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Samstag, 25.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA gegen Frankfurt: Sky du Mont vs. launische Diva

Wer wissen will, auf welche Weise am heutigen Sonntag (17.30 Uhr) in der 13. Runde der Fußballbundesliga der FC Augsburg und Eintracht Frankfurt die Klingen kreuzen werden, muss nur einen genaueren Blick auf die Tabelle werfen.

Von Siegfried Zagler

Die Stärken beider Mannschaften liegen in der Defensive. Eintracht Frankfurt hat in 12 Spielen nur 10 Gegentore kassiert, besser ist in dieser Hinsicht nur der FC Bayern (13 Spiele; 9 Gegentore). Mit nur 14 Gegentoren, die die Augsburger hinnehmen mussten, rangiert man normalerweise nicht im hinteren Mittelfeld (Platz 12/13 Punkte) der Tabelle, sondern im oberen Drittel, wie zum Beispiel die TSG Hoffenheim, die mit 14 Gegentoren aktuell Platz vier belegt. Das Manko der Augsburger liegt im Angriff. Gerade mal 10 Tore erzielten die Augsburger in 12 Spielen; schlechter ist nur der HSV, der mit 4 Punkten und 8 erzielten Toren abgeschlagen am Tabellenende steht.

Der Erfolg der Frankfurter hat einen Namen: Niko Kovac

Wer aber wissen will, wie sich der unaufhaltsame Aufstieg der Frankfurter Eintracht erklären lässt, kommt um den Namen Niko Kovac nicht herum. SGE-Trainer Kovac hat die Frankfurter von einem desolaten Abstiegskandidaten, der in der Vorsaison nur über die Relegation den Gang in die Zweite Liga abwenden konnte, zu einem Spitzen-Team geformt, das in der aktuellen Saison sorgenfrei Richtung Europa schielt. Die Erfolgsparameter der Frankfurter lassen sich – wie stets, wenn eine Mannschaft des Mittelmaßes im oberen Orbit der Tabelle kreist – mit den Urtugenden des Fußballs darstellen: Disziplin, einer kollektiven Geschlossenheit und Kampfgeist. Und dies ausgerechnet bei einem Verein, der in seiner Vergangenheit als launische Diva gehandelt wurde.

Wo bleibt Moravek?

Rührt gern Beton an: FCA-Trainer Dirk Schuster: (Foto: B. Weichlein))

Rührt gern Beton an: FCA-Trainer Dirk Schuster (Foto: B. Weichlein)


Im Grunde unterscheiden sich die Hessen also nur in einem Punkt von den bayerischen Schwaben. Auch die Eintracht hat Probleme in der Spielgestaltung, weshalb die Frankfurter auf Konter setzen und diese auch meist mit Qualität zu Ende spielen. Letzteres geht dem FCA leider  völlig ab, da den Brechtstädtern vorne die Qualität in der Pass- und Torschusspräzision fehlt, und es darüber hinaus in der Tempoaufnahme mit dem Ball mangelt. Das mag mit den vielen Ausfällen im Sturm zu tun haben (Bobadilla, Finnbogason, Caiuby), lässt sich aber auch von der Mentalität des Augsburger Trainers Dirk Schuster herleiten. Schuster rührt Beton an und setzt gerne auf das rustikale Moment. Niemand kann in Augsburg und der Region verstehen, warum Schuster nicht auf Jan Moravek baut, da der technisch versierte Moravek viele Krankheiten des FCA heilen könnte. Ein gesunder Moravek ist im Zuspiel präzise, entwickelt im Spiel nach vorne nicht selten Raffinesse und besitzt in der Rückwärtsbewegung Übersicht im Zustellen und erstaunliche Aggressivität im Pressing.

Keine Mannschaft spielt nach vorne schlechter als der FCA

Der FCA hat zwar in den letzten drei Spielen kein Gegentor bekommen, aber im Angriff wie gewohnt enttäuscht. Die kämpferische Einstellung mag stimmen, die Mannschaft funktioniert im Verbund, aber der Sinn und die Kunst des Fußballs bestehen darin, den Ball im gegnerischen Tor zu versenken. Keine Mannschaft der Bundesliga spielt derzeit einen schlechteren Angriffsfußball als der FCA.

Spott aus Frankfurt: “Graumäusigkeit des FCA”

So lästerte im Vorfeld der heutigen Partie die Frankfurter Neue Presse: „Wenn diese Mannschaft ein Promi wäre, dann: Sky du Mont. Zum einen illustriert dessen Haarfarbe ganz fantastisch die Graumäusigkeit des FCA. Zum anderen schaltet man bei Filmen mit Sky du Mont ähnlich reflexhaft weg wie bei Spielen der notorischen 0:0-Ergebnismaurer des FC Augsburg. Darauf einen edlen Tropfen.“

Den „edlen Tropfen” werden die Hessen sehr wahrscheinlich zur Senkung ihres Frustspiegels benötigen. Die Frankfurter liegen den Augsburgern: Der FC Augsburg ist gegen Eintracht Frankfurt seit sieben Bundesligaspielen ungeschlagen (drei Siege, vier Unentschieden). Der FCA hat im Kalenderjahr 2016 zwar nur zwei von 14 Heimspielen gewonnen, davon ein Heimspiel in dieser Saison (Darmstadt), doch gegen Frankfurt könnte sich diese katastrophale Heimbilanz zum Besseren wenden. Es wird kalt sein, heute Abend in der WWK Arena – und es könnte ein grausames Spiel der Abwehrreihen werden. Grausamer Fußball: In dieser Kategorie ist der FCA den Frankfurtern haushoch überlegen.