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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA: Boba erledigt Bayern in Madjer-Manier

Am 32. Spieltag der Fußballbundesliga gewann der FCA sein zweites Auswärtsspiel der Rückrunde gegen den FC Bayern in der mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Allianz Arena mit 1:0 und konnte somit die Konkurrenz im Schneckenrennen um die Europa-League-Qualifikation auf Distanz halten. Das Tor des Tages erzielte Raúl Bobadilla in klassischer Madjer-Manier nach schöner Vorarbeit von Pierre-Emile Höjbjerg (71.).

Von Siegfried Zagler



Vorab ist festzustellen, dass der FC Bayern nicht mit einer B-Mannschaft antrat, sondern  mit einer Mannschaft, die derzeit zur fast-besten Formation gehört, die der Rekordmeister aufbieten kann. Lediglich Benatia und Neuer wurden geschont. Bei Xavi Alonso und Rafinha durfte man nicht davon ausgehen, dass ihre Nichtnominierung für die Startelf eine Schwächung bedeutete. Im Vergleich zum Köln-Spiel musste beim FCA lediglich Tobias Werner, dem während der Woche  Rückenprobleme zu schaffen machten, auf der Bank Platz nehmen. Die Augsburger setzten von Beginn an um, was FCA-Trainer Markus Weizierl als Marschrichtung angekündigt hatte. Sie versteckten sich nicht, igelten sich nicht ein, störten früh und spielten mutig nach vorne. Schade nur, dass die Brechtstädter mit Esswein und Altintop zwei Spieler in der Startformation hatten, die kaum in der Lage waren, dem schnellen Spiel zu folgen. Dennoch hatte der FCA mehr vom Spiel als die Münchner, die nach der Niederlage in Barcelona in der Partie gegen den FCA kaum ein Bein auf den Boden brachten. In der 13. Minute ersprintete sich Bobadilla einen weiten Ball von FCA-Torhüter Hitz und wurde vom Bayern-Keeper Reina im Strafraum zu Fall gebracht. Konsequenz: Rot für Reina, Elfmeter für den FCA. Für Reina kam Neuer ins Tor. Philipp Lahm musste als Feldspieler weichen. Den Strafstoß hämmerte Paul Verhaegh an den Außenpfosten.

Bis auf einen Flachschuss des erneut kaum in Erscheinung tretenden Mario Götze (9.), der am langen Eck den Außenpfosten touchierte und einer Großchance von Lewandowski, der von Boateng mit einem Pass durch die zu weite Schnittstelle der FCA-Abwehr perfekt freigespielt wurde (44.), aber freistehend den Ball zu hoch ansetzte, ging von den Münchnern kaum Gefahr aus. Der FCA war die bessere Mannschaft und brachte die verunsicherte Bayern-Hintermannschaft mit starker Laufarbeit immer wieder in Verlegenheit. In der 21. Minute konnte Bobadilla freistehend mit zu starker Rücklage nicht mehr die Drehung zu einer Volleyabnahme vollziehen. In der 29. Minute verweigert der Unparteiische dem FCA den zweiten Strafstoß. Bobadilla wurde von Dante im Bayern-Strafraum zu Boden gerungen. Bayern im Glück. In der 34. Minute versagten Altintop die Nerven: Er säbelte freistehend in bester Position über einen einfachen Ball und vergab somit eine sogenannte 100prozentige Torchance. Bayern wieder im Glück. Bereits in der 31. Minute wurde Esswein für seine indiskutable Leistung bestraft und von Tobias Werner ersetzt. Nicht weniger wirkungsvoll war die Auswechslung Altintops, der nach 45 Minuten Höjbjerg weichen musste.

Fazit zur Halbzeit: Gegen desolate und dezimierte Münchner stellte sich der FCA im Angriff ziemlich ungeschickt an. Ein verschossener Elfmeter ist keine Schande. Eine Führung mit zwei bis drei Toren Unterschied wäre mehr als angemessen gewesen. Die Münchner Innenverteidigung zeigte sich bestenfalls auf Zweitliga-Niveau. Nicht viel besser die löchrige FCA-Defensive auf der linken Seite: Altintop, Baba und vor allem Esswein verteidigten zu schwach, ohne dass die Augsburger für die vielen Nachlässigkeiten von einem verunsichert zu Werke gehenden FC Bayern bestraft wurden.

Tabelle nach dem 32. Spieltag

Tabelle nach dem 32. Spieltag


In Halbzeit zwei spielten die Münchner trotz einem Mann weniger auf Augenhöhe mit und hätten die Partie früh zu ihren Gunsten vorentscheiden können, wäre Hitz gegen Lewandowski nicht zwei Mal sehr gedankenschnell gewesen. Die Münchner traten nun geschlossener und zielorientierter auf. Der FCA hielt dagegen und es entwickelte sich ein tolles Kampfspiel mit Chancen auf beiden Seiten. In der 59. Minute verwehrte der ansonsten ausgezeichnete Schiedsrichter Stegemann den Augsburgern einen Kopfball-Treffer von Hong, weil Manuel Neuer angeblich von Tobias Werner behindert worden sein soll. In der 71. Minute gelingt dem überragenden Bobadilla nach einem feinen Zuspiel von Höjbjerg mit einem Hackentrick a la Madjer die verdiente 1:0 Führung. In der Folge gelingt es den kämpferisch starken Augsburgern die Münchner halbwegs von ihrem Tor fernzuhalten. Markus Weinzierl muss man attestieren, dass er als Trainer inzwischen soweit gereift ist, dass er eine Fehlaufstellung mittels schneller Korrektur als solche auch erkenntlich macht.  “Glückwunsch an Markus und den FC Augsburg. Es war schwer so lange in Unterzahl zu spielen gegen diese konterstarke Augsburger Mannschaft. Meine Spieler waren nicht im Urlaub, haben alles versucht, aber es hat in diesem Spiel nicht gereicht”, so Bayerns Trainer Pep Guardiola. Nach zuletzt katastrophalen Auswärtsvorstellungen konnte der “konterstarke” FC Augsburg in München mit einer kämpferischen Leistung überzeugen und ging verdient als Sieger vom Platz.

Am kommenden Samstag (15.30) ist in der bereits ausverkauften SGL Arena Hannover 96 in Augsburg zu Gast.

FCA: M. Hitz; – P. Verhaegh; R. Klavan; A. Baba; J. Hong; – D. Baier; D. Kohr; M. Feulner; – R. Bobadilla; A. Esswein; H. Altintop.

Eingewechselt: T. Werner (32.); P. Höjbjerg (46.); S. Mölders (83.);

Ausgewechselt: R. Bobadilla (83.); A. Esswein (32.); H. Altintop (46.); –

Auswechselbank: A. Manninger (TW); C. Janker; D. Ji; T. Matavz;

Tor: 1:0 Raúl Bobadilla (71.)