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Dienstag, 07.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA empfängt mit Hertha eine alte Dame in der Findungsphase

Am morgigen Sonntag (15.30) gastiert Hertha BSC Berlin in der Augsburger SGL Arena. Es handelt sich um den 6. Spieltag der Fußballbundesliga. 1.800 Tickets in allen Kategorien (Heimbereich) sind noch nicht verkauft. Zirka 2.000 Hertha-Fans werden die Berliner unterstützen. Die Tageskassen werden am Sonntag ab 13 Uhr geöffnet.

Von Siegfried Zagler

Die Trainer der beiden Mannschaften wissen noch nicht so richtig, wie sie die Leistungsstärke ihrer Teams einzuschätzen haben. Herthas Trainer Jos Luhukay stand nach dem 4. Spieltag mit 2 Punkten aus zwei  Unentschieden bereits mächtig unter Druck. Die Berliner, die sich nach den Abgängen von Adrian Ramos (BVB) und Pierre-Michel Lasogga (HSV) für zirka 14 Millionen Euro mit  neuen Spielern eingedeckt haben, erkämpften sich mit „viel Herz“ ( Jos Luhukay) in der englischen Woche zu Hause gegen den VfL Wolfsburg ihren ersten Sieg. In dieser Partie hätte seine Mannschaft erstmalig das umgesetzt und gezeigt, was er von ihr erwarte, so Hertha-Trainer Luhukay, den ähnliche Probleme plagen wie FCA-Trainer Markus Weinzierl: Man weiß nicht so recht, was man von sich selbst halten soll. Mit Julian Schieber und  Salomon Armand Kalou  hat sich Hertha, wenn man die beiden Neuen mit den beiden Abgängen vergleicht, im Sturm eher verschlechtert, dafür ist man heute in Berlin in der Breite besser aufgestellt. Doch auch wie beim FCA fehlen den Hertha-Neuzugängen noch die körperlichen Voraussetzungen, um in der Bundesliga bestehen zu können. Valentin Stocker, der vom FC Basel gekommen war, musste diese Einschätzung des Trainers explizit über ihn in der Zeitung lesen.

Nach seinem desaströsen Spiel gegen Freiburg verbannte Luhukay John Anthony Brooks in die U-23 und erklärte diese Maßnahme mit drastischen Worten. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Sachverhalt, dass Luhukay beim Spiel gegen Freiburg im Vergleich zur verlorenen Partie in Mainz vier Spieler austauschte. Nach dem hart umkämpften Hertha-Heimsieg (1:0) gegen  Wolfsburg will der Berliner Trainer nun die gleiche Mannschaft in Augsburg auflaufen lassen. Indizien, die dafür sprechen, dass man sich in Berlin noch finden muss.

Es wäre nicht ganz richtig, aber auch nicht falsch, wenn man den Augsburgern ähnliche Probleme attestieren wollte. Mit den beiden Innenverteidigern Klavan und Callsen-Bracker sowie dem defensiven Mittelfeldmann und Spielmacher Baier und Altintop hinter den Spitzen haben die Augsburger eine Mittelachse mit hoher Bundesligatauglichkeit. Schwachpunkt ist die Mittelstürmer-Position sowie das Flügelspiel. Letzteres war die Trumpfkarte der Brechtstädter in der Vorsaison, in der sie den 8. Platz belegten und bis zum letzten Spieltag um einen Qualifikationsplatz für die Europa-League spielten.

Die Augsburger mussten nach dieser erfolgreichen Saison einen hohen sportlichen Tribut bezahlen: Ihre Shootingstars wurden von zahlungskräftigeren Klubs aus der Mannschaft heraus gerissen. Mit Andre Hahn, Kevin Vogt und Matthias Ostrzolek verließen erstmalig drei Spieler den FCA, die unter Vertrag standen und gute Ablöseerträge erzielten. Von zirka 7 Millionen Euro insgesamt war die Rede. Das Geld wurde stehenden Fußes in sechs Neuzugänge investiert, von denen bisher keiner zu überzeugen wusste. Caiuby, Tim Matavz, Shawn Parker und Nikola Djurdjic gehören nicht zur Stammelf. Markus Feulner ist verletzt. Von Fürth stieß sehr spät im Sommer Abdul Rahman Baba zu den Augsburgern. Baba zeigte bisher in der Abwehrarbeit gute Ansätze, brachte aber als Linksverteidiger zu wenig Raffinesse und Dynamik nach vorne. Alexander Esswein, der bereits in der Vorsaison, als sich der Club noch im Mittelfeld wähnte, verpflichtet wurde, wird in Augsburg als „ewige Versprechung“ gehandelt.

Berlin konnte in der Bundesliga bisher noch nie gegen den FCA gewinnen. In der Gesamtbilanz stehen drei Unentschieden und ein Sieg für den FCA zu Buche. Die beiden Begegnungen in der Vorsaison endeten jeweils torlos. Es handelte sich um kampfumtobte Spiele ohne fußballerische Höhepunkte, was aber in erster Linie an der Hertha lag, der Luhukay eine mannorientierte Deckungsarbeit verschrieben hatte. Studiert man die Partie gegen den VfL Wolfsburg, darf man davon ausgehen, dass die Berliner in Augsburg Beton anrühren werden. Das sind die klassischen Reaktionen Luhukays, wenn sich seine Mannschaften in einer Krise befinden. Gegen Wolfsburg machte der Holländer die Schotten dicht und war so angetan von der Defensivleistung seiner Mannschaft, dass er sich darauf festlegte, dass er mit der gleichen Aufstellung in Augsburg beginnen will.

Man darf sich also auf ein Bundesligaspiel einstellen, dessen Unterhaltungswert nicht über das Spiel, sondern über das Ergebnis zu definieren ist. Mit Jos Luhukay, Marcel Ndeng, Hajime Hosogai, Jens Hegeler sowie Sebastian Langkamp (verletzt) können die Augsburger am Sonntag bei den Berlinern fünf ehemalige FCA-Akteure begrüßen, deren Bundesligakarriere in Augsburg begann.