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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Ist das Management erstklassig?

Nachdem sich der Jubel um den Aufstieg in die erste Bundesliga ein wenig beruhigt hat, ist es an der Zeit, ein paar beunruhigende Fragen zu stellen. Fragen, die in erster Linie mit der Hoffnung verbunden sind, dass sich Augsburg in der Topografie des deutschen Bundesligafußballs ein interessantes Profil erarbeitet, wie das beispielsweise in Freiburg oder in Mainz geschehen ist.

Von Siegfried Zagler

Bundesliagreif ist aktuell nur das Augsburger Publikum

Bundesligareif ist aktuell nur das Augsburger Publikum


Walther Seinschs Millionen haben den FC Augsburger in einen Orbit geschossen, der sich nicht einfach halten lässt. Seinsch ist nicht mehr gewillt, jährlich Millionenbeträge zuzuschießen und nun muss sich zeigen, ob das FCA-Management tatsächlich in der Lage ist, ohne den reichen Geldgeber im Hintergrund, aus dem FCA einen Klub zu formen, der in der Landkarte der deutschen Fußballstädte nach kurzeitiger Blüte nicht vergilbt, wie das in etwa mit Homburg, Wattenscheid oder Mannheim geschehen ist. Kuriositäten wie Ulm oder diverse Berliner Klubs (Tasmania, Tennis, Blau-Weiß) sollte man in diesem Zusammenhang aus dem Spiel lassen, darüber ist der FCA weit hinaus. Dennoch geht bereits wenige Tage nach der großen Euphorie in Augsburg die Befürchtung um, dass der FCA möglicherweise als lustige Eskapade in die Bundesligageschichte eingehen könnte, was damit zu tun hat, dass das kundige Augsburger Publikum im Lauf der Saison erkannt hat, dass man mit der Aufstiegsmannschaft in der Ersten Liga keinen Blumentopf gewinnen wird. Im aktuellen Kader sind bestenfalls drei bis vier Spieler als solid-bundesligatauglich einzustufen. Ein bis zwei Perspektivspieler hat man in der Hinterhand (dazu gehört der soeben für zwei Jahre vom VfL Wolfsburg ausgeliehene 19jährige Jugendnationalspieler Akaki Gogia), zwei bis drei Spieler des aktuellen Kaders kann man sich bestenfalls als Ergänzungsspieler vorstellen. Das wars dann.

Das Management steht vor einer Herkulesaufgabe

Es mag herzlos sein: Die meisten Aufstiegshelden des FC Augsburg taugen nicht für den Fußballalltag in der Bundesliga. Die wenigen FCA-Kicker, die dort auf Augenhöhe mitspielen können, sind Defensivspieler und der Torhüter. Kreative und torgefährliche Mittelfeldspieler waren in der vergangenen Saison das große Manko (Ausnahme: Moritz Leitner, der zu Dortmund wechselt). Unzweifelhafte Erstligaqualität ist teuer, besonders begabte und torgefährliche Mittelfeldspieler sind für den FCA kaum bezahlbar. Das Management steht also vor einer Herkulesaufgabe. Andreas Rettich und Jos Luhukay ist es zuzutrauen, dass sie das ähnlich sehen und die Mannschaft intelligent verstärken werden. Ob das FCA-Management insgesamt die Klasse hat, die nötig sein wird, um den FC Augsburg auf Dauer im Orbit der Ersten Liga zu halten, ist allerdings schwer einzuschätzen. Möglich wäre es immerhin. Für die kommende Saison ist nur eine Angelegenheit risikofrei zu prognostizieren: Bundesligareif ist aktuell nur das Augsburger Publikum. Entgegen anderslautenden Einschätzungen besteht für die DAZ nicht der geringste Zweifel daran, dass die Augsburger Fankultur erstklassig ist. Der Ultra-Block in der Nordkurve hat solides Bundesligaformat und der sitzende Rest ist begeisterungsfähig wie fachkundig.