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Dienstag, 20.08.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

FCA in Nürnberg charakterlos

Der FCA hat in Nürnberg am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Nürnberg mit 0:3 verloren. In Halbzeit eins passten sich die Augsburger dem Niveau der Nürnberger nach unten an. In der zweiten Halbzeit kassierten sie ein vermeidbares Freistoßtor (Ishak/52. Min.) und brachten nach vorne kaum etwas Erwähnenswertes zustande. In der Schlussphase wurden sie zweimal ausgekontert: Matheus Pereira (88.) und Löwen (90.+1) erzielten diese beiden Treffer für den Club. Soviel zur Chronistenpflicht, der man kaum nachkommen möchte, da die Leistung des FC Augsburg einer Berichterstattung nicht würdig war.

 Kommentar von Siegfried Zagler

Kevin Danso gab den desorientierten Rechtsverteidiger und an dieser Stelle soll auch festgehalten sein, dass ihm als Innverteidiger ebenfalls Kopfballstärke, Stellungsspiel, Zweikampf-Solidität und Handlungsschnelligkeit fehlt. Philipp Max gleicht an manchen Tagen einem Traktor, der nur einen Gang hat. Wenn seine Flanken aus dem Halbfeld nicht ankommen, dann läuft auf der linken Seite des FCA nichts. Zu Jeffrey Gouweleeuw ist zu sagen, dass er nach seiner langen Verletzungspause in Nürnberg unter Form spielte, aber das gilt für fast die ganze Mannschaft. Also auch für Rani Khedira, der nach Hintereggers Abgang den Innenverteidiger gibt und somit als defensiver Sechser im wahrsten Sinne des Wortes hinten wie vorne fehlt.

Von Kreativspieler Ja-Cheol Koo kamen zu wenig Impulse, Andre Hahn wirkte hüftsteif und einfallslos. Alles zusammen gilt für Michael Gregoritsch, der sich immer mehr in eine „ewige Versprechung“ verwandelt. Auch Talent Marco Richter blieb mit seiner Leistung unter Bundesliganiveau, war aber mit seiner Performance noch eine Klasse besser als der Spieler, den er nach 45 Minuten ersetzte. Die Rede ist vom unglaublichen Finnbogason, der als real existierender Feldspieler nur vorkommt, wenn er irgendwie mit Direktabnahme ins Tor trifft. Dong-Won Ji, der über Wochen mit Bestform der bester Angreifer der Augsburger war, tauchte ebenfalls völlig ab. Noch ein Wort zum Torwart: Dass dem FCA ein sehr junger wie unerfahrener Keeper helfen muss, der in der Winterpause vom FCA verpflichtet wurde, weil die beiden Stammtorhüter kaum überzeugen konnten, ist ein besonders Kapitel im Augsburger Management-Versagen. Gregor Kobels Verpflichtung war in höchster Not zwar richtig, doch am Samstag patzte Kobel und sah beim Führungstor richtig schwach aus. Lediglich Daniel Baier zeigte mit Kampfkraft und Laufbereitschaft, wie man im Abstiegskampf Charakterfußball zeigt. Erstaunlich auch, dass die Leistung des Kapitän nicht auf die Mannschaft abfärbte.

Alles zu sarkastisch und zu dekonstruktiv? Nein, denn es kommt noch schlimmer: Der Auftritt der Augsburger in Nürnberg war eine Zumutung für die 4000 mitgereisten Fans, eine Unerträglichkeit für alle FCA-Fans und eine Schande für die Stadt und die gesamte Region. Schließlich hatte der Club 20 Spiele in Folge nicht gewonnen und ziert mit Abstand zurecht das Tabellenende, wie am Samstag wunderbar zu sehen war. Der Club hatte nämlich keinen starken Tag erwischt, sondern spielte umständlich im Mittelfeld herum ohne zwingende Aktionen nach vorne, stand hinten nicht sicher und kam zu seinem Führungstor wie die Jungfrau zum Kind.

Doch bleiben wir beim FCA: Nicht die schwachen Einzelleistungen sind das Problem, sondern die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit. Dass Spieler schlecht spielen, hat meistens damit zu tun, dass sie nicht tun, was zu tun ist. Hat damit zu tun, dass sie zu weit von Mann und Ball entfernt sind, nicht in die Zweikämpfe kommen – und schlecht aussehen, weil sie überlaufen werden und langsam und unmotiviert wirken. Wenn in Nürnberg die vorderen Spieler den ballführenden Gegner anliefen, wurden von der Mittelfeldreihe die Passwege nicht zugedeckt oder erschwert. In Ballbesitz-Situationen bewegte sich das Augsburger Mittelfeld nicht in die Breite, gab es kein Rollieren, keine Optionen auf einen Präzisionspass. Kein Mannschaftsteil unterstützte den anderen, agierte voraussehend und handlungsorientiert. So baut man einen Gegner auf, so steigt man ab. Gegen Freiburg und Nürnberg acht (!) Tore kassieren, gegen Dortmund und Leipzig wie zuletzt nur eins, dies lässt tief blicken. Der FCA hat kein Eigenleben, kein eigenes Ich, sondern lässt sich vom Leistungsniveau des Gegners leiten. Freiburg und Nürnberg hatten einen stärkeren Willen zum Sieg. Das darf nicht sein. Das ist die Schande.

Für das morgige Pokalspiel gegen Leipzig darf man vermutlich einen anderen FCA erwarten. Leipzig ist zwar in Form, doch der Top-Klub mit dem Redbull-Image führte den FCA bisher in Heimspielen zu Höchstleistungen. Ein Kampfspiel mit einem  FCA-Halbfinaleinzug am Ende würde die Nürnberger Schmerzen unter den bitter enttäuschten FCA-Fans jedenfalls etwas lindern.



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