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Montag, 06.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: „Mein Gott, Walther“

Kommentar von Siegfried Zagler

„Walther war nicht groß, war eher klein, trotzdem behauptete er, von den Kleinen einer der größten zu sein. (…) Wenn er mal was machte, machte er es meist verkehrt.“

So beginnt Mike Krügers Gassenhauer „Mein Gott, Walther“. Im Jahre 2013 dürfte Krügers erster großer Hit gute Chancen haben, zum inoffiziellen Vereinslied des FC Augsburg zu werden. Walther Seinsch, Präsident und  Alleinherrscher des Bundesligisten ist außer Rand und Band und sorgt mit seinen Personalentscheidungen weiterhin dafür, dass sich der FC Augsburg zur Lachnummer der Fußballbundesliga entwickelt. Drei Manager mussten innerhalb eines Jahres die Segel streichen. Ein erfolgreicher und erfahrener Manager (Andreas Rettig) wurde von einem Greenhorn (Manfred Paula) abgelöst. Paula war keine 100 Tage im Amt, als er gehen musste – ohne Begründung. Ihm folgte Jürgen Rollmann, der weder Erfahrung noch eine entsprechende Ausbildung vorzuweisen hatte. Ein erfahrener und erfolgreicher Trainer (Jos Luhukay) wurde von einem unerfahrenen Trainer abgelöst. Markus Weinzierls Zugangsvoraussetzung: Er hatte einen Drittligisten in die Zweite Liga geführt. Der FCA steht in längst dort, wo man nach einer Folge katastrophaler Fehlentscheidungen zielsicher landet: am Tabellenende.

Allein verantwortlich für diese Talfahrt ist Walther Seinsch. Eine Talfahrt, die sich nicht nur am Tabellenstand ablesen lässt. Inzwischen müssten es vom untertänigsten Fan bis zur ergebenen Schar der Augsburger Sportjournalisten alle begriffen haben: Die Medizin und die Krankheit des FCA tragen den gleichen Namen: Walther Seinsch. Der FC Augsburg ist der einzige deutsche Fußballclub im Profibereich, der sich eine autokratische „Führung“ leistet. Walther Seinsch hat viel Geld in den FCA gesteckt, ohne sein finanzielles Engagement gäbe es kein neues Stadion, wäre der FCA nicht in der Bundesliga. Unabhängig davon besteht der Systemfehler beim FCA darin, dass sich ein Bundesligist-Macher nicht zwangsläufig dafür eignet, einen Bundesligisten zu führen.

Beim FCA ist weder eine akzeptable Führungsstruktur noch ein zukunftsträchtiger Unterbau zu erkennen. Schlimmer als Seinschs unberechenbarer Aktionismus ist nur noch der Umstand, dass weder im Aufsichtsrat noch in der Geschäftsführung noch im erweiterten Umfeld des Vereins eine Person (oder ein Gruppe von Personen) auszumachen wäre, die in der Lage wäre, Seinsch zu ersetzen. Das ist das wahre Armutszeugnis des FCA, der nicht nur in Sachen Öffentlichkeitsarbeit drittklassig geblieben ist.