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Montag, 20.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Die neuen Leiden des jungen W.

Hand auf’s Herz – wer hätte zu Saisonbeginn gedacht, dass der FCA nach dem 3. Spieltag einen Punkt mehr als Favres vielgepriesene Borussia aus Mönchengladbach auf dem Konto haben würde!

Von Udo Legner

Noch vor Markus Weinzierl war Lucien Favre von den Fußballexperten zum besten Bundesligatrainer Saison gekürt worden. Den Fohlen aus Gladbach prophezeite man eine glänzende Zukunft. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und so ist nach der dritten Niederlage in Folge bei der Borussia der Katzenjammer nicht weniger groß als bei der Weinzierl Truppe, die in den drei ersten Partien gerademal ein lausiges Pünktchen gehamstert hat – noch dazu gegen Teams (Berlin, Frankfurt und Ingolstadt), gegen die der FCA nach seinem fantastischen fünften Platz in der Vorsaison als klarer Favorit ins Spiel gegangen ist.

Kein Wunder also, dass die Euphorie, die das fulminante Saisonfinale bei den FCA Anhängern ausgelöst hatte und die durch den Baba Transfer Coup nach Chelsea und die Aufregung bei Auslosung der Augsburger Europa Liga Gruppe noch zweimal aufgeflammt war, schnell der Ernüchterung gewichen ist. Vorläufiger Tiefpunkt dieser Abwärtsspirale: Der desolate Auftritt des Weinzierl Teams im Derby gegen die Aufsteiger aus Ingolstadt wurde vom Publikum mit Pfiffen quittiert.

Ob bei Markus Weinzierl inzwischen die Alarmsirenen schrillen?

Inzwischen rauscht es jedenfalls im Blätterwald und es gibt nicht wenige Kritiker, die kein gutes Haar an den jüngsten Entscheidungen des bisherigen Traumduos Winzierl/Reuter lassen. Im Fokus der Kritik: Das überalterte Ü-30 Mittelfeldzentrum mit Werner, Baier, Altintop und Feulner, die eher konservativ-romantische Transfer-Politik (mit Dominik Kohr und Ja-Cheol Koo kehrten altbekannte Gesichter zurück) und – paradoxerweise – die nicht Nicht-Verpflichtung von Oldie Claudio Pizarro sowie die Nicht-Nominierung von Altstar Sascha Mölders für den ersten Europa Liga Auftritt des FCA in Bilbao.

Wahrscheinlich baut Weinzierl darauf, dass die Mannschaft bald wieder zu Geschlossenheit und Spielwitz zurückfindet – und dass sich dann  – wie so oft in der vorhergehenden Saison – das Quäntchen Glück dazugesellt, das dem FCA in den ersten drei Saisonspielen gefehlt hat. – Auf jeden Fall ist Markus Weinzierl Realist geblieben, der weiß, wie kurzlebig Erfolge sind und welche Begehrlichkeiten sie hervorrufen: „Wir wissen, dass Augsburg ein kleiner Verein ist, der in den letzten Jahren über seinen Verhältnissen gespielt hat. Wir sind Fünfter geworden. Die guten Taten holen dann einen ein und die Erwartungen steigen.”

Wohin die Reise des FCA in dieser Saison geht, ist nach dem erneuten Fehlstart noch nicht zu beantworten. So bleibt abzuwarten, ob sich die Verpflichtungen von Konstantinos Stafylidis, Philipp Max, Daniel Opare und Pjotr Trochowski als die erhofften Verstärkungen erweisen und ob ein Jan Moravek (inzwischen wieder im Mannschaftstraining) zurückkommt und das Kreativspiel bereichern kann. Vielleicht laufen Ji und Koo bald wieder zu früherer Form auf, spielen Jo-Jo mit den gegnerischen Abwehrreihen und beenden so die Torflaute. Angesichts der bevorstehenden Aufgaben gegen Bayern München und in Bilbao bleibt freilich nur das Prinzip Hoffnung. Derbys – das Spiel gegen die Schanzer hat es gezeigt – haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze. Vielleicht findet der FCA gerade gegen die Bayern in die Erfolgsspur zurück und überrascht uns bei seinem ersten Auftritt in der Europaliga mit einem Auswärtserfolg. Für diesen Fall wäre die passende Zeile in Brechts Bilbao Song zu finden: „Das Ballhaus in Bilbao, war das schönste auf dem ganzen Kontinent.“