlagen gegeben.

Von Udo Legner

Beim FCA gab es im Vergleich zum Heimspiel gegen Union Berlin zwei Änderungen. Innenverteidiger Felix Uduokhai, Neuzugang aus Wolfsburg, rückte für Gruezo in die Startelf. Rechts offensiv begann Richter für Hahn. Mit Uduokhai, Jedvaj und Lichtsteiner liefen somit drei Neuzugänge in der FCA-Viererkette auf.

Turbulente und torreiche Anfangsphase

Die ersten Minuten gehörten dem FCA, der mit viel Einsatz und Spielfreude in die Partie startete. Nach fünf Minuten war es allerdings schon vorbei mit der Augsburger Herrlichkeit. Nach Ballverlust am Bremer Sechzehner konterten die Werderaner wie aus dem Fußballlehrbuch. Füllkrug spielte zentral in den Lauf von Yuya Osako, der im Stil eines japanischen Schnellzugs seinen Gegenspielern und allen voran Neuzugang Tin Jedvaj enteilte und sein Solo eiskalt flach ins rechte Eck zur 1:0 Führung für Bremen abschloss (6.). 

Wenige Minuten später die Chance zum Ausgleich für die Augsburger (10.). Nach einer schönen Ballstaffete über Niederlechner und Gregoritsch kam Vargas zum Abschluss, aber Bremen-Keeper Pavlenka konnte den Schuss des Schweizers auf das linke Eck per Fuß zur Ecke klären. Nur wenige Minuten später war es eine Schweizer Ko-Produktion, die den Augsburgern den Ausgleich bescherte: Lichtsteiners gefühlvolle Flanke ins Zentrum erreichte Vargas, der aus acht Metern spektakulär in den linken Winkel köpfte und damit sein zweites Ligator erzielte (11.). 

Abstimmungsprobleme und Aussetzer beim FCA

Nach dem Augsburger Ausgleichstreffer versuchten beide Teams erst einmal Ruhe in die Partie zu bringen, die deshalb zusehends verflachte. Die erneute Führung der Bremer offenbarte die Abstimmungsprobleme im Augsburger Mannschaftsgefüge. Wie bereits beim 1:0 genügte ein weiter Ball hinter die Abwehrreihe, um die FCA Defensive auszuhebeln. Sahin spielte einen hohen Ball aus dem Zentrum in den Lauf von Sargent, der die Kugel akrobatisch aus der Luft annahm, über FCA-Keeper Koubek lupfte und locker einschob. 

Der erneute Führungstreffer für Werder zeigte Wirkung. Beim FCA ging der Spielfluss völlig verloren. Zu zögerlich gingen die Spieler in die Zweikämpfen und verrannten sich stattdessen in unnütze Rangeleien, die in der 23. Minute zu einer gelben Karte für Lichtsteiner führte, die sich nur wenige Minuten später noch als äußerst verhängnisvoll erwies. Trotz vehementer Proteste der Augsburger beharrte der Unparteiische bei einer scheinbaren Berührung zwischen Lichtsteiner und Stephan Füllkrug auf Gelb-Rot für den Schweizer Unglücksraben (34.). FCA-Coach Martin Schmidt reagierte prompt und beorderte Rani Khedira in die Innenverteidigung, während Tin Jedvaj nach rechts rückte. In Überzahl erspielte sich Werder Bremen bis zum Seitenwechsel ein klares Chancenplus.

Fazit zur Halbzeit: Nach starkem Beginn ließ der FCA ebenso stark nach. Nach Lichtsteiners Platzverweis war der FCA mit dem 2:1 Rückstand noch bestens bedient.

Ohne den wiederum enttäuschenden Gregoritsch – für ihn kam Suchy – ging es für den FCA in die zweite Halbzeit. Gerade mal 52 Sekunden waren gespielt und schon stand es 2:2! Richter spielte nach Balleroberung einen langen Ball auf Niederlechner, der – wie auf der Gegenseite Osako im ersten Durchgang – alleine auf das Tor zulief und quer auf Vargas ablegte, der nur noch einzuschieben brauchte. Nach diesem Traumstart in die zweite Halbzeit legte der FCA jegliche Lethargie ab und hielt die Partie trotz Unterzahl bis zum Schlusspfiff offen.

Die Angst ist ein zweiter Schatten

Im weiteren Spielverlauf wurde offensichtlich, wie sehr sich beide Teams davor fürchteten, ihrem Fehlstart in diese Bundesligasaison ein weiteres Kapitel folgen zu lassen. Bei den Bremern zeigte sich dies vor allem in der zunehmenden Unkonzentriertheit beim Torabschluss. Trotz zahlreicher zum Teil hochkarätiger Chancen scheiterten sie ein ums andere Mal am eigenen Unvermögen oder an der Augsburger Defensive, die sich – trotz Unterzahl – jetzt deutlich stabiler als noch vor der Pause präsentierte. Auf der anderen Seite gingen die Augsburger mit viel mehr Biss in die Zweikämpfe und setzten auf ihr Konterspiel.

Bis zur 67. Minute konnte der FCA das Spiel ausgeglichen gestalten und sich mit Glück und Geschick des Bremer Überzahlspiels erwehren. Doch dann setzte Sahin seinen Teamkollegen Friedl über links in Szene, dessen weite Flanke auf den zweiten Pfosten von dem völlig frei stehenden Osaka per Volleyschuss zur Bremer 3:2 Führung verwertet wurde.

Auch die Einwechslung Finnbogasons (73. Min. für den Doppeltorschützen Vargas) konnte den FCA nicht von einer erneuten Auswärtsniederlage bewahren. Ein sehenswerter Kopfball des isländischen Torjägers (75. min.) sowie ein nicht weniger spektakulärer Pfostenschuss von Niederlechner blieben die einzige Ausbeute des heroisch kämpfenden FCA in der Schlussphase.

Nach diesem weiteren Rückschlag fällt der FCA auf den Relegationsplatz zurück. Martin Schmidt muss jetzt die Länderspielpause nutzen, um an den Schwachstellen zu feilen und dem Team Stabilität zu geben. Ohne diese dürfte es auch im nächsten Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht (Samstag, 14. September um 15.30 Uhr) nicht zum ersten Dreier reichen.

FCA: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Uduokhai, Max – R. Khedira, Baier – M. Richter, Gregoritsch, Vargas – Niederlechner

Einwechselungen:

46. Minute Suchy (für Gregoritsch)

73. Minute Finnbogason (für Vargas)

85. Minute Pedersen (für Max)

Tore: 1: 0 Osako (6.), 1: 1 Vargas (12.), 2: 1 Sargent (21.), 2: 2 Vargas (46.), 3: 2 Osako (67.).