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Freitag, 21.02.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

FCA: Hinter dem Böllenfalltor kommt der Abgrund

Der FC Augsburg gastiert am heutigen Samstag (15.30 Uhr) in Darmstadt. Sollte der FCA beim Tabellenletzten verlieren, stehen die Augsburger wieder bis zur Hüfte im Abstiegskampf.

Von Siegfried Zagler

Die Ausgangssituation ist schnell beschrieben: Am Tabellenende haben alle Mannschaften zugelegt und ihren Modus im Abstiegskampf gefunden, während die Augsburger nach zwei Niederlagen in Folge offenlegten, dass sie auf der Stelle treten und der Trainerwechsel nach dem 14. Spieltag nicht viel Gutes bewirkt hat.

Man kann den Augsburgern attestieren, dass sie unter Manuel Baum stets bemüht sind, ihre Angriffssituation zu Ende zu spielen. Daraus entstehen aus dem Spiel heraus mehr Torchancen, die zwar zu selten genutzt werden, aber immerhin ist diesbezüglich ein Fortschritt zu erkennen.

Allerdings: Der Abstieg ist mit anderen Mitteln zu bekämpfen. War unter Dirk Schuster in den ersten 14 Spielen die Augsburger Abwehr eine sichere Bank, ist sie unter Manuel Baum zu einem Sorgenkind geworden: Sieben Gegentore in drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Viel zu oft werden in Ballbesitz leichte Bälle verloren und allzu oft ist dabei Augsburgs Linksverteidiger Max verstrickt, der zur festen Stammformation gehört. Paul Verhaegh, seines Zeichens Rechtsverteidiger, befindet sich seit vielen Spielen in einem “Fehlervermeidungsmodus”. Nach vorne gehen vom FCA-Kapitän kaum noch Impulse aus und gegen den Ball ist sein Spiel ebenfalls zu zögerlich geworden. Daniel Baier, lange Zeit ein unverzichtbarer “Supersechser”, befindet sich in einer Formkrise und ist derzeit mehr Belastung denn Verstärkung. Spielt Gouweleeuw nicht, wirkt der grundsolide auftretende Martin Hinteregger im Abwehrzentrum zuweilen überlastet, da Janker die Handlungsgeschwindigkeit fehlt, die Gouweleeuw auszeichnet.

Moraveks Verletzungsanfälligkeit ist in Augsburg sprichwörtlich geworden und Usami, der links außen für offensive Spielkultur sorgen sollte, ist nicht konstant und mit geringer Durchsetzungsfähigkeit geschlagen. Mit Caiuby und Finnbogason sind zwei als Stammspieler vorgesehene Offensivspieler langzeitverletzt und der zuletzt formstarke Bobadilla ist immer noch verrückt genug, um sich in unnötige Zweikämpfe zu begeben, die nichts außer Verletzungsgefahr bringen.

Augsburgs Winterzugang fehlt bisher der Nachweis, dass er der Bundesligahärte gewachsen ist. Moritz Leitner ist wohl eher eine Option für die Zukunft als eine konkrete Hilfe im Abstiegskampf.

Trotz der aufgezählten Baustellen muss festgehalten werden, dass der Augsburger Kader stark genug sein sollte, um einen direkten Abstiegsplatz vermeiden zu können. Auf mehr darf man nicht hoffen: Bremen (22 Punkte) kommt auf, Hamburg (20) wird von Spiel zu stärker und Wolfsburg (22) kommt sicher auch noch in Tritt. Außerdem ist in dieser Saison nicht damit zu rechnen, dass ein Klub, der aktuell vor dem FCA (24 Punkte, Platz 13) in der Tabelle steht, die Kontrolle verliert und sich selbst erschießt, wie das bei den Stuttgartern in der vergangenen Saison der Fall der war: Am 21. Spieltag stand der VfB damals mit 27 Punkten im Mittelfeld. Nach dem 34. Spieltag stiegen die Schwaben mit 33 Punkten ab.

Sollte der FCA also heute gegen 17.18 Uhr das Darmstädter Böllenfalltor als Verlierer verlassen, ginge in Augsburg nach drei Niederlagen in Folge das Wort “Krise” um. Schließlich ist nicht damit zu rechnen, dass man das nachfolgende Heimspiel gegen den bärenstarken Tabellenzweiten Leipzig gewinnt. Am 24. Spieltag müssen die Augsburger auf Schalke die Klingen kreuzen. Gut möglich, dass der FCA nach diesem Spieltag bereits am Abgrund steht, würde er heute bei den Darmstädter Lilien verlieren.

In Darmstadt zählt für den FCA also nur ein Sieg. Dass das gegen die Lilien machbar ist, muss an dieser Stelle nicht erklärt werden.