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Freitag, 23.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Hut ab!

Der FC Augsburg und der FC Freiburg haben am 26. Spieltag in der der Ersten Fußballbundesliga das Mittelfeld abgeschafft. Der Lauf der Kleinen hat die Angst vor dem Fall in die Zweite Liga bis auf Platz 10 getragen und dafür gesorgt, dass von von nun an die halbe Liga sorgenvoll nach unten blicken muss.

Von Siegfried Zagler

In Freiburg hat ein Trainerwechsel für den Umschwung gesorgt, in Augsburg das Erkenntnisvermögen des Cheftrainers Jos Luhukay, der sehr lange nicht einsehen wollte, dass

1. Lorenzo Davids nicht erstligatauglich ist,

2. Baier rechts außen nur die Hälfte Wert ist,

3. Gibril Sankoh einer der besten Innenverteidiger der Liga ist.

Das Erkenntnisvermögen eines Trainers: Jos Luhukay - Foto: Thorsten Franzisi

Das Erkenntnisvermögen eines Trainers: Jos Luhukay (Foto: sport-in-augsburg.de)


Doch es ist nicht nur das Einsehen Jos Luhukays, das den neuen wunderbaren FCA ermöglichte. Mit Koo, Moravek und Ostrzolek haben sich die Augsburger in der Winterpause genau dort verstärkt, wo es schmerzlich an Qualität mangelte (erstklassige Sturmspitzen waren und sind auf dem Transfermarkt für den FCA nicht bezahlbar). Weiterhin sind für die Erfolgsspur des FCA ins Feld zu führen, dass sich beinahe alle Spieler in ihrem Leistungsvermögen dergestalt gesteigert haben, dass man geneigt ist, von einem Wunder zu sprechen: Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Daniel Baier, Sebastian Langkamp,  Hajime Hosogai, Axel Bellinghausen und auch Torsten Oehrl befinden sich in der Form ihres Lebens. Die Leistungen von Hosogai waren zuletzt beinahe beängstigend gut. Davor sollte man den Hut ziehen. Dass Simon Jentzsch ein guter Keeper ist, der in der Ersten Liga bestehen kann, war keine Frage. Dass Jentzsch nun aber im reifen Torwart-Alter plötzlich Raumgefühl entwickelt und Flanken aus der Luft fischt wie einst Sepp Maier, konnte niemand ahnen. Im Spiel gegen Mainz konnte man beinahe vergessen, dass Jentzsch große Probleme mit Abschlägen und der schnellen Spieleröffnung hatte und die Feldspieler sich sehr oft beschämend einfallslos bei Standard-Situationen anstellten.

Die Situation bleibt weiterhin unberechenbar und gefährlich

Tabelle nach Runde 26

Tabelle nach Runde 26


Die Entwicklung von Trainer und Spieler, die geistige Frische auf dem Feld, gepaart mit Leidenschaft und Willen sowie die bisher abwesende (und möglicherweise durch Neuzugang Koo entstandene) Fähigkeit, das Spiel zu gestalten, haben den FCA vom trostlosen Abstiegskandidaten in eine bundesligataugliche und mit der halben Liga auf Augenhöhe agierende Mannschaft verwandelt. Hinzu kommt, dass der zwölfte Mann des FCA von Beginn an in Hochform mitspielt: Die Fans sind schon lange in der Ersten Liga angekommen. Die Augsburger Fußballarena ist bezüglich der akustischen Atmosphäre in Deutschland Spitze. Nur eins sollte man noch vorsichtshalber hinzufügen: Der Abstieg des FCA ist immer noch so wahrscheinlich wie zum Beispiel der Abstieg von Freiburg oder Hertha BSC, Köln oder Hamburg. Die Situation hat sich für den FCA zwar dramatisch verbessert, bleibt aber weiterhin unberechenbar und gefährlich.