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Mittwoch, 04.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Heute stirbt Dortmunds Serie

Am heutigen Samstag (18.30 Uhr) empfängt der FC Augsburg am 25. Spieltag der Fußballbundesliga den amtierenden Deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer Borussia Dortmund. Die Dortmunder sind in der Liga seit 18 Spielen unbesiegt und haben dabei die letzten acht Spiele in Folge gewonnen; das ist BVB-Vereinsrekord.

Von Siegfried Zagler



Es gibt viele Dinge, die den Fußballsport einzigartig machen, unglaubliche Fehlleistungen zum Beispiel. Die überzeugendste Fehlleistung in Sachen DFB-Auswahl haben die beiden „Fußballstrategen“ Jürgen Klinsmann und Jogi Löw zu verantworten. Für die WM 2006 nominierte das schwäbische Trainer-Duo einen gewissen David Odonkor in den 22er Kader. Der 22jährige Odonkor hatte damals kein Länderspiel vorzuweisen und spielte bei Borussia Dortmund auf der Außenbahn. Odonkors herausragende Fähigkeit: Er war schneller als der Ball. Und zwar deshalb, wie auf Schalke gespottet wurde, weil „Warmduscher“ Odonkor nach jedem Training ein zusätzliches Sprit-Training Richtung Dusche absolvierte, da das warme Wasser bei der Borussia damals limitiert war. 2005 war Dortmund der Pleite wesentlich näher als heute der FC Augsburg dem Abstieg. Odonkor spielt nach einem langen und hochbezahlten Auslandsaufenthalt heute bei Alemannia Aachen in den Niederungen der Zweiten Liga. Also wieder in schwarz-gelben Trikots und wieder bei einem schwer angeschlagenen Klub.

Dortmunds Abwehr ist fehleranfällig

Borussia Dortmund hat aus der Not am Ende der Ära Niebaum eine Tugend entwickelt, und ist dabei nicht nur auf die Goldader der eigenen Jugendarbeit gestoßen, sondern hat auch mit Jürgen Klopp einen Trainer verpflichtet, der es versteht, die Ungeduld der Begabten mit Beharrlichkeit in Teamspirit zu verwandeln. Barca am Borsigplatz: Schnelle Pässe und rasende Tempoaufnahmen aus dem Mittelfeld heraus, große Laufbereitschaft und Lewandowski sind die Schlagwörter einer Offensivkraft, die auch ohne ihren Genius Mario Götze die Fachwelt erstaunt. Lewandowski, der bei der 0:4 Hinspiel-Niederlage der Augsburger drei Tore schoss und der einzige Knipser in einer hochkarätigen Chancenkiller-Truppe ist, ist in Augsburg mit von der Partie, während Lucas Barrios wegen Grippe fehlt. Die Dortmunder sind im Spiel nach vorne eine Augenweide und derzeit in Deutschland auf der Erfolgspur. Das klägliche Dortmunder Ausscheiden in der Champions League deckte immerhin einige Schwächen auf. Die junge Abwehr ist fehleranfällig, wenn man sie unaufhörlich mit Pressing unter Druck setzt, weshalb Sascha Mölders gesetzt sein sollte. Bekämpft man Tempoaufnahme und Spielentfaltung mit gedankenschneller Unterbindungsarbeit leiden die Giganten daran, dass sie gewöhnliche Menschen sind (nicht nur in Dortmund).

Brinkmann wäre ein Zeichen des Mutes

Der FCA  ist zu Hause seit fünf Spielen ungeschlagen und unter Flutlicht meist stark, während die Dortmunder in Abendspielen nicht immer überzeugen konnten. Wenn es dem FCA gelingen sollte, stets nah am Ball und dicht bei den Gegenspielern zu stehen, also die Spieleröffnung der Dortmunder zu bekämpfen, ist ein Sieg denkbar. Wer für Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Wadenverletzung) neben Hosogai die andere Sechs gibt, ist völlig offen. Daniel Brinkmann wäre ein Zeichen des Mutes, Andrew Sinkala ein Zeichen des Respektes und der Hilflosigkeit. Nur eins sollte dem fachkundigen Augsburger Publikum erspart bleiben: ein weiterer Auftritt von Lorenzo Davids. Der FCA ist an einem guten Tag in der Lage, jeden Gegner in der Bundesliga zu schlagen. Das muss brennen. Heute Abend ist die großartigste Theater-Spielstätte der Stadt ausverkauft. Nicht Hamlet, sondern die Serie von Borussia Dortmund soll sterben.